Gittin — Blatt 13a

1Der Sklave eines Priesters, der seinem Herrn entläuft, und die Frau eines Priesters, die sich ihrem Manne widersetzt. dürfen Hebe essen, dieser aber darf sie nicht essen. –

2Er hat ihnen ja treffend erwidert!? Raba erwiderte: Das ist es, was sie ihm in der Mišna erwiderten: weil er sein Eigentum ist; denn, wenn er will, nimmt er vier Zuz von einem Jisraéliten und macht ihn hierzu untauglich, wo er sich auch befindet. –

3Einleuchtend ist es nach R. Meír vom Sklaven eines Priesters, wie ist es aber vom Sklaven eines Jisraéliten zu erklären!? R. Šemuél b. R. Jiçḥaq erwiderte: Weil er ihm eine kenaa͑nitische Magd entzieht. –

4Im Gegenteil, er macht ihm ja eine Freie erlaubt!? – Einem Sklaven ist die Zügellosigkeit lieb; jene ist ihm gefügig, häufig und unkeusch.

5WENN JEMAND GESAGT HAT, DASS MAN DIESEN SCHEIDEBRIEF SEINER FRAU ODER DIESEN FREILASSUNGSBRIEF SEINEM SKLAVEN GEBE, UND GESTORBEN IST, SO GEBE MAN IHN NICHT NACH SEINEM TODE; WENN ABER, DASS MAN JEMAND EINE MINE GEBE, UND GESTORBEN IST, SO GEBE MAN SIE IHM NACH SEINEM TODE.

6GEMARA. R. Jiçḥaq, Sohn des Šemuél b. Martha, sagte im Namen Rabhs: Nur dann, wenn [die Mine] reserviert in einem Winkel liegt. –

7Von wem wird hier gesprochen, wenn von einem Gesunden, so ist ja nichts dabei, daß sie reserviert ist, jener hat sie ja nicht an sich gezogen, und wenn von einem Sterbenskranken, so sollte es doch nicht nur von einer reservierten, sondern auch von einer nicht reservierten gelten, denn es ist uns ja bekannt, daß die Worte eines Sterbenskranken als geschrieben und übergeben gelten!?

8R. Zebid erwiderte: Tatsächlich von einem Gesunden, und zwar nach R. Hona im Namen Rabhs, denn R. Hona sagte im Namen Rabhs: [Wenn jemand zu einem gesagt hat:] ich habe bei dir eine Mine, gib sie diesem, so hat sie dieser, wenn sie alle drei beisammen sind, erworben.

9R. Papa erwiderte: Tatsächlich von einem Sterbenskranken, und zwar nach einer anderen Lehre Rabhs, denn Rabh sagte: Wenn ein Sterbenskranker gesagt hat, daß man jemand eine Mine von seinem Vermögen gebe, so gebe man sie ihm, wenn er ‘diese Mine’ gesagt hat, und gebe ihm nicht, wenn er ‘eine Mine’ gesagt hat,

10denn es ist zu berücksichtigen, er habe vielleicht eine vergrabene Mine gemeint.

11Die Halakha ist, man berücksichtige das Vergrabene nicht. – Weshalb erklärt R. Papa nicht wie R. Zebid? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.