Eruvin — Blatt 54a

1da versetzte sie ihm einen Fußtritt und sprach zu ihm: Es heißt ja: sie ist in allen Stücken festgestellt und gesichert; wenn [die Lehre] in deinen zweihundertachtundvierzig Gliedern festgestellt ist, so ist sie dir gesichert, wenn aber nicht, so ist sie dir nicht gesichert. Es wird gelehrt: R.Elie͑zer hatte einen Schüler, der leise zu studieren pflegte, und nach drei Jahren vergaß er sein Studium.

2Es wird gelehrt: R.Elie͑zer hatte einen Schüler, der sich des Todes durch Verbrennen schuldig gemacht hat; da sprachen sie: Lasset ihn, er famulierte bei einem bedeutenden Manne.

3Šemuél sprach zu R.Jehuda: Scharfsinniger, öffne deinen Mund und lies, öffne deinen Mund und lerne, damit [dein Studium] dir erhalten bleibe und du lange lebest, denn es heißt: denn sie sind Leben denen, die sie finden, und Gesundung für seinen ganzen Leib, und man lese nicht moçéhem [die sie finden], sondern: moçiéhem [die sie aussprechen] mit dem Munde,

4Šemuél sprach zu R.Jehuda: Scharfsinniger, raffe und esse, raffe und trinke, denn die Welt, die wir verlassen werden, ist wie eine Hochzeit.

5Rabh sprach zu R.Hamnuna: Mein Sohn, hast du was, so lasse es dir gut bekommen, denn in der Unterwelt gibt es kein Vergnügen mehr, und auch der Tod verspätet sich nicht; wenn du aber sagst: ich will meinen Kindern eine Rente zurücklassen, wer sagt dir dies in der Unterwelt? Die Menschenkinder gleichen den Gräsern auf dem Felde, diese sprossen hervor, jene verwelken.

6R.Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn jemand sich auf der Reise befindet und keine Begleitung hat, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: denn eine angenehme Begleitung sind sie &c.

7Hat jemand Kopfschmerzen, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: denn ein lieblicher Kranz sind sie für dein Haupt. Hat jemand Halssehmerzen, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: und ein Kettenschmuck an deinem Halse. Hat jemand Leibschmerzen, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: sie wird deinem Leibe zur Genesung sein. Hat jemand Knochenschmerzen, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: und dein Gebein erquicken. Hat jemand sonst Schmerzen am Körper, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: und Gesundung für seinen ganzen Leib.

8R.Jehuda b. Ḥija sagte: Komm und sieh, wie die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, nicht der Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut gleicht. Wenn ein [Mensch aus] Fleisch und Blut jemandem eine Mixtur gibt, so ist sie zuträglich für das eine [Organ] und abträglich für das andere; nicht so ist aber die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er; er gab Jisraél die Tora, die eine Mixtur des Lebens ist für seinen ganzen Körper, denn es heißt: und Gesundung für seinen ganzen Leib.

9R.Ami sagte: Es heißt: denn lieblich sind sie, wenn du sie in deinem Inneren bewahrst, sie werden allzumal auf deinen Lippen bereit sein. Wann sind die Worte der Tora lieblich? Wenn du sie in deinem Inneren bewahrst. Wann bewahrst du sie in deinem Inneren? Wenn sie auf deinen Lippen bereit sind.

10R.Zera entnimmt dies aus folgendem: Freude erwächst einem Manne durch die Antwort seines Mundes, und wie schön, ist ein Wort zu seiner Zeit. Wann erwächst einem Manne Freude? Wenn er die Antwort in seinem Munde hat. Eine andere Lesart: Wann freut sich der Mann der Antwort seines Mundes? Wenn das Wort schön zu seiner Zeit ist.

11R.Jiçḥaq entnimmt dies aus folgendem: Denn überaus nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen ist es, du kannst darnach tun. Wann ist es dir nahe? Wenn es in deinem Munde und in deinem Herzen ist, darnach zu tun.

12Raba entnimmt dies aus folgendem: Du gabst ihm, was sein Herz begehrte, und was seine Lippen flüsterten, weigertest du nicht. Selah. Wann gabst du ihm, was sein Herz begehrte? Wenn du das Flüstern seiner Lippen nicht verweigert hast.

13Raba wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: du gabst ihm, was sein Herz begehrte, dagegen heißt es: und was seine Lippen flüsterten, weigertest du nicht!? Ist es ihm beschieden, so gabst du ihm, was sein Herz begehrte; ist es ihm nicht beschieden, so weigertest du nicht, was seine Lippen flüsterten. Selah.

