Eruvin — Blatt 88b
1Ist [der Hof] vier Ellen groß, so will man ihn sprengen, ist er kleiner, so will man es fortgießen; daher ist es, wenn man eine [Abfluß] grube gemacht hat, erlaubt, wenn aber nicht, verboten.
2R.Zera erklärte: Bei vier Ellen sickert [das Wasser in die Erde] ein, wenn weniger als vier Ellen, sickert es nicht ein.
3Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Abajje erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn er lang und schmal ist.
4Wir haben gelernt: Der Hof und die Veranda werden miteinander zu den vier Ellen vereinigt.
5Erklärlich ist dies nach R.Zera, gegen Rabh ist dies ja aber ein Einwand!? R.Zera erklärte es nach Rabh: Wenn die Veranda über den ganzen Hof geht.
6Komm und höre: In einem Hofe, der keine vier zu vier Ellen hat, darf man am Šabbath kein Wasser ausgießen. Erklärlich ist dies nach Rabh, gegen R.Zera ist dies ja aber ein Einwand!?
7R.Zera kann dir erwidern: dies nach den Rabbanan, während unsere Mišna die Ansicht des R.Elie͑zer b. Ja͑qob vertritt.
8Was veranlaßt R.Zera, unsere Mišna nach R.Elie͑zer b. Ja͑qob zu erklären!? Raba erwiderte: Unsere Mišna ist ihm auffallend; weshalb lehrt er: in einem Hofe, der weniger hat, er sollte doch lehren: in einem Hofe, der nicht vier zu vier Ellen hat!?
9Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß sie die Ansicht des R.Elie͑zer b. Ja͑qob vertritt. Schließe hieraus.
10Wenn aber der Schlußsatz die Ansicht des R.Elie͑zer b. Ja͑qob lehrt, so ist ja der Anfangssatz nicht nach R.Elie͑zer b. Ja͑qob!?
11Die ganze [Mišna] ist nach R.Elie͑zer b. Ja͑qob, nur ist sie lückenhaft und muß wie folgt lauten: In einem Hofe, der weniger als vier Ellen hat, darf man am Šabbath kein Wasser ausgießen; hat er aber vier Ellen, so darf man ausgießen, denn R.Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, man dürfe in eine vier Ellen bedeckte Gosse auf öffentlichem Gebiete am Šabbath Wasser ausgießen.
12R.ELIE͑ZER B.JÂQOB SAGTE:IN EINER BEDECKTENGOSSE.
13Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht Ḥananjas, denn es wird gelehrt: Ḥananja sagt, auch wenn das Dach hundert Ellen groß ist, dürfe man auf dieses nicht gießen, weil das Dach [das Wasser] nicht aufsaugt, sondern es abfließen läßt.
14Es wird gelehrt: Diese Worte gelten nur vom Sommer, in der Regenzeit aber darf man unbeschränkt [Wasser] ausgießen und es wiederholen. – Aus welchem Grunde? Raba erwiderte: Man hat dann nichts dagegen, wenn das Wasser auf der Stelle aufgesogen wird.
15Abajje sprach zu ihm: Auch beim Ausgußwasser hat man ja nichts dagegen, wenn es auf der Stelle aufgesogen wird, dennoch lehrt er, daß man es nicht [in die Gosse] gießen dürfe!?
16Dieser erwiderte: Was sollte da berücksichtigt werden: wenn etwa die Beschmutzung seines Hofes, so ist er ja dann ohnehin schmutzig, und wenn etwa, man würde sagen, aus seiner Rinne fließe Wasser, so fließen ja dann alle Rinnen.
17R.Naḥman sagte: In der Regenzeit darf man, wenn die [Abfluß]-grube zwei Seá faßt, zwei Seá, und wenn sie eine Seá faßt, eine Seá gießen; im Sommer darf man, wenn sie zwei Seá faßt, zwei Seá, und wenn sie eine Seá faßt, überhaupt nichts gießen.
18Sollte man doch auch im Sommer, wenn sie eine Seá faßt, eine Seá gießen dürfen!? – Es ist zu berücksichtigen, man könnte zwei Seá zu gießen verleitet werden. – Dies sollte ja auch in der Regenzeit berücksichtigt werden!?
19Was sollte dann berücksichtigt werden: wenn etwa die Beschmutzung [seinesHofes], so ist er ja dann ohnehin schmutzig, und wenn etwa, man würde sagen, aus seiner Rinne fließe Wasser, so fließen ja dann alle Rinnen.
20Abaj je sagte: Daher sogar auch ein Kor und zwei Kor.
21DESGLEICHEN AUCH, WENN VON ZWEI EINANDER GEGENÜBERLIEGENDEN BAUWERKEN. Raba sagte: Selbst wenn sie [zusammen] einen E͑rub gemacht haben.
22Abajje sprach (zu ihm): Aus welchem Grunde: wollte man sagen, weil [zwei] mehr Wasser verbrauchen, so wird ja gelehrt, man dürfe, ob in eine [Abfluß]grube, ein Brackgefäß, einen Teich oder ein Boot, selbst wenn sie am Vorabend des Šabbaths mit Wasser gefüllt worden sind, am Šabbath Wasser gießen!?
23Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: Raba sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.