Eruvin — Blatt 96b
1der Ansicht R.Joses, welcher sagt, das Stützen sei den Frauen freigestellt!?
2Wieso haben sie, wolltest du nicht so sagen, der Frau Jonas, die auf die Wallfahrt ging, es nicht gewehrt, gibt es denn jemand, welcher sagt, die Wallfahrt sei kein von einer bestimmten Zeit abhängiges Gebot!? Sie waren also der Ansicht, es sei [den Frauen] freigestellt, ebenso ist es ihnen auch hierbei freigestellt. –
3Vielmehr, es ist der Tanna der folgenden Lehre: Wer [am Šabbath] Tephîllin findet, bringe sie paarweise heim, ob Mann oder Frau, ob neue oder gebrauchte – so R.Meír; R. Jehuda verbietet es bei neuen und erlaubt es bei gebrauchten.
4Sie streiten also nur, über neue und gebrauchte, nicht aber über eine Frau. Hieraus ist somit zu entnehmen, daß dies kein von einer bestimmten Zeit abhängiges Gebot ist, und zu allen von einer bestimmten Zeit nicht abhängigen Geboten sind Frauen verpflichtet. –
5Vielleicht ist er der Ansicht R.Joses, welcher sagt, das Stützen sei den Frauen freigestellt!? – Dies ist nicht anzunehmen, denn nicht R.Meír ist der Ansicht R.Joses, und nicht R.Jehuda ist der Ansicht R.Joses.
6R.Meír ist nicht der Ansicht R.Joses, denn wir haben gelernt, daß man Kinder vom Posaunenblasen nicht zurückhalte, wonach man Frauen wohl zurückhalte, und eine anonyme Mišna ist nach R.Meír.
7R.Jehuda ist nicht der Ansicht R.Joses, denn es wird gelehrt: Sprich zu den Söhnen Jisraéls; und er soll stützen; nur die Söhne Jisraéls stützen, nicht aber stützen die Töchter Jisraéls; R.Jose und R.Šimo͑n sagen, den Frauen sei es zu stützen freigestellt;
8eine anonyme [Lehre im] Siphra ist nach R.Jehuda.
9R.Elie͑zer sagte: Wenn jemand purpurblaue Wolle auf der Straße findet, so ist sie, wenn in Streckstreifen, unbrauchbar, und wenn in Fäden, brauchbar. –
10Wenn in Streckstreifen wohl deshalb nicht, weil man annehme, sie sei zu einem Gewände gefärbt worden, und ebenso können ja auch Fäden zu einem Gewände gesponnen worden sein!? – Wenn sie gezwirnt sind. –
11Aber auch gezwirnte können ja zu einer Kleiderborte gedreht worden sein!? – Wenn sie geschnitten sind, und so sehr bemüht man sich damit sicher nicht.
12Raba wandte ein: Bemüht sich denn jemand, ein Amulett in der Form von Tephillin zu fertigen, dennoch haben wir gelernt, dies gelte nur von gebrauchten [Tephillin], bei neuen aber brauche man es nicht!? –
13R.Zera sprach zu seinem Sohne Ahaba: Geh und lehre vor ihnen: Wenn jemand purpurblaue Wolle auf der Straße findet, so ist sie, wenn in Streckstreifen, unbrauchbar, und wenn in geschnittenen Fäden, brauchbar, weil man sich damit nicht so sehr bemüht.
14Raba entgegnete: Ist dies denn, weil Ahaba, der Sohn R.Zeras, es gelehrt hat, mit Edelsteinen behängt worden, wir haben ja gelernt, dies gelte nur von gebrauchten [Tephillin], bei neuen aber brauche man es nicht!?
15Vielmehr, sagte Raba, besteht darüber, ob man sich bemüht oder nicht bemüht, [ein Streit von] Tannaím.
16Es wird nämlich gelehrt; Wer [am Šabbath] Tephillin findet, bringe sie paarweise heim, ob ein Mann oder eine Frau,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.