Gittin — Blatt 89a

1so gilt sie als geschieden, weil dies ein Gerücht mit einem Dementi ist.

2Raba sagte: Wenn über sie in der Stadt ein Gerücht geht, daß sie gehurt hat, so berücksichtige man dies nicht, denn wahrscheinlich beobachtete man an ihr nur eine Ausgelassenheit.

3Hierüber [streiten] Tannaím: Wenn sie auf der Straße gegessen, auf der Straße getrunken oder auf der Straße gesäugt hat, so ist sie, wie R. Meír sagt, zu entfernen; R. A͑qiba sagt, wenn Mondspinnerinnen sich über sie unterhalten.

4R. Joḥanan b. Nuri sprach zu ihm: Demnach läßt du keine Tochter unseres Vaters Abraham bei ihrem Manne verweilen! Die Tora sagt: weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und dort heißt es: durch zwei Zeugen und durch drei Zeugen soll etwas bestätigt werden; wie dort etwas Bestimmtes zu verstehen ist, ebenso auch hierbei etwas Bestimmtes.

5Die Rabbanan lehrten: [Sagt man,] sie sei defloriert, so berücksichtige man es nicht; sie sei verheiratet, so berücksichtige man es nicht; sie sei verlobt, so berücksichtige man es nicht; mit einer unbestimmten Person, so berücksichtige man es nicht; in einer anderen Stadt, so berücksichtige man es nicht;

6sie sei Hurenkind, so berücksichtige man es nicht: sie sei Sklavin, so berücksichtige man es nicht.

7[Sagt man,] jener habe sein Vermögen dem Heiligtume geweiht, jener habe sein Vermögen preisgegeben, so berücksichtige man es nicht.

8U͑la sagte: Nicht etwa, wenn man irgend ein Gerede hört, sondern, wenn da Lichter brennen, Lager hergerichtet sind und Leute ein- und ausgehen und erzählen, daß jene heute angetraut werde. –

9Angetraut werde, vielleicht hat er sie sich nicht angetraut!? – Lies: daß jene heute angetraut worden sei.

10Ebenso lehrte Levi: Nicht etwa, wenn man irgend ein Gerede hört, sondern, wenn da Lichter brennen, Lager hergerichtet sind und Weiber vor dem Lichte spinnen, sich belustigen und erzählen, daß jene heute angetraut werde. – Angetraut werde, vielleicht hat er sie sich nicht angetraut!?

11R. Papa erwiderte: Daß jene heute angetraut worden sei. Ebenso sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans: Nicht etwa, wenn man irgend ein Gerede hört, sondern, wenn da Lichter brennen, Lager hergerichtet sind und Leute ein- und ausgehen. Erzählen sie es, so ist dies ein Gerücht, erzählen sie nichts, so ist es eine Abschwächung. –

12Wenn sie nichts erzählen, so haben sie ja überhaupt nicht gesagt!? – Dies schließt die Lehre des Rabba b. R. Hona aus; dieser sagt, die Abschwächung, von der sie sprechen, könne auch zehn Tage später erfolgen, so lehrt er uns, wenn sie nichts gesagt haben, sei dies eine Abschwächung, wenn sie es aber gesagt haben, so gibt es keine Abschwächung mehr.

13R. Abba sagte im Namen R. Honas im Namen Rabhs: Nicht etwa, wenn man irgend ein Gerede hört, sondern, wenn sie sagen, jener habe es von jenem gehört, und jener von jenem; man verfolge die Untersuchung, bis man etwas Bestimmtes erfährt. –

14Wenn etwas Bestimmtes, so ist dies ja eine richtige Zeugenaussage!? – Vielmehr, als R. Šemuél b. Jehuda kam, sagte er im Namen R. Abbas im Namen R. Honas im Namen Rabhs: Nicht etwa, wenn man irgend ein Gerede hört, sondern, wenn sie sagen, jener habe es von jenem gehört, und jener von jenem, der nach dem Überseelande verreist ist.

15Abajje sprach zu R. Joseph: Ist ein Gerücht zu dementieren oder nicht? Dieser erwiderte: R. Ḥisda sagte, nur wenn man es aus dem Munde von [als Zeugen] zulässigen gehört hat, und hieraus ist zu entnehmen, daß man ein Gerücht dementiere.

16Jener entgegnete: Im Gegenteil, R. Šešeth sagte, auch aus dem Munde von Frauen heiße es ein Gerücht, und hieraus ist zu entnehmen, daß man ein Gerücht nicht dementiere!?

17Dieser erwiderte: Hierüber gibt es verschiedene Orts[bräuche]; in Sura dementieren sie das Gerücht, in Nehardea͑ dementieren sie das Gerücht nicht.

18Einst ging über eine das Gerücht, daß sie einem Jünger aus dem Lehrhause angetraut worden sei. Da ließ R. Ḥama seinen Vater kommen und sprach zu ihm: Sage mir, wie die Sache sich zugetragen hat. Dieser erwiderte: Er hat sie sich mit einer Bedingung angetraut; mit der Bedingung, daß er nicht zu den Ḥozäern gehen werde, und er ging wohl. Da sprach jener: Da bei der Entstehung des Gerüchtes keine Abschwächung erfolgt war, so bist du zu einer Abschwächung nicht berechtigt.

19Einst ging über eine das Gerücht, daß sie an der Quelle von Be Šipi einem durch Fleischreste von Dattelsteinen angetraut worden sei. Da ließ R. Idi b. Abin Abajje fragen: Wie verhält es sich in diesem Falle!? Dieser erwiderte: Selbst nach demjenigen, welcher sagt, man dementiere das Gerücht nicht, ist es in diesem Falle zu dementieren, denn man sagt dann, die Gelehrten haben die Antrauung untersucht und gefunden, daß sie keine Peruṭa wert waren.

20Einst ging über eine das Gerücht, daß sie

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.