Horajot — Blatt 10b

1ich will euch vielmehr eine Knechtschaft antragen, denn es heißt:und sie redeten zu ihm also: Wenn du heute ein Knecht dieses Volkes sein willst.

2Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Fürst sich vergeht. R. Joḥanan b. Zakkaj sagte: Heildem Zeitalter, dessen Fürst ein Opfer wegen seines Versehens darbringt; wenn der Fürst ein Opfer darbringt, um wieviel mehr ein Gemeiner, und wenn er wegen eines Versehens ein Opfer dar bringt, um wieviel mehr wegen eines vorsätzlichen Vergehens.

3Raba, der Sohn Rabbas, wandte ein: Es heißt ja auch:und waser vom Heiligen veruntreut hat, bezahle er, und ferner heißt es von Jerobea͑m, dem Sohne Nebats :Wodurcher gesündigt hat und wodurcher verfährt hat, ist etwa auch da zu erklären: heil dem Zeitalter!? – Anders ist es hierbei, wo die Schrift einen anderen Ausdruckgebraucht.

4R. Naḥman b. Ḥisda trug vor: Es heißt:es ist etwas Eitles, dasauf Erden geschieht &c. Heil den Frommen, denen es auf dieser Welt wie den Gottlosen in der zukünftigen Welt ergeht, und wehe den Gottlosen, denen es auf dieser Welt wie den Frommen in der zukünftigen Welt ergeht.

5Raba entgegnete: Ist es denn den Frommen unangenehm, wenn sie von beiden Welten genießen!? Vielmehr, erklärte Raba, heil den Frommen, denen es auf dieser Welt gleich den Gottlosen auf dieser Welt ergeht, und wehe den Gottlosen, denen es auf dieser Welt gleich den Frommen auf dieser Welt ergeht.

6R. Papa und R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, kamen einst zu Raba; da fragte er sie: Seid ihr bewandert in diesem und jenem Traktate? Sie erwiderten ihm: Jawohl. – Seid ihr ein wenig wohlhabend? Sie erwiderten ihm: Jawohl, wir haben etwas Land gekauft. Da sprach er über sie: Heil den Frommen, denen es auf dieser Welt gleich den Gottlosen auf dieser Welt ergeht.

7Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans : Es heißt :gerade sind die Wege des Herrn, die Frommen wandeln auf ihnen, aber die Frevler kommen auf ihnen zu Fall; dies ist zu vergleichen mit dem Falle, wenn zwei Personen ihr Pesaḥlamm gebraten, und der eine es zur Ausübung des Gebotes und der andere es zur Völlerei gegessen hat. Über den, der es zur Ausübung des Gebotes gegessen hat, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, und über den, der es zur Völlerei gegessen hat, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall.

8Reš Laqiš sprach zu ihm: Wieso nennst du ihn einen Frevler, zugegeben, daß er das Gebot nicht auf das Vorzüglichste ausgeübt hat, aber hat er etwa nicht das Pesaḥopfer gegessen!? Vielmehr ist es mit dem Falle zu vergleichen, wenn zwei Personen Frau und Schwester bei sich im Hause hatten, und eine zu seiner Frau und die andere zu seiner Schwester geraten ist. Über den, der zu seiner Frau geraten ist, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, und über den, der zu seiner Schwester geraten ist, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall. –

9Ist es denn gleich, wir sprechen von einem Wege, hierbei aber sind es zweiWege !? Vielmehr, dies ist mit Loṭ und seinen beiden Töchtern zu vergleichen; über sie, die eine gute Handlung bezweckten, heißt es: die Frommen wandeln auf ihnen, über ihn, der eine Sünde bezweckte, heißt es: und die Frevler kommen auf ihnen zu Fall. –

10Vielleicht hatte er ebenfalls eine gute Handlung bezweckt!? R. Joḥanan erwiderte: Der ganze Schriftvers deutet darauf, daß er nur eine Sünde bezweckt hatte.

