Horajot — Blatt 11b

1und wie dort der zu verstehen ist, der nur den Herrn, seinen Gott, über sich hat, ebenso ist auch hier ein Fürst zu verstehen, der über sich nur den Herrn, seinen Gott, hat.

2Rabbi fragte R. Ḥija: Wie verhält es sich bei mirhinsichtlich des Ziegenbockes? Dieser erwiderte: Du hast deinen Nebenbuhlerin Babylonien. Er wandte gegen ihn ein: Die jisraélitischen Könige und die davidischen Könige bringen besondere Opfer dar!? Dieser erwiderte: Jene waren einander nicht unterworfen, wir aber sind ihnenunterworfen.

3R. Saphra lehrte dies wie folgt: Rabbi fragte R. Naḥman: Wie verhält es sich bei mir hinsichtlich des Ziegenbockes? Dieser erwiderte: Von ihnenheißt es ‘Herrscherstab’ und von unsheißt es ‘Gesetzgeber’. Es wird nämlich gelehrt :Es wird der Herrscherstab von Jehuda nicht weichen, das sind die Exilarchen in Babylonien, die das Volk mit dem Stabe jochen; noch ein Gesetzgeber (von) zwischen seinen Füßen, das sind die Kindeskinder Hillels, die Jisraéi öffentlich das Gesetz lehren.

4UNTER ‘GESALBTEN’ IST NUR DER MIT DEM SALBÖL GEWEIHTE HOCHPRIE STER ZU VERSTEHEN, NICHT ABER DER DURCH DIE AMTSKLEIDUNG GEWEIHTE.EIN UNTERSCHIED ZWISCHEN DEM DURCH DAS SALBÖL GEWEIHTEN UND DEM DURCH DIE AMTSKLEIDUNG GEWEIHTEN HOCHPRIESTER BESTEHT NUR HINSICHTLICH DES FARREN, DER WEGEN [DER ÜBERTRETUNG VON] GEBOTEN DARGEBRACHTWIRD.

5EIN UNTERSCHIED ZWISCHEN DEM DIENSTTUENDEN UND DEM ZURÜCKGETRETENEN [HOCH]PRIESTER BESTEHT NUR HINSICHTLICH DES FARREN DES VERSÖHNUNGSTAGES UND DES ZEHNTELSEPHA.

6BEIDE GLEICHEN EINANDER HINSICHTLICH DES DIENSTES AM VERSÖHNUNG STAGE, BEIDEN IST ES GEBOTEN, EINE JUNGFRAU ZU HEIRATEN, BEIDEN IST EINE WITWE VERBOTEN, BEIDE DÜRFEN SICH AN [DEN LEICHEN] IHRER VERWANDTEN NICHT VERUNREINIGEN, NOCH DÜRFEN SIE SICH DAS HAAR WACHSEN LASSEN UND IHRE KLEIDEREINREISSEN, UND BEIDE VERANLASSEN SIE DIE RÜCKKEHR DES TODSCHLÄGERS.

7GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Das Salböl, das Moše in der Wüste machte, kochte er mit den Wurzeln – so R. Jehuda. R. Jose sagte : Es würde ja nicht einmal zum Bestreichen der Wurzeln gereicht haben !? Vielmehr weichte man die Wurzeln in Wasser und goß darüber das Öl, sodaß es den Duft einsog, und wischte es herunter.

8R. Jehuda erwiderte ihm : Geschah denn beim Salböl nur ein Wunder? Es waren von Anfang an nur zwölf Log, dennoch wurden damit die Wohnung, die Geräte und Ahron samt seinen Söhnen alle sieben Tage der Einweihung gesalbt, und alles ist noch für die Zukunft aufbewahrt, denn es heißt :mir geheiligtes Salböl soll dieses sein für all eure Geschlechter,

9Ein Anderes lehrt :Und Moše nahm das Salböl und salbte die Wohnung und alles, was sich in ihr befand. R. Jehuda sagte: Mit dem Salböl, das Moše in der Wüste machte, sind von Anfang bis Ende viele Wunder geschehen. Es waren von Anfang an nur zwölf Log, und man beachte, wieviel der Kessel anzieht, wieviel die Wurzeln einsaugen und wieviel das Feuer verzehrt, dennoch wurden damit die Wohnung, die Geräte und Ahron samt seinen Söhnen alle sieben Tage der Einweihung gesalbt, und damit wurden die Hochpriester und die Könige gesalbt.

