Gittin — Blatt 6b
1wenn du es aber tust, so tust du gut. – Was heißt: wenn du es tust, so tust du gut? – Wenn der Ehemann kommt und ihn anficht, so achte man auf ihn nicht.
2Es wird nämlich gelehrt: Einst brachte jemand einen Scheidebrief vor R. Jišma͑él und fragte ihn, ob er sagen müsse; er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, oder dies nicht brauche. Da sprach dieser zu ihm: Mein Sohn, woher bist du? Jener erwiderte: Meister, ich bin aus Kephar Sisaj. Da sprach er; Du mußt sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, damit [die Frau] nicht der Zeugen benötige.
3Nachdem er fortgegangen war, trat R. Elea͑j ein und sprach zu ihm: Meister. Kephar Sisaj ragt ja in das jisraélländische Gebiet hinein, es ist Sepphoris näher als A͑kko, und wir haben gelernt, R. Meír sagt, A͑kko gelte hinsichtlich der Scheidebriefe als Jisraélland!? Und selbst die Rabbanan streiten gegen R. Meír nur hinsichtlich A͑kko, das entfernt ist, nicht aber hinsichtlich Kephar Sisaj. das nahe ist!?
4Dieser erwiderte: Schweige, mein Sohn, schweige; da es bereits in erlaubter Weise erfolgt ist, so bleibe es dabei. –
5Auch er sagte ja: damit [die Frau] nicht der Zeugen benötige!? – Man berichtete es ihm nicht genau.
6R. Ebjathar ließ R. Ḥisda mitteilen: Wenn Scheidebriefe von dort nach hier gebracht werden, so braucht [der Überbringer] nicht zu sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden. Demnach ist er der Ansicht, weil sie nicht wissen, daß es auf ihren Namen erfolgen müsse, und diese wissen es. –
7Glaubst du, auch Rabba ist ja der Ansicht Rabas!? Vielmehr sind alle der Ansicht, es seien [Zeugen] zur Bestätigung erforderlich, und da viele hinaufgehen und herabkommen, so sind solche vorhanden.
8R. Joseph sprach: Wer sagt uns, daß R. Ebjathar ein Mann ist, auf den man sich verlassen kann!? Ferner ließ er einst R. Jehuda mitteilen: Die Leute, die von dort nach hier kommen, ließen in Erfüllung gehen: Sie gaben einen Knaben hin für eine Hure und ein Mädchen verkauften sie um Wein und tranken. Er schrieb ihm dies ohne Liniierung,
9während R. Jiçḥaq sagte, daß man zwei schreibe, drei aber nicht, und in einer Barajtha gelehrt wird, daß man drei schreibe, vier aber nicht.
10Abajje erwiderte ihm: Kann denn jemand, der die Lehre R. Jiçḥaqs nicht kennt, kein großer Mann sein!? Von einer Sache, die vom Verständnisse abhängt, mag dies gelten, dies aber ist ja eine überlieferte Lehre, und er hat diese Lehre nicht gehört.
11Ferner hat ja der Herr selber R. Ebjathar zugestimmt. Es heißt: und sein Kebsweib ward ihm untreu.
12R. Ebjathar sagte, er fand bei ihr eine Fliege; R. Jonathan sagte, er fand bei ihr ein Haar. Als einst R. Ebjathar Elijahu traf und ihn fragte, womit der Heilige, gepriesen sei er, sich befasse, erwiderte dieser: Mit dem [Ereignisse vom] Kebsweibe zu Gibea͑. – Was sagt er hierzu? – Mein Sohn Ebjathar sagt so, und mein Sohn Jonathan sagt so.
13Jener sprach: Gibt es denn, behüte und bewahre, beim Himmlischen einen Zweifel? Dieser erwiderte: Diese und jene sind Worte des lebendigen Gottes; er fand eine Fliege, und nahm es nicht genau, später fand er ein Haar und nahm es genau.
14R. Jehuda sagte: Eine Fliege in der Speise und ein Haar an der bewußten Stelle. Eine Fliege ist ekelhaft und ein Haar ist gefährdend. Manche sagen, beide in der Speise; eine Fliege ist ein Zwangsfall, ein Haar ist eine Fahrlässigkeit.
15R. Ḥisda sagte: Nie lasse man übermäßige Strenge in seinem Hause walten, denn dadurch, daß der Ehemann des Kebsweibes zu Gibea͑ über sie übermäßige Strenge walten ließ, fielen viele Myriaden von Jisraél.
16R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wer übermäßige Strenge in seinem Hause walten läßt, verfällt endlich in drei Sünden: Unzucht, Blutvergießen und Entweihung des Šabbaths.
17Rabba b. Bar Ḥana sagte: Die Rabbanan sagten, daß man am Vorabend des Šabbaths, bei Einbruch der Dunkelheit, drei Dinge sagen müsse: Habt ihr den Zehnten entrichtet? Habt ihr einen E͑rub gemacht? Zündet die Lichter an.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.