11Loṭ erhob (seine Augen). [und es heißt:]da erhob die Frau seines Herrn ihre Augen.Seine Augen, [und es heißt:]da sprach Šimšon &c. diese nimm mir, denn sie ist recht in meinen Augen.Und sah, [und es heißt:]da sah sie Šekhem, der Sohn Ḥamors.Den ganzen Umkreis [kikar] des Jarden, [und es heißt:] denn durch ein Hurenweib [kommt man herunter] bis auf einen Laib [kikar] Brot.Daß er ganz durchtränkt war, [und es heißt:]ich will meinen Buhlen folgen, die mir Brot und Wasser, Wolle und Flachs, Öl und Getränke spenden. –

12Bei ihmwar es ja ein Zwangsfall!? – Im Namen des R. Jose b. R. Ḥoni wurde gelehrt: Auf dem u im [Worte] bequma, das bei der älteren [Tochtergebraucht wird], befindet sich deshalb ein Punkt, um anzudeuten, daß er es zwar bei ihrem Sichniederlegen nicht gemerkt hatte, wohl aber hatte er es bei ihrem Aufstehen gemerkt. – Was sollte er dannmachen, was geschehen, war ja bereits geschehen!? – Er sollte am folgenden Abend nichts mehr trinken.

13Rabba trug vor: Es heißt:Ein Bruder, der treulos wird der festen Stadt, und Streitigkeiten wie des Palastes Riegel. Ein Bruder, der treulos wird der festen Stadt, das ist Lot, der sich von Abraham getrennt hatte; und Streitigkeiten wie des Palastes Riegel, denn er rief Zwistigkeiten zwischen Jisraél und A͑mmonhervor, denn es heißt :Ein A͑mmoniter und ein Moábiter soll nicht in die Gemeinde des Herrn kommen.

14Raba, nach anderen R. Jiçḥaq, trug vor: Es heißt:nach der Wollust strebt, wer sich trennt, und gegen jeglichen Rat wälzt er sich einher. Nach der Wollust strebt, wer sich trennt, das ist Loṭ, der sich von Abraham getrennt hatte; gegen jeglichen Rat wälzt er sich einher, dessen Schande in den Bet- und Lehrhäusern auf gedecktwurde, denn wir haben gelernt, das Verbot betreffend die A͑mmoniter und der Moábiter bestehe ewig.

15U͑la sagte: Tamar hurte und Zimri hurte; Tamar hurte und Könige und Propheten kamen aus ihr hervor, Zimri hurte und viele Myriaden von Jisraél fielen durch ihn. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Besser ist eine gutgemeinte Sünde als ein nicht gut gemeintes gutes Werk, denn es heißt :gepriesen vor anderen Weibern sei Jae͑l, das Weib Ḥebers, des Qeniters, vor den Weibern im Zelte sei sie gepriesen, und unter ‘Weibern im Zelte’ sind Sara, Ribqa, Rahel und Lea zu verstehen. –

16Dem ist ja aber nicht so, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs, daß man sich stets mit der Tora und guten Werken befasse, auch nicht um ihrer selbst willen, denn dadurch kommt man dazu, es um ihrer selbst willen zu tun!? – Sage: [sie sei] wie ein nicht gutgemeintes gutes Werk.

17R. Joḥanan sagte: Sieben Beschlafungen vollzog dieser Frevler in jener Stunde, denn es heißt:zwischen ihren Füßen kniete er, fiel hin, lag da&c. – Sie hatte ja aber einen Genuß von der Sünde!? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj : Selbst die Wohltat der Frevler ist ein Übel für die Frommen.

18R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Stets befasse man sich mit der Tora und guten Werken, auch nicht um ihrer selbst willen, denn dadurch kommt man dazu, es um ihrer selbst willen zu tun. Als Belohnung für die zweiundvierzig Opfer, die Balaq auf dem Altar darbrachte, war es ihm beschieden, daß aus ihm Ruth hervorging. R. Jose b. R. Ḥanina sagte nämlich, Ruth war eine Tochter E͑glons, des Enkelsohnes Balaqs, des Königs von Moáb.

19R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Woher daß der Heilige, gepriesen sei er, nicht einmal den Lohn für ein gutes Wort kürze? Von der Tochter Loṭs; die ältere nannte [ihren Sohn] Moáb, daher sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm :befehde die Moábiter nicht und lasse dich in keinen Krieg mit ihnen ein, nur in einen Krieg sollte er sich mit ihnen nicht einlassen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.