10Auch ein Hochpriester, der Sohn eines Hochpriesters ist, benötigt der Salbung, nicht aber ist ein König, der Sohn eines Königs ist, zu salben. Wenn du aber einwendest, weshalb Šelomo gesalbt wurde, [es erfolgte dies] wegen der Prätension Adonijas; ebenso Joaš, wegen der A͑thalja, und ebenso Jehoaḥaz, wegen des Jehojaqim, der älter war als er. Und dieses Öl ist noch für die Zukunft aufbewahrt, denn es heißt: mir geheiligtes Salböl soll dieses [ze] sein für all eure Geschlechter; der Zahlen wert [des Wortes] ze beträgt zwölf, soviel Log waren es.

11Der Meister sagte: Auch ein Hochpriester, der Sohn eines Hochpriesters ist, benötigt der Salbung. Woher dies? – Es heißt :und der Priester, der von seinen Söhnen seinerstatt gesalbt wird; die Schrift sollte ja sagen: Der Priester, der von seinen Söhnen seinerstatt ist, wenn es aber gesalbt heißt, so lehrt dies, daß der Sohn eines Hochpriesters, wenn er gesalbt wird, als Hochpriester gilt, wenn aber nicht, so gilt er nicht als Hochpriester.

12Der Meister sagte : Ein König aber, der Sohn eines Königs ist, ist nicht zu salben. Woher dies? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Es heißt:damit er lange lebe in seiner Herrschaft &c., dies ist eine Erbschaft. – Woher, daß, wenn Prätendenten vorhanden sind, die Salbung erforderlich ist und der König nicht nach Belieben die Herrschaft seinem Sohne vererben kann? R. Papa erwiderte: Es heißt:er und seine Söhne in Jisraél; wenn Frieden in Jisraél ist, heißt es: er und seine Söhne ; selbst ohne Salbung.

13Es wird gelehrt: Auch Jehu, der Sohn Nimšis, wurde nur wegen der Prätension Jorams gesalbt. – Es sollte ja schon der Umstand ausreichen, daß er der erstewar!? – Die Lehre ist lückenhaft und muß wie folgt lauten : die Könige des Davidischen Hauses salbte man, die Könige des Jisraélitischen Hauses salbte man nicht. – Woher dies? Raba erwiderte: Es heißt :auf, salbe ihn, denn dieser &c., dieser benötigt der Salbung, die anderen aber nicht.

14Der Meister sagte: Auch Jehu, der Sohn Nimsis, wurde nur wegen der Prätension Jorams gesalbt. Sollte man denn wegen der Prätension Jorams, des Sohnes Aḥa͑bs, eine Veruntreuungam Salböl begangen haben !? – Wie R. Papa erklärthat, mit reinem Balsamöl, ebenso erfolgte es auch da mit reinem Balsamöl.

15«Und ebenso Jehoaḥaz, wegen des Jehojaqim, der älter war als er.» War er denn älter als er, es heißt ja:und die Söhne Jošijahus waren Joḥanan, der Erstgeborene, Jehojaqim, der zweite, Çidqijahu, der dritte, und Šallum, der vierte, und R. Joḥanan sagte, Šallum sei mit Çidqijahu und Joḥanan sei mit Jehoahiaz identisch!? – Tatsächlich war Jehojaqim älter, nur heißt jener deshalb Erstgeborener, weil er hinsichtlich der Thronfolge als Erstgeborener galt. –

16Erhalten denn die Jüngern die Königswürde vor den Älteren, es heißt ja :aber die Königswürde übergab er Jehoram, denn er war der Erstgeborene!? – Jehoram füllte die Stelle seiner Vorfahrenaus, Jehojaqim füllte nicht die Stelle seiner Vorfahren aus.

17Der Meister sagte: Šallum sei mit Çidqijahu und Joḥanan sei mit Jehoahaz identisch. Er zählt sie ja aber besonders auf, denn es heißt: der dritte, und der vierte!? – Dritter heißt dritter der Söhne, und vierter heißt vierter hinsichtlich der Königswürde; zuerst regierte Jehoaḥaz, dann Jehojaqim, dann Jekhonja und dann Çidqijahu.

18Die Rabbanan lehrten: Šallum und Çidqijahu sind identisch, und Šallum heißt er nur deshalb, weil er vollständig [mešullam] war in seinen Handlungen. Manche erklären: Šallum [wurde er deshalb genannt], weil in seinen Tagen die Herrschaft des davidischen Hauses aufhörte [šalma]. Sein eigentlicher Name war Matanja, denn es heißt :und der König von Babel setzte an seiner Statt seinen Oheim Matanja zum Könige ein und wandelte seinen Namen um in Çidqijahu. Er sprach nämlich zu ihm: Gott möge über dich ein gerechtes Urteil fällen, [jah jaçdiq], wenn du mir abtrünnig wirst, denn es heißt :und er beschwor ihn, und ferner heißt es:auch vom Könige Nebukhadneçar ward er abtrünnig, der ihn doch bei Gott beschworen hatte.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.