Gittin — Blatt 24a
1Und hiervon ausgehend: wie jene sagen müssen: er ist vor uns geschrieben und vor uns unterzeichnet worden, ebenso muß sie selbst sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden.
2R. Aši sagte: Dies geht auch aus unserer Mišna hervor, denn diese lehrt, eine Frau könne ihren Scheidebrief selber überbringen, nur müsse sie sagen &c. Schließe hieraus. –
3Nach R. Joseph sprechen der Anfangsatz und der Schlußsatz vom Auslande und der Mittelsatz vom [Jisraél]lande!? – Allerdings, der Anfangsatz und der Schlußsatz vom Auslande und der Mittelsatz vom [Jisraél]lande. –
4Woher dies? – Er lehrt: Welchen Unterschied gibt es zwischen Scheidung und Tod? Die Urkunde beweist es. Er lehrt aber nicht, die Urkunde und der Mund beweisen es.
5EINE FRAU KANN SELBST ÜBERBRINGEN &C. Die Frau wird ja geschieden, sobald der Scheidebrief in ihre Hand kommt!? R. Hona erwiderte: Wenn er zu ihr gesagt hat: du sollst damit nur vor dem und dem Gerichte geschieden sein. – Aber immerhin wird sie ja geschieden, sobald sie da hinkommt!?
6Vielmehr, erwiderte R. Hona b. Manoaḥ im Namen des R. Aḥa b. R. Iqa, wenn er zu ihr gesagt hat: wenn du da hinkommst, lege ihn auf den Erdboden und nimm ihn auf. –
7Dies heißt somit: nimm deinen Scheidebrief vom Erdboden auf, und Raba sagte ja, daß, [wenn er zu ihr gesagt hat:] nimm deinen Scheidebrief vom Erdboden auf, er nichts gesagt habe!? –
8Vielmehr, wenn er zu ihr gesagt hat: bis du da hinkommst, sei Vertreterin zur Überbringung, und wenn du da hinkommst, sei Vertreterin zur Empfangnahme und nimm deinen Scheidebrief in Empfang. –
9Der Vertreter kann ja nicht zurück zum Ehemanne!? – Wenn er zu ihr gesagt hat: bis du da hinkommst, sei Vertreterin zur Überbringung, und wenn du da hinkommst, mache jemand zum Vertreter zur Empfangnahme und empfange deinen Scheidebrief. –
10Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, die Frau könne einen Vertreter zur Empfangnahme ihres Scheidebriefes aus der Hand des Vertreters ihres Ehemannes bestellen, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, die Frau könne keinen Vertreter zur Empfangnahme ihres Scheidebriefes aus der Hand des Vertreters ihres Ehemannes bestellen!? –
11Der Grund ist ja der, weil hierin eine Herabsetzung des Ehemannes liegt, und in diesem Falle achtet der Ehemann nicht darauf. –
12Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, wegen Herabsetzung des Ehemannes, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, wegen eines später in ihren Besitz kommenden Hofes!? –
13Wenn er zu ihr gesagt hat: bis du da hinkommst, sei du Vertreterin zur Überbringung, und wenn du da hinkommst, bestelle jemand zum Vertreter der Überbringung und nimm von ihm deinen Scheidebrief in Empfang.
14Wenn du aber willst, sage ich, wenn er zu ihr gesagt hat: bis du da hinkommst, sei Vertreterin der Überbringung, und wenn du da hinkommst, sprich vor dem Gerichte: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, und das Gericht bestellt dann einen Vertreter, der dir [den Scheidebrief] übergibt.
15JEDER SCHEIDEBRIEF, DER NICHT AUF DEN NAMEN DER FRAU GESCHRIEBEN IST, IST UNGÜLTIG. WENN JEMAND BEISPIELSWEISE ÜBER DIE STRASSE GEHT UND SCHREIBER VORLESEN HÖRT: N. LÄSST SICH VON SEINER FRAU N. AUS DER ORTSCHAFT N. SCHEIDEN, UND SAGT: DAS IST MEIN NAME UND DAS IST DER NAME MEINER FRAU, SO IST [DIESER SCHEIDEBRIEF] FÜR IHN ZUR SCHEIDUNG UNGÜLTIG.
16NOCH MEHR: WENN JEMAND [EINEN SCHEIDEBRIEF] GESCHRIEBEN HAT, UM SICH VON SEINER FRAU SCHEIDEN ZU LASSEN, UND DAVON ABGEKOMMEN IST, UND EIN MITBÜRGER IHN TRIFFT UND ZU IHM SPRICHT: MEIN NAME GLEICHT DEINEM UND DER NAME MEINER FRAU GLEICHT DEM DEINER FRAU, SO IST DIESER FÜR IHN ZUR SCHEIDUNG UNGÜLTIG.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.