Eruvin — Blatt 93a
1daß, wenn man auf eine Säulenhalle, die [an zwei Seiten] Latten hat, Hüttenbedachung legt, sie [als Festhütte] brauchbar sei; wenn man aber vor den Latten eine Wand zieht, so ist sie unbrauchbar!?
2Abajje erwiderte ihm: Nach meiner Ansicht ist sie brauchbar, nach deiner Ansicht aber ist dies ja eine Entfernung der Wände.
3Rabba b. R.Ḥanan entgegnete Abajje: Finden wir etwa nicht, daß eine Scheidewand Verbot erwirkt, es wird ja gelehrt, daß, wenn ein Haus zur Hälfte eine Decke hat und zur Hälfte keine Decke hat, man, wenn sich da Weinstöcke befinden, dort säen dürfe.
4Wenn man aber die Decke über das ganze erweitert, ist es verboten!? Dieser erwiderte: Dies ist eine Entfernung der Wand.
5Hierauf ließ Raba durch R. Šema͑ja b. Zee͑ra Abajje entgegnen: Finden wir etwa nicht, daß eine Scheidewand Verbot erwirkt, es wird ja gelehrt: Die Scheidewand ist beim Weinberge zuweilen erleichternd und zuweilen erschwerend. Zum Beispiel. Wenn ein Weinberg bis zur Basis der Scheidewand bebaut ist, so darf man von der Basis der Scheidewand ab Saaten säen; ist da aber keine Scheidewand, so darf man nur vier Ellen entfernt säen. Hierbei ist die Scheidewand beim Weinberge erleichternd.
6Wieso erschwerend? Ist er es elf Ellen von der Scheidewand, so darf man dazwischen keine Saaten säen; ist da aber keine Scheidewand, so darf man vier Ellen entfernt säen. Hierbei ist die Scheidewand erschwerend!?
7Dieser erwiderte: Nach deiner Ansicht könntest du ja gegen mich einen Einwand aus einer Mišna erheben, denn wir haben gelernt: Die Platte des Weinberges muß, wie die Schule Šammajs sagt, vierundzwanzig Ellen, und wie die Schule Hillels sagt, sechzehn Ellen haben. Das Vorland des Weinberges muß, wie die Schule Šammajs sagt, sechzehn Ellen, und wie die Schule Hillels sagt, zwölf Ellen haben.
8Was heißt Platte des Weinberges? Was in der Mitte des Weinberges einging. Sind da keine sechzehn Ellen vorhanden, so darf man darauf keine Saaten säen; sind da sechzehn Ellen vorhanden, so lasse man einen Raum zur Bearbeitung frei und besäe den Rest.
9Was heißt Vorland des Weinberges? Was zwischen dem Zaune und dem Weinberge liegt. Sind da keine zwölf Ellen vorhanden, so darf man darauf keine Saaten säen; sind da zwölf Ellen vorhanden, so lasse man einen Raum zur Bearbeitung frei und besäe den Rest.
10Hierbei ist vielmehr folgender Grund zu berücksichtigen: vier Ellen am Weinberge sind ein Raum zur Bearbeitung, vier Ellen an der Wand gibt man preis, weil sie nicht besäet werden, und was dazwischen sich befindet, ist nur dann von Bedeutung, wenn es vier Ellen sind, sonst aber nicht.
11R.Jehuda sagte: Wenn es drei Gehege neben einander sind, die zwei äußeren an den Seiten überragend und das mittelste nicht überragend, ein einzelner in diesem und ein einzelner in jenem, so gelten sie als Karawane, und man gebe ihnen den ganzen Raum, den sie benötigen. (Dies ist entschieden.)
12Wenn das mittelste überragend und die beiden äusseren nicht überragend, ein einzelner in diesem, ein einzelner in jenem und ein einzelner im anderen, so gebe man ihnen nur sechs [Seá].
13Sie fragten: Wie ist es, wenn einer in dem einen, einer im anderen und zwei im mittelsten: wenden sie sich da, so sind es drei, wenden sie sich dort, so sind es drei;
14oder aber gehört einer da und einer dort?
15Wie ist es, falls du entscheidest, einer gehöre da und einer dort, wenn zwei in diesem, zwei in jenem und einer im mittelsten: in diesem Falle sind es drei, wenn er sich da wendet, und drei, wenn er sich dort wendet, oder aber: vielleicht nach der einen Seite, vielleicht nach der anderen Seite?
16Die Halakha ist, bei beiden Fragen erleichternd.
17R.Ḥisda sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.