14In der Schule des R.Elie͑zer b. Ja͑qob wurde gelehrt: Alles, wobei [die Worte] neçaḥ, selah und vae͑d gebraucht werden, hat ewig keinen Auf hör. Neçaḥ, denn es heißt: denn nicht auf immer will ich hadern, noch ewig [neçaḥ] zürnen.

15Selah, denn es heißt: wie wir es gehört haben, so haben wir es gesehen in der Stadt des Herrn der Heerscharen, in der Stadt unseres Gottes; Gott lasse sie ewig feststehen, Selah. Vae͑d, denn es heißt: der Herr ist König auf immer und ewig [vae͑d].

16R.Elie͑zer sagte: Es heißt: und ein Kettenschmuck an deinem Halse; wenn ein Mensch sich wie ein Kettenschmuck macht, der lose am Halse sitzt, der zuweilen zum Vorschein kommt und zuweilen nicht, so bleibt ihm sein Studium erhalten, sonst aber bleibt ihm sein Studium nicht erhalten.

17Ferner sagte R.Elie͑zer: Es heißt: seine Wangen wie die Balsambeete; wenn ein Mensch sich wie ein Beet macht, das von jedem getreten wird, und wie Balsam, mit dem sich jeder parfümiert, so bleibt ihm sein Studium erhalten, sonst aber bleibt ihm sein Studium nicht erhalten.

18Ferner sagte R.Elie͑zer: Es heißt: steinerne Tafeln; wenn ein Mensch seine Wangen wie Stein macht, der sich nicht auflöst, so bleibt ihm sein Studium erhalten, sonst aber bleibt ihm sein Studium nicht erhalten.

19Ferner sagte R.Elie͑zer: Es heißt: eingegraben auf die Tafeln; wären die ersten Tafeln nicht zerbrochen worden, so würde die Tora bei Jisraél nicht in Vergessenheit geraten sein.

20R.Aḥa b. Ja͑qob sagte: Keine Nation und kein Sprachstamm würde über sie Gewalt gehabt haben, denn es heißt: ḥaruth [eingegraben], und man lese nicht ḥaruth, sondern ḥeruth [Freiheit].

21R.Mathna sagte: Es heißt: und aus der Wüste nach Matana; wenn ein Mensch sich wie eine Wüste macht, auf der jeder herumtritt, so bleibt ihm sein Studium erhalten, sonst aber bleibt ihm sein Studium nicht erhalten.

22R.Joseph hatte etwas gegen Raba, den Sohn des R.Joseph b. Ḥama. Als der Vorabend des Versöhnungstages herankam, sprach dieser: Ich will gehen und ihm Abbitte tun. Als er zu ihm kam, traf er seinen Diener für ihn einen Becher [Wein] mischen. Da sprach er zu ihm: Gib ihn mir, ich will ihn mischen. Dieser gab ihn ihm, und er mischte ihn. Als jener ihn kostete, sprach er: Diese Mischung gleicht der Mischung Rabas, des Sohnes des R.Joseph b. Ḥama. Da sprach dieser: Ich bin es.

23Darauf sprach jener: Du setzest dich nicht nieder, bis du mir folgende Schriftverse erklärt hast. Es heißt: von der Wüste nach Matana, von Matana nach Naḥliél, von Naḥliél nach Bamoth und von Bamoth nach dem Tale.

24Dieser erwiderte: Wenn sich ein Mensch wie eine Wüste macht, auf der jeder herumtritt, so wird ihm die Tora zum Geschenke [matana] gegeben; sobald sie ihm zum Geschenke gegeben wird, ist er ein Erbe Gottes [naḥlo él], denn es heißt: von Matana nach Naḥliél; und sobald er ein Erbe Gottes ist, steigt er zur Würde, denn es heißt: und von Naḥliél nach Bamoth [Höhen].

25Wenn er aber stolz wird, erniedrigt ihn der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt: und von Bamoth nach dem Tale. Kehrt er um, so erhöht ihn der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt: jedes Tal wird erhoben werden.

26R.Hona sagte: Es heißt: deine Tiere ließen sich darin nieder, du bereitest es nach deiner Güte, Gott, für die Armen; wenn ein Mensch sich wie ein Tier macht, das [die Beute] erdrosselt und ißt, (manche lesen: das [die Beute] heranschleppt und ißt,) so bleibt ihm sein Studium erhalten, sonst aber bleibt ihm sein Studium nicht erhalten. Verfährt er so, so bereitet ihm der Heilige, gepriesen sei er, persönlich ein Festmahl, denn es heißt: du bereitest es nach deiner Güte, Gott, für die Armen.

27R.Ḥija b. Abba sagte im Namen R.Joḥanans: Es heißt: wer den Feigenbaum hütet, wird seine Frucht genießen; weshalb werden die Worte der Tora mit einem Feigenbaume verglichen? Wie man am Feigenbaume,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.