Gittin — Blatt 60b
1der Abschnitt vom Weintrinken, der Abschnitt von den Lichtem und der Abschnitt von der roten Kuh.
2R. Elea͑zar sagte: Die Tora ist größtenteils schriftlich und kleinstenteils mündlich verliehen worden, denn es heißt: ich schrieb ihm das meiste meines Gesetzes, wie fremd sind sie geachtet. R. Joḥanan sagte: Größtenteils mündlich und kleinstenteils schriftflich, denn es heißt: denn durch den Mund dieser Worte. –
3Und jener, es heißt ja: ich schrieb ihm das meiste meines Gesetzes!? – Dies ist als Frage zu verstehen: schrieb ich ihm das meiste meines Gesetzes? Wie fremd sind sie geachtet. –
4Und der andere, es heißt ja: denn durch den Mund dieser Worte!? – Dies, weil sie schwer zu erlernen sind.
5R. Jehuda b. Naḥmani, der Dolmetsch des R. Šimo͑n b. Laqiš, trug vor: Es heißt: schreibe dir diese Worte, und es heißt: durch den Mund dieser Worte; wie ist dies zu erklären? Die Worte der Schrift darfst du nicht mündlich vortragen und die mündlichen Worte darfst du nicht niederschreiben. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Diese, diese schreibe nieder, nicht aber darfst du Halakhoth niederschreiben.
6R. Joḥanan sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, schloß einen Bund mit Jisraél nur wegen der mündlichen Worte, denn es heißt: denn durch den Mund dieser Worte habe ich mit dir und mit Jisraél einen Bund geschlossen.
7MAN LEGE DEN E͑RUB IM ALTEN HAUSE NIEDER, DES FRIEDENS WEGEN. Aus welchem Grunde: wenn wegen der Ehrung, so befand sich ja die Spendenbüchse zuerst im Hause R. Jehudas, später im Hause Rabbas, später im Hause R. Josephs, später im Hause Abajjes und später im Hause Rabas!? –
8Vielmehr, wegen der Verdächtigung.
9DER DEM TEICHE NÄCHSTE BRUNNEN &C. Es wurde gelehrt: Von den Anliegern des Teiches bewässern, wie Rabh sagt, die unteren zuerst, und wie Šemuél sagt, die oberen zuerst [ihre Felder],
10Über einen laufenden streiten sie nicht, sie streiten nur über einen, der zur Bewässerung abgesperrt wird. Šemuél sagt, die oberen bewässern zuerst, denn sie können sagen, sie seien ihm näher, und Rabh sagt, die unteren bewässern zuerst, denn sie können sagen, man lasse dem Teiche seinen freien Lauf. –
11Es wird gelehrt: Der dem Teiche nächste Brunnen werde zuerst gefüllt, des Friedens wegen!? Šemuél erklärte es nach Rabh: Wenn der Teich über seinen Brunnen fließt. –
12Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!?– Man könnte glauben, die anderen können verlangen, daß er [seinen Brunnen] verstopfe und nach Verhältnis bewässere, so lehrt er uns.
13R. Hona b. Taḥlipha sagte: Da nun die Halakha weder wie der eine noch wie der andere entschieden wird, so entscheidet die Mannesstärke.
14Einst kam R. Šimi b. Aši vor Abajje und sprach zu ihm: Möge mir der Meister eine Unterrichtsstunde gewähren. Dieser erwiderte: Ich brauche meine Zeit für mich. – So möge sie mir der Meister nachts gewähren. Dieser erwiderte: Dann muß ich [die Felder] bewässern. Jener sprach: Ich will für den Meister am Tage [die Felder] bewässern, und der Meister gewähre mir nachts eine Unterrichtsstunde. Dieser erwiderte: Gut.
15Alsdann ging jener zu den oberen und sagte ihnen, die unteren bewässern zuerst, und hierauf ging er zu den unteren und sagte ihnen, die oberen bewässern zuerst. Währenddessen sperrte er [das Wasser] ab und bewässerte [das Feld]. Als er hierauf zu Abajje kam, sprach dieser zu ihm: Du hast mir nach beiden entschieden! Abajje aber kostete nicht von den Früchten jenes Jahres.
16Einst gruben die Leute von Be Ḥermakh am Kopfe des [Flusses] Šanvata und leiteten [den Graben] in das Ende des Flusses. Hierauf kamen die oberen [Anlieger] zu Abajje und sprachen zu ihm: Sie verderben uns den Fluß. Da erwiderte er ihnen: Grabt ihr ihn etwas tiefer. Sie entgegneten: Sodann würden die Graben austrocknen. Hierauf sprach er zu jenen: Geht, entfernt euch von da.
17BEI TIER-, VOGEL- UND FISCHFALLEN HAT &C. Über Netz und Reuse
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.