Gittin — Blatt 70b

1Unten heißt unterhalb der Hoden, oben heißt oberhalb der Hoden.

2Von den Gurken außerhalb der Zeit wird gelehrt: Wie sie außerhalb der Zeit schädlich sind, so sind sie zur geeigneten Zeit zuträglich. R. Papa sagte: Die dafür geeignete Zeit ist der Tammuz und die ungeeignete Zeit ist der Ṭebeth. In den Tagen des Nisan und des Tišri sind sie weder zuträglich noch schädlich.

3WENN JEMAND GESAGT HAT: SCHREIBT MEINER FRAU EINEN SCHEIDEBRIEF, UND DARAUF VON KORDIAKOS BEFALLEN WIRD UND SAGT: SCHREIBT IHN NICHT, SO SIND SEINE LETZTEN WORTE NICHTIG. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Man schreibe und gebe ihr den Scheidebrief sofort. R. Joḥanan aber sagte: Man schreibe ihn erst dann, wenn er gesund wird. –

4Was ist der Grund des Reš Laqiš? – Er lehrt: so sind seine letzten Worte nichtig. – Und R. Joḥanan!? – Er kann dir erwidern: seine letzten Worte sind insofern nichtig, indem man ihn, wenn er zu Sinnen kommt, nicht wiederum zu fragen braucht; schreiben aber darf man erst dann, wenn er gesund ist. –

5Worin besteht ihr Streit? – Reš Laqiš vergleicht ihn mit einem Schlafenden und R. Joḥanan vergleicht ihn mit einem Blöden. –

6Sollte ihn auch R. Joḥanan mit einem Schlafenden vergleichen!? – Ein Schlafender benötigt keiner Handlung, dieser aber benötigt einer Handlung. –

7Sollte ihn auch Reš Laqiš mit einem Blöden vergleichen!? – Für einen Blöden haben wir kein Mittel in der Hand, für diesen aber haben wir ein Mittel in der Hand: mageres auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und verschnittenen Wein. –

8Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, wenn man einem beide [Halsorgane] oder den größeren Teil beider durchgeschnitten, und er durch Zeichen gesagt hat, daß man seiner Frau einen Scheidebrief schreibe, so schreibe und gebe man ihn ihr!?

9Ferner wird gelehrt, wenn man einen zerschnitten oder ans Kreuz geschlagen sieht, und er durch Zeichen sagt, daß man seiner Frau einen Scheidebrief schreibe, so schreibe und gebe man ihn ihr!? –

10Es ist ja nicht gleich; hierbei ist sein Verstand klar, nur ist die Schwäche bei ihm eingetreten, da aber ist ja sein Sinn verwirrt. –

11Kann Šemuél dies denn gesagt haben, R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls, wenn man einem beide [Halsorgane] oder den größeren Teil beider durchgeschnitten hat und er fortgelaufen ist, so bekunde man über ihn, und wenn du sagst, er gelte als lebend, wieso darf man über ihn bekunden!? –

12Ich will dir sagen; er lebt, muß aber sterben. –

13Demnach sollte man doch dieserhalb verbannt werden, während gelehrt wird, wer einem beide [Halsorgane] oder den größeren Teil beider [unvorsätzlich] durchgeschnitten hat, werde dieserhalb nicht verbannt!? –

14Hierzu wird ja gelehrt: R. Oša͑ja sagte, hierbei werde berücksichtigt, der Wind kann ihn verwirrt, oder er selber seinen Tod genähert haben. –

15Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn er ihn in einem Marmorhaus geschlachtet und er gezappelt, oder er ihn draußen geschlachtet und er nicht gezappelt hat.

16WENN JEMAND STUMM GEWORDEN IST, UND AUF DIE FRAGE, OB MAN SEINER FRAU EINEN SCHEIDEBRIEF SCHREIBE &C. Sollte man doch berücksichtigen, er ist vielleicht von einem Nickkrampfe der Verneinung oder einem Nickkrampfe der Bejahung befallen worden!?

17R. Joseph b. Minjomi erwiderte im Namen R. Naḥmans: Man frage ihn abwechselnd. –

18Es ist ja zu berücksichtigen, er ist vielleicht von einem abwechselnden Nickkrampfe befallen worden!? – Man frage ihn einmal verneinend und zweimal bejahend, oder zweimal verneinend und einmal bejahend.

19In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Man frage ihn nach Dingen des Sommers in der Regenzeit und nach Dingen der Regenzeit im Sommer. –

20Was sind es, wenn etwa eine Decke oder ein Laken, so ist ja zu berück sichtigen, er kann von Kälte oder Hitze befallen sein!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.