Jevamot — Blatt 114b

1weil das Verbot sich schon auf ein Minimum