Gittin — Blatt 59a
1Ich war an jener Abstimmung Rabbis beteiligt, und die Abstimmung begann mit mir. –
2Wir haben ja aber eine Lehre, daß bei Geldangelegenheiten und [Fragen über] Reinheit und Unreinheit [die Abstimmung] mit dem Größten und bei Todesstrafsachen von der Seite begonnen werde!?
3Rabba, der Sohn Rabas, nach anderen R. Hillel, Sohn des R. Valas, erwiderte: Anders verhielt es sich bei der Abstimmung in der Schule Rabbis; sie begannen all ihre Abstimmungen von der Seite.
4Ferner sagte Rabba, der Sohn Rabas, nach anderen R. Hillel, Sohn des R. Valas: Seit den Tagen Mošes bis zu den Tagen Rabbis waren Tora und [weltliche] Größe nicht [in einer Person] vereinigt. –
5Etwa nicht, bei Jehošua͑ war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Elea͑zar. – Bei Eleázar war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Pinhas. – Bei Pinḥas war dies ja!? – [Neben ihm] waren noch die Ältesten. –
6Bei Šaúl war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šemuél. – Er starb ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. – Bei David war dies ja!? – [Neben ihm] War noch I͑ra der Jaírite. –
7Dieser starb ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. – Bei Šelomo war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šimi͑, der Sohn Geras. – Er tötete ihn ja!? – Wir sprechen von der ganzen Lebensdauer. –
8Bei Ḥizqija war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Šebhna. – Bei E͑zra war dies ja!? – [Neben ihm] war noch Neḥemja, der Sohn Ḥakhaljas.
9R. Aḥa, der Sohn Rabas, sagte: Auch ich will desgleichen sagen: seit den Tagen Rabbis bis zu den Tagen R. Ašis waren Tora und [weltliche] Größe nicht [in einer Person] vereinigt. – Etwa nicht, bei Hona b. Nathan war dies ja!? – Anders verhielt es sich bei Hona b. Nathan, denn er beugte sich vor R. Aši.
10DER TAUBSTUMME KANN DURCH ZEICHEN VERSTÄNDIGEN UND VERSTÄNDIGT WERDEN. BEN BETHERA SAGT, BEI BEWEGLICHEN SACHEN KANN ER AUCH DURCH MIENENVERSTÄNDIGEN UND VERSTÄNDIGT WERDEN. DER KAUF UND VERKAUF KLEINER KINDER IST BEI BEWEGLICHEN SACHEN GÜLTIG.
11GEMARA. R. Naḥman sagte: Sie streiten nur über bewegliche Sachen, bei Scheidebriefen aber sind alle der Ansicht, daß es durch Zeichen erfolgen müsse. –
12Selbstverständlich, es heißt ja: bei beweglichen Sachen!? – Man könnte glauben: auch bei beweglichen Sachen, so lehrt er uns.
13Manche lesen: R. Naḥman sagte: Wie sie über bewegliche Sachen streiten, so streiten sie auch über Scheidebriefe. – Unsere Lehre lautet ja aber: bei beweglichen Sachen!? – Lies: auch bei beweglichen Sachen.
14DER KAUF UND VERKAUF KLEINER KINDER IST BEI BEWEGLICHEN SACHEN GÜLTIG. Bis wieviel? – R. Jehuda zeigte im Namen R. Jiçḥaqs: ungefähr Sechs- oder Siebenjährige. R. Kahana sagte, ungefähr Sieben- oder Achtjährige. In einer Barajtha wird gelehrt, ungefähr Neun- oder Zehnjährige.
15Sie streiten aber nicht, jeder nach seinem Verstände. – Aus welchem Grunde? R. Abba b. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Johanans: Wegen seines Lebensunterhaltes.
16Und er sprach zu dem, der über den Kleiderschrein gesetzt war: Hole Gewänder für alle die dem Baẚl dienen. Was heißt Kleiderschrein? R. Abba b. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Joḥanans: Etwas, was gedreht und gedehnt wird.
17Als R. Dimi kam, erzählte er im Namen R. Joḥanans: Bonjos b. Nonjos sandte Rabbi [Gewänder aus] Sibani, Ḥomes, Salsela und Malmela. Sibani und Homes im Umfang einer Nuß und einer halben Nuß; Salsela und Malmela im Umfang einer Pistazie und einer halben Pistazie. – Was heißt Malmela? – Etwas, das gedreht und gedehnt wird.
18Welches ist [die Grenze] bei ihrer Übervorteilung? R. Jona erwiderte im Namen R. Zeras: Bis zu einem Sechstel, wie bei einem Erwachsenen.
19Abajje fragte: Wie verhält es sich mit seiner Schenkung? R. Jemar sagt, seine Schenkung sei ungültig, und Mar, Sohn des R. Aši, sagt, seine Schenkung sei gültig.
20Als sie dies R. Mordekhaj verkehrt berichteten, sprach er zu ihnen: Geht und sagt dem Sohne des Meisters, daß die Sache sich anders zugetragen habe. Als der Meister mit einem Fuße auf der Erde und mit einem Fuße auf der Treppe stand, fragte ich ihn, wie es sich mit seiner Schenkung verhalte, und er erwiderte uns, seine Schenkung sei gültig, einerlei ob die Schenkung eines Sterbenskranken oder die Schenkung eines Gesunden, ob eine bedeutende Schenkung oder eine unbedeutende Schenkung.
21FOLGENDES ORDNETEN SIE DES FRIEDENS WEGEN AN. EIN PRIESTER LIEST ALS ERSTER VOR, NACH IHM EIN LEVITE UND NACH IHM EIN JISRAÉLIT, DES FRIEDENS WEGEN.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.