Eruvin — Blatt 64b

1der Ehemann für das Vermögen seiner Frau.

2Raba sagte: Auch wenn man ein Geschäft gemacht und einen Gewinn erzielt hat. R.Papa sagte: Auch wenn man einen Fund gemacht hat. R.Naḥman b.Jiçḥaq sagte: Auch wenn man dafür nur Tephillin schreiben läßt.

3Hierzu sagte R.Ḥanin, nach anderen, R.Ḥanina: Hierauf deutet folgender Schriftvers: da tat Jisraél ein Gelübde &c.

4Rami b. Abba sagte: Ein Mil des Weges oder ein wenig Schlaf verscheuchen den Wein. R.Naḥman sagte im Namen des Rabba b.Abuha: Dies nur, wenn man ein Viertellog getrunken hat, wenn aber mehr als ein Viertellog, so steigert der Weg um so mehr die Müdigkeit und der Schlaf den Rausch. —

5Aber verscheucht denn ein Mil des Weges den Wein, es wird ja gelehrt: Einst befand sich R.Gamliél, auf einem Esel reitend, auf der Reise von A͑kko nach Kezib, und R.Ilea͑j ging hinter ihm einher. Da fand er eine Semmel auf dem Wege und sprach zu ihm: Ilea͑j, hebe die Semmel vom Wege auf. Hierauf begegnete er einem Nichtjuden und sprach zu ihm: Mabgaj, nimm die Semmel von Ilea͑j.

6Später schloß sich ihm R.Ilea͑j an und fragte ihn: Woher bist du? Dieser erwiderte: Aus den Hüttendörfern. — Wie heißt du? — Ich heiße Mabgaj. — Kannte dich R.Gamliél jemals? Dieser erwiderte: Nein.

7Da erkannten wir, daß R.Gamliél es durch heilige Inspiration getroffen hatte. Auch lernten wir dann dreierlei: wir lernten, daß man nicht an Speisen vorübergehen dürfe;

8wir lernten, daß man sich nach der Mehrheit der Reisenden richte; und wir lernten, daß die Nutznießung vom Gesäuerten eines Nichtjuden nach dem Pesaḥfeste erlaubt sei.

9Als er in Kezib angelangt war, kam jemand und bat um die Auflösung seines Gelübdes. Da fragte er seinen Begleiter: Haben wir ein Viertellog italischen Wein getrunken? Dieser erwiderte: Jawohl. — Wenn dem so ist, so mag er uns folgen, bis unser Wein geschwunden ist.

10Hierauf folgte er ihnen drei Mil, bis zum Stufengange von Çor. Als R.Gamliél am Stufengange von Çor angelangt war, stieg er vom Esel ab, hüllte sich ein, setzte sich nieder und löste ihm sein Gelübde auf.

11Wir lernten dann vielerlei: wir lernten, daß ein Viertellog italischer Wein berausche; wir lernten, daß der Berauschte keine Entscheidung treffen dürfe; wir lernten, daß der Weg den Wein verscheuche; und wir lernten, daß man Gelübde weder reitend noch gehend noch stehend, sondern nur sitzend auflösen könne.

12Hier wird also gelehrt: drei Mil!? — Anders ist der italische Wein, der berauschender ist. —

13Aber R.Naḥman sagte ja im Namen des Rabba b. Abuha, daß dies nur von dem Falle gelehrt worden sei, wenn man ein Viertellog getrunken hat, wenn aber mehr als ein Viertellog, der Weg um so mehr die Müdigkeit und der Schlaf den Rausch steigere!? —

14Anders ist es, wenn man reitet. Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist, ist auch gegen Rami b. Abba nichts einzuwenden, denn anders ist es, wenn man reitet. —

15Dem ist ja aber nicht so, R.Naḥman sagte ja, daß man Gelübde ob gehend ob stehend ob reitend auflösen könne!? —

16[Hierüber streiten] Tannaím: es gibt einen, welcher sagt, man gebe eine Anleitung zum Bereuen,

17und es gibt einen, welcher sagt, man gebe keine Anleitung zum Bereuen.

18Rabba b. Bar Ḥana sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Welche Anleitung gab R.Gamliél jenem Manne? Mancher spricht [Worte] wie Schwertstiche, aber die Zunge der Weisen ist Heilung; wer [ein Gelübde] ausspricht, verdient, daß man ihn mit einem Schwerte durchsteche, nur sind die Worte der Weisen eine Heilung.

19Der Meister sagte: Man darf an Speisen nicht vorübergehen. R.Joḥanan sagte im Namen des R.Šimo͑n b. Joḥaj: Dies wurde nur von den früheren Generationen gelehrt, wo die Töchter Jisraéls nicht der Zauberei ergeben waren, in den späteren Generationen aber, wo die Töchter Jisraéls der Zauberei ergeben sind, gehe man wohl vorüber.

20Es wird gelehrt: An ganzen [Broten] gehe man vorüber, an Brocken aber nicht. R.Asi sprach zu R.Aši: Üben sie denn mit Brocken keine [Zauberei], es heißt ja: und sie entweihten mich bei meinem Volke mit Haufen Gerste und Brocken Brotes!? — Sie pflegten es als Belohnung zu nehmen.

21R.Šešeth sagte im Namen des R.Elea͑zar b. A͑zarja:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.