Eruvin — Blatt 90b
1da es Wände hat; Šemuél sagt, man dürfe auf diesem nur vier Ellen tragen, weil die Wände nur dazu bestimmt sind, das Wasser zurückzudrängen.
2R.Ḥija b. Joseph fragte Šemuél: Ist die Halakha wie du, oder ist die Halakha wie Rabh? Dieser erwiderte: Die Halakha ist wie Rabh.
3R.Gidel sagte im Namen des R.Ḥija b. Joseph: Rabh pflichtet jedoch bei, daß, wenn man es umgestülpt hat, man auf diesem nur vier Ellen tragen dürfe. – Wozu umgestülpt: wollte man sagen, um darunter zu wohnen, so ist es ja nicht anders, als bei einem einzelnen Dache!? –
4Vielmehr, wenn man es umgestülpt hat, um es zu pichen.
5R.Aši bezieht dies auf [die Lehre vom] Schiffe; R.Aḥa, Sohn Rabas, bezieht dies auf [die Lehre von der] Säulenhalle. Es wurde nämlich gelehrt: In einer Säulenhalle auf einer Ebene darf man, wie Rabh sagt, unbeschränkt, und wie Šemuél sagt, nur vier [Ellen] tragen.
6Rabh sagt, man dürfe da unbeschränkt tragen, denn wir sagen, der Deckenrand reiche [fiktiv] bis unten und schließe sie ab; Šemuél sagt, man dürfe da nicht mehr als vier [Ellen] tragen, denn wir sagen nicht, der Deckenrand reiche bis unten und schließe sie ab. –
7Sollte man doch nach Rabh, nach der Ansicht R.Meírs, vom Dache nach dem Hofe tragen dürfen!? – Hierbei wird [die Lehre des] R. Jiçḥaq b. Evdämi berücksichtigt. –
8Sollte man doch nach Šemuél, nach der Ansicht der Rabbanan, vom Dache nach dem Gehege tragen dürfen? Rabba b. U͑la erwiderte: Hierbei wird berücksichtigt, das Dach könnte vermindert werden. –
9Demnach sollte man auch aus einem Gehege nach einem Gehege nicht tragen dürfen, da man verleitet werden könnte, auch dann zu tragen, wenn es vermindert wird!? – Hierbei ist es, wenn es vermindert wird, kenntlich, da aber ist es, wenn es vermindert wird, nicht kenntlich.
10R.Jehuda sagte: Wenn du darüber nachdenkst, sind nach R.Meír Dächer ein Gebiet für sich, Höfe ein Gebiet für sich
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.