Eruvin — Blatt 99a
1Dieser glaubte, da der Schlußsatz die Ansicht R.Meírs vertritt, lehre auch der Anfangssatz nach R.Meír, dem ist aber nicht so; der Schlußsatz nach R.Meír und der Anfangssatz nach den Rabbanan.
2JEDOCH NICHT AUSSERHALB DER VIER ELLEN BRINGEN. Wenn man aber hinausgebracht hat, ist man ein Sündopfer schuldig; somit wäre dies eine Stütze für Raba, denn Raba sagte, wer etwas vier [Ellen] in der Höhe trägt, sei schuldig. –
3Lehrt er etwa, man sei, wenn man hinausgebracht hat, ein Sündopfer schuldig, vielleicht ist man, wenn man hinausgebracht hat, frei, und nur von vornherein ist es verboten.
4Manche lesen: Wenn man hinausgebracht hat, ist man frei, und nur von vornherein ist es verboten; dies wäre eine Widerlegung Rabas, denn Raba sagte, wer etwas vier [Ellen] in der Höhe trägt, sei schuldig. – Lehrt er etwa, man sei frei, wenn man hinausgebracht hat, und nur von vornherein sei es verboten, vielleicht ist man, wenn man hinausgebracht hat, ein Sündopfer schuldig.
5MAN DARF NICHT AUF PRIVATGEBIET STEHEN &C. R.Joseph sagte: Hat man uriniert oder gespuckt, so ist man ein Sündopfer schuldig. –
6Die Fortnahme (und das Niederlegen) muß ja aber von einem Räume von vier [Handbreiten] erfolgen,
7was hierbei nicht der Fall ist!? – Seine Absicht macht es zu einem solchen Räume. Wieso sagte Raba, wolltest du nicht so sagen, daß, wenn jemand etwas wirft und es im Maule eines Hundes oder in der Öffnung eines Schmelzofens liegen bleibt, er ein Sündopfer schuldig sei, das Niederlegen muß ja auf einen Raum von vier [Handbreiten] erfolgen, was hierbei nicht der Fall ist!?
8Seine Absicht macht es also zu einem solchen Räume, ebenso macht auch hierbei seine Absicht es zu einem solchen Raume.
9Raba fragte: Wie ist es, wenn er auf Privatgebiet steht und die Spitze seines Gliedes sich auf öffentlichem Gebiete befindet: richten wir uns nach der Herkunft, oder richten wir uns nach dem Hervorkommen? – Dies bleibt unentschieden.
10DESGLEICHEN NICHT SPUCKEN. R.JEHUDA SAGT &C. Auch wenn man ihn nicht umgedreht hat?
11Wir haben ja aber gelernt: Wenn jemand mit ungereinigten Händen einen Feigenkuchen ißt und die Hand in den Mund steckt, um einen Span zu entfernen, so ist er nach R.Meír unrein, und nach R.Jose rein.
12R.Jehuda sagt, hat er ihn umgedreht, sei er unrein, hat er ihn nicht umgedreht, sei er rein!?
13R.Joḥanan erwiderte: Die Ansichten sind zu vertauschen.
14Reš Laqiš erwiderte: Tatsächlich brauchst du sie nicht zu vertauschen, denn hier handelt es sich um Schleim. –
15Es wird ja aber gelehrt: R.Jehuda sagt, wenn der Schleim sich aufgesammelt hat. Doch wohl auch Speichel, wenn er sich aufgesammelt hat. – Nein, nur Schleim, wenn er sich aufgesammelt hat. – Es wird ja aber gelehrt: R.Jehuda sagt, auch wenn der Schleim oder der Speichel sich aufgesammelt bat, dürfe man keine vier Ellen gehen, ohne ihn ausgespuckt zu haben!? – Am richtigsten ist es vielmehr, wie wir zuerst erklärt haben.
16Reš Laqiš sagte: Wer in Gegenwart seines Lehrers schleimt, verdient den Tod, denn es heißt: die mich hassen, wollen den tod, und man lese nicht: die mich hassen, sondern: die mich verhaßt machen. –
17Man ist ja aber gezwungen!? – Wir sprechen vom Schleimen und Ausspucken.
18MAN DARF NICHT AUF PRIVATGEBIET STEHEN UND AUS ÖFFENTLICHEM GEBIETE TRINKEN ODER AUF ÖFFENTLICHEM GEBIETE STEHEN UND AUS PRIVATGEBIET TRINKEN, ES SEI DENN, DASS MAN DEN KOPF UND DEN GRÖSSEREN TEIL DES KÖRPERS DA HINÜBERGEBEUGT HAT, WO MAN TRINKT. EBENSO BEI EINER KELTER.
19GEMARA. Der Anfangssatz nach den Rabbanan und der Schlußsatz nach R.Meír!?
20R.Joseph erwiderte: [Der Schlußsatz spricht] von Dingen, die man braucht, nach aller Ansicht.
21Sie fragten: Wie ist es bei einem Neutralgebiete? Abajje erwiderte: Es ist ja dasselbe. Raba erwiderte: Dieses ist ja an sich nur eine Maßregel, und wir sollten eine Maßregel für eine Maßregel treffen!?
22Abajje sprach: Dies entnehme ich aus folgendem:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.