Gittin — Blatt 13b

1R. Papa ist der Ansicht, Rabh lehrte dies sowohl von einem Darlehen als auch von einem Depositum. –

2Weshalb erklärt R. Zebid nicht wie R. Papa? – Unsere Mišna ist auf einen Sterbenskranken nicht zu beziehen. – Wieso dies? – Diese lehrt, daß, wenn jemand gesagt hat, daß man diesen Scheidebrief seiner Frau oder diesen Freilassungsbrief seinem Sklaven gebe, und gestorben ist, mau ihn nach seinem Tode nicht gebe.

3Nur wenn er gestorben ist, wenn er aber lebt, gebe man wohl; nur wenn er ‘gebt’ gesagt hat, wenn er aber nicht ‘gebt’ gesagt hat, gebe man nicht. Bei einem Sterbenskranken aber gebe man, auch wenn er nicht ‘gibt’ gesagt hat.

4Wir haben nämlich gelernt: Vormals sagten sie, wenn jemand, der in Halseisen hinausgeführt wird, sagt, daß man seiner Frau einen Scheidebrief schreibe, schreibe man ihn und gebe ihr; später sagten sie es auch von einem zur See oder mit einer Karawane Ausreisenden.

5R. Šimo͑n Šezori sagt dies auch von einem lebensgefährlich [Kranken].

6R. Aši wandte ein: Wer sagt uns, daß unsere Mišna die Ansicht des R. Šimo͑n Šezori vertritt, vielleicht die der Rabbanan!?

7Der Text. R. Hona sagte im Namen Rabhs: [Wenn jemand zu einem gesagt hat:] ich habe bei dir eine Mine, gib sie diesem, so hat dieser sie, wenn sie alle drei beisammen sind, erworben. Raba sagte: Die Lehre Rabhs ist einleuchtend bei einem Depositum, nicht aber bei einem Darlehen,

8aber bei Gott, Rabh sagte es auch von einem Darlehen. Es wurde auch gelehrt: Šemuél sagte im Namen Levis: [Wenn jemand zu einem gesagt hat:] ich habe bei dir ein Darlehen, gib es diesem, so hat dieser es, wenn sie alle drei beisammen sind, erworben. –

9Aus welchem Grunde? Amemar erwiderte: Es ist, als ob er beim Empfange des Geldes zu ihm gesagt haben würde: ich unterwerfe mich dir und all deinen Rechtsnachfolgern.

10R. Aši sprach zu Amemar: Demnach erwerben, wenn er es später Geborenen zueignet, die beim Empfange des Geldes noch nicht vorhanden waren, diese es nicht?

11Und selbst R. Meír, welcher sagt, man könne das, was man noch nicht hat, zueignen, sagt dies nur von einer Sache, die bereits auf der Welt ist, nicht aber von einer Sache, die noch nicht auf der Welt ist.

12Vielmehr, erklärte R. Aši,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.