Horajot — Blatt 12a
1War denn damalsdas Salböl noch vorhanden, es wird ja gelehrt: Als die Bundeslade versteckt wurde, wurde mit dieser auch das Salböl versteckt, das Gefäß Manna, der Stab Ahrons mit den Mandeln und Blütendesselben und die Truhe, die die Philister den Jisraéliten als Geschenk gesandt hatten, wie es heißt :die goldenen Gegenstände, die ihr als Schuldgabe erstattet habt, legt in die Truhe, an seiner Seite, dann laßt sie ihres Weges ziehen. Wer versteckte sie? –
2Jošijahu, der König von Jehuda, versteckte sie, denn es heißt :da sprach der König zu den Priestern, die das Volk unterwiesen, und die im Volke dem Herrn, dem Gott Jisraéls, geweiht waren: Setzt die Bundeslade des Herrn [in das Haus], von dem der Herr zu Šelomo, dem Sohne Davids, gesagt hat, daß er da seinen Namen werde wohnen lassen; und ihr braucht sie nicht mehr auf der Schulter zu tragen. Dienet nunmehr dem Herrn, eurem Gott, und seinem Volke Jisraél.
3Hierzu sagte R. Elea͑zar, man entnehme diesaus den Worten dort, Verwahrung und Geschlechter!? R. Papa erwiderte: Mit reinem Balsamöl.
4Die Rabbanan lehrten: Auf welche Weise salbt man? Die Könige in der Art eines Kranzesund die Priester in der Art eines Chi. R. Menasja b. Gada erklärte: Nach der Art eines griechischen Khaph;
5Eines lehrt, man gieße ihm das Öl zuerst auf das Haupt und nachher tue man ihm Öl zwischen die Augenbrauen, und dagegen lehrt ein Anderes, man tue ihm zuerst das Öl zwischen die Augenbrauen, und gieße ihm nachher Öl auf das Haupt!? – Hierüber streiten Tannaím; manche sagen, die Salbung sei bevorzugter, und manche sagen, das Gießen sei bevorzugter. – Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, das Gießen sei bevorzugter? – Es heißt :sodann goß er etwas vom Salböl auf das Haupt Ahrons und salbte ihn, um ihn zu weihen. –
6Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, die Salbung sei bevorzugter? – Er ist der Ansicht, weil diese auch bei den Dienstgeräten erfolgt. – Es heißt ja aber zuerst goß und nachher salbte!? – Er meint es wie folgt: er goß es deshalb, um ihn zu salben.
7Die Rabbanan lehrten:Wie das köstliche Öl &c., das herabtrieft auf den Bart, den Bart Ahrons &c. Zwei Tropfen wie die Perlen hingen am Bart Ahrons. R. Papa sagte : Es wird gelehrt: Wenn er redete, gelangten sie zurück zur Bartwurzel. Dieser Sache wegen war Moše besorgt, indem er sagte: Vielleicht habe ich, behüte und bewahre es, am Salböl eine Veruntreuungbegangen. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Wie das köstliche Öl &c.wie der Tau des Ḥermon; wie man am Tau des Ḥermon keine Veruntreuung begeht, ebenso ist am Salböl am Barte Ahrons keine Veruntreuung begangen worden.
8Aber dessenungeachtet war noch Ahron besorgt, indem er sagte: Vielleicht hat nur Moše keine Veruntreuung begangen, ich aber habe eine Veruntreuung begangen. Da ertönte eine Hallstimme und sprach zu ihm :Siehe, wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder beisammen wohnen; wie Moše keine Veruntreuung begangen hat, ebenso hast auch du keine Veruntreuung begangen.
9Die Rabbanan lehrten: Man salbt die Könige nur an einer Quelle, damit sich ihre Regierung lange hinziehe, denn es heißt:da sprach der König (zu Benajahu) &c.
10R. Ami sagte: Wenn jemand wissen will, ob er das Jahr überleben werde oder nicht, so stelle er in den zehn Tagen vom Neujahrstage bis zum Versöhnungstage eine brennende Leuchte in ein Haus, in dem kein Zug weht, und wenn sie ganz ausbrennt, so wisse er, daß er das Jahr überleben werde.
11Wenn jemand ein Geschäft unternehmen und wissen will, ob er Glück haben werde oder nicht, so züchte er einen Hahn auf den Namen dieses Geschäftes, und wenn er fett und feist wird, so wird er Glück haben.
12Wenn jemand eine Reise antritt und wissen will, ob er auch heimkehren werde oder nicht, so trete er in ein dunkles Haus ein, und wenn er den Widerschein seines Schattens sieht, so wisse er, daß er auch heimkehren werde. Dies [zu tun] ist jedoch keine Art, denn man könnte dabei den Mut verlieren und Unglück haben. Abajje sagte : Da du nun sagst, Merkzeichen seien von Bedeutung, so pflege man am Neujahrstage Kürbis, Fönnkraut, Porree, Mangold und Datteln bei sich zu sehen.
13R. Mešaršeja sprach zu seinen Söhnen: Wenn ihr zu eurem Lehrer eintreten wollt, um zu lernen, so präpariert vorher eine Mišna und tretet erst dann ein; und wenn ihr vor ihm sitzt, so schaut auf seinen Mund, denn es heißt :deine Augen sollen nach deinem Lehrer schauen. Und wenn ihr studiert, so studiert an einem Wasserstrome, damit euer Studium sich so hinziehe, wie das Wasser sich hinzieht. Sitzet lieber auf den Misthaufen von Matha Meḥasjaals in den Palästen von Pumbeditha. Besser ist ein stinkender Fisch als Quark, der Felsen sprengt.
14Erhoben ist mein Horn, nicht aber ist mein Krüglein erhoben. David und Šelomo waren mit dem Horngesalbt worden, und ihre Regierung war von Dauer, Šaúl und Jehu waren mit dem Krügleingesalbt worden und ihre Regierung war nicht von Dauer.
15DER MIT DEM SALBÖL GESALBTE &C. Die Rabbanan lehrten :Der gesalbte, man könnte glauben, der König, so heißt es Priester; unter Priester könnte man verstehen, auch der durch die Amtskleidung geweihte, so heißt es der gesalbte; unter der gesalbte könnte man verstehen, auch der Feldpriester, so heißt es:und der gesalbte Hochpriester, über dem es keinen anderen gesalbten gibt. –
16Wieso geht dies hieraus hervor? – Wie Raba erklärt hat: die Hüfte, die rechte der Hüften, ebenso ist auch hier zu erklären: der gesalbte, der bedeutendste unter den gesalbten.
17Der Meister sagte: der gesalbte, man könnte glauben, der König. Bringt denn der König einen Farren dar, er bringt ja einen Ziegenbock dar!? – Dies ist nötig; man könnte glauben, bei Unvorsätzlichkeit der Handlung bringe er einen Ziegenbock und bei Unkenntnis der Sachebringe er einen Farren dar, so lehrt er uns.
18EIN UNTERSCHIED ZWISCHEN DEM DURCH DAS SALBÖL GEWEIHTEN &C. Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht R. Meírs, denn es wird gelehrt : Der durch die Amtskleidung geweihte bringt wegen der Übertretung aller Gebote einen Farren dar – so R. Meír. –
19Was ist der Grund R. Meírs? – Es wird gelehrt: Der gesalbte, ich weiß dies nur von dem durch das Salböl geweihten, woher dies auch von dem durch die Amtskleidung geweihten? Es heißt der gesalbte Hochpriester. –
20Du hast sie also den Rabbanan addiziert,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.