Eruvin — Blatt 62b
1Der Meister sagte: Der Hof eines Nichtjuden gleicht einem Viehstalle. Wir haben ja aber gelernt, daß, wenn jemand mit einem Nichtjuden in einem Hofe wohnt, dieser ihn für ihn verboten mache!? —
2Das ist kein Einwand; das eine, wenn er sich da befindet, das andere, wenn er sich da nicht befindet. —
3Welcher Ansicht ist er: ist er der Ansicht, eine Wohnung ohne Eigentümer gelte als Wohnung, so sollte auch ein Nichtjude verboten machen, und ist er der Ansicht, eine Wohnung ohne Eigentümer gelte nicht als Wohnung, so sollte auch ein Jisraélit nicht verboten machen!? —
4Tatsächlich ist er der Ansicht, eine Wohnung ohne Eigentümer gelte nicht als Wohnung; bei einem Jisraéliten, der, wenn er sich da befindet, verboten macht, haben die Rabbanan, auch wenn er sich da nicht befindet, Verbot angeordnet,
5ein Nichtjude aber, bei dem es, auch wenn er sich da befindet, nur eine Maßregel ist, damit man von seinen Taten nichts lerne, macht verboten, wenn er sich da befindet, nicht aber (macht er verboten), wenn er sich da nicht befindet. —
6Macht er denn nicht verboten, wenn er sich da nicht befindet, wir haben ja gelernt, daß, wenn jemand sein Haus verläßt und den Šabbath in einer anderen Stadt verbringen geht, ob ein Nichtjude oder ein Jisraélit, ér, wie R.Meír sagt, [den gemeinsamen Hof] verboten mache!? —
7Dies, wenn er am selben Tage zurückkommt.
8R.Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R.Elie͑zer b. Ja͑qob. R.Hona sagte: der Brauch ist wie R.Elie͑zer b. Ja͑qob. R.Joḥanan sagte: das Volk pflegt nach R.Elie͑zer b.Ja͑qob zu verfahren.
9Abajje fragte R.Joseph: Es steht bei uns fest, daß die Lehre des R. Elie͑zer b. Ja͑qob nur einen Kab fasse, aber geläutert ist; ferner sagte auch R.Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R.Elie͑zer b. Ja͑qob;
10darf dies nun ein Schüler in der Ortschaft seines Lehrers entscheiden?
11Dieser erwiderte: R.Ḥisda entschied nicht bei Lebzeiten R.Honas sogar über ein Ei mit Molkenbrei, bezüglich dessen man ihn gefragt hat.
12R.Ja͑qob b.Abba fragte Abajje: Darf man in der Ortschaft seines Lehrers nach der Fastenrolle entscheiden, die ja niedergeschrieben und festgelegt ist? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R.Joseph: R.Ḥisda entschied nicht bei Lebzeiten R.Honas über ein Ei mit Molkenbrei, bezüglich dessen man ihn gefragt hat.
13R.Ḥisda traf in Kaphri Entscheidungen bei Lebzeiten R.Honas.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.