Gittin — Blatt 70a
1oder Palmentrauben in Wasser.
2Gegen Hautflechten nehme man sieben große Weizenkörner und verbrenne sie auf einem neuen Spaten, und mit dem Safte, der von diesen herauskommt, reibe man sich ein. R. Šimi b. Aši behandelte damit einen Nichtjuden gegen Aussatz, und er genas.
3Šemuél sagte: Wer einen Stoß mit einer persischen Lanze erhalten hat, lebt nicht mehr, aber immerhin gebe man ihm fettes auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und reinen Wein; es ist dann möglich, daß er noch eine kurze Zeit lebt, um sein Haus bestellen zu können.
4R Idi b. Abin sagte: Wer eine Hornis verschluckt hat, lebt nicht mehr, aber immerhin gebe man ihm ein Viertel[log] herben Essig zu trinken; es ist dann möglich, daß er noch eine kurze Zeit lebt, um sein Haus bestellen zu können.
5R. Jehošua͑ b. Levi sagte; Wer Rindfleisch mit Rüben gegessen und darauf bei Mondschein in der Nacht zum vierzehnten oder fünfzehnten [des Monates] in der Jahreszeit des Tammuz geschlafen hat, wird von Fieber befallen.
6Es wird gelehrt: Wer seinen Bauch mit allem möglichen vollstopft, wird vom Fieber befallen. R. Papa sagte: Selbst mit Datteln. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, daß dies von diesen nicht gelte, da der Meister gesagt hat, Datteln sättigen, erwärmen, purgieren, kräftigen und verzärteln nicht, so lehrt er uns. –
7Was heißt Fieber? R. Eleazar erwiderte: Feuer in den Knochen. – (Was heißt Feuer in den Knochen? Abajje erwiderte: Feuer in den Knochen.) –
8Welches Mittel gibt es dagegen? Abajje erwiderte: Mutter sagte mir: Alle Mixturen sind drei, sieben oder zwölf [Tage zu wiederholen], folgende aber so lange, bis er genesen ist;
9alle Mixturen [nehme man] auf leeren Magen, folgende aber, nachdem man gegessen und getrunken hat, im Aborte gewesen, herausgekommen ist und die Hände gewaschen hat. Er knete eine Handvoll Honigspeise aus Linsen mit einer Handvoll altem Wein, esse dies, wickle sich in das Laken und schlafe ein; niemand darf ihn aufwecken, bis er von selbst aufsteht. Nachdem er aufgestanden ist, lege er das Laken ab, sonst kehrt es zu ihm zurück.
10Elijahu sprach zu R. Nathan: Ein Drittel iß, ein Drittel trinke und ein Drittel laß leer, sodaß du, wenn du in Zorn gerätst, voll wirst.
11R. Ḥija lehrte: Wer Leibschmerzen entgehen will, pflege das Eintauchen Sommer und Winter zu beobachten. Ziehe deine Hand von der Mahlzeit zurück, wenn sie dir schmeckt. Wenn du deine Notdurft zu verrichten hast, so halte dich nicht zurück.
12Mar U͑qaba sagte: Wer weißen Most getrunken hat, wird von der Hektik befallen. R. Hisda sagte: Es gibt sechzig Arten Wein; der beste unter ihnen ist der rote aromatische, der schlechteste unter ihnen ist der weiße Most.
13R. Jehuda sagte: Wer in den Morgenstunden des Nisan am Feuer sitzt und sich mit Öl bestreicht, und dann hinausgeht und sich in die Sonne setzt, wird von der Hektik befallen.
14Die Rabbanan lehrten: Wer sich zur Ader gelassen und darauf den Beischlaf vollzogen hat, bekommt hektische Kinder; wenn beide sich zur Ader gelassen und darauf den Beischlaf vollzogen haben, so bekommen sie mit Ausfluß behaftete Kinder. R. Papa sagte: Dies nur, wenn er inzwischen nichts genossen hat, wenn er aber inzwischen etwas genossen hat, so ist nichts dabei.
15Rabba b. R. Hona sagte: Wer von der Reise gekommen ist und den Beischlaf vollzieht, bekommt hektische Kinder. Die Rabbanan lehrten: Wer aus dem Abort kommt, vollziehe den Beischlaf erst dann, wenn die Dauer eines halben Mil verstrichen ist, denn das Gespenst des Abortes begleitet ihn; hat er den Beischlaf [sofort] vollzogen, so bekommt er epileptische Kinder.
16Die Rabbanan lehrten: Wer den Beischlaf stehend vollzieht, wird von Krämpfen befallen; wenn sitzend, so wird er von Gähnkrämpfen befallen; wenn sie oben und er unten, so wird er von Delaria befallen.
17Was ist Delaria? R. Jehošua͑ b. Levi erwiderte: Ein Heilmittel gegen Delaria ist Dardara. – Was ist Dardara? Abajje erwiderte: Dornensafran. R. Papa zerkaute ihn und spuckte ihn aus. R. Papi zerkaute ihn und schluckte ihn herunter.
18Abajje sagte: Wer für den Beischlaf nicht kräftig ist, nehme drei Qapitz Mistsafran, zerreibe ihn, koche ihn in Wein und trinke ihn. R. Joḥanan sagte: Er ist es, der mir meine Jugend wiedergab.
19Drei Dinge zehren die Kraft des Menschen ab, und zwar: die Furcht, der Weg und die Sünde. Die Furcht, denn es heißt: mein Herz ist ruhelos, meine Kraft hat mich verlassen. Der Weg, denn es heißt: er hat auf dem Wege meine Kraft gebeugt. Die Sünde, denn es heißt: durch meine Sünde ist meine Kraft gestrauchelt.
20Drei Dinge schwächen die Kraft des Menschen, und zwar: stehend essen, stehend trinken und stehend den Beischlaf vollziehen.
21Fünf sind dem Tode näher als dem Leben, und zwar: wer gegessen hat und sofort aufsteht, wer getrunken hat und sofort aufsteht, wer sich zur Ader gelassen hat und sofort aufsteht, wer geschlafen hat und sofort aufsteht, und wer den Beischlaf vollzogen hat und sofort aufsteht.
22Wer sechserlei [hinter einander] tut, stirbt sofort, und zwar: wer müde von der Reise kommt, sich zur Ader läßt, ins Bad geht, trinkt und sich berauscht, sich auf die Erde schlafen legt und den Beischlaf vollzieht. R. Joḥanan sagte: Dies jedoch nur dann, wenn man es in dieser Reihenfolge tut.
23Abajje sagte: Wenn in dieser Reihenfolge, sterbe man, wenn nicht in dieser Reihenfolge, werde man schwach. – Dem ist ja aber nicht so, Meo͑rath ließ ihren Diener drei davon tun, und er starb!? – Er war abgezehrt.
24Acht Dinge sind es, die viel schädlich und wenig zuträglich sind, und zwar: das Reisen, der Beischlaf, der Reichtum, die Arbeit, der Wein, der Schlaf, das Warm[baden] und der Aderlaß.
25Acht Dinge vermindern den Samen, und zwar: Salz, Hunger, Ausschlag, Weinen, Schlafen auf der Erde, Honigklee, Gurken außerhalb der Zeit, und doppelt soviel der Aderlaß unten.
26Es wird gelehrt: Wie er unten doppelt soviel schädlich ist, ebenso ist er oben doppelt soviel zuträglich. R. Papa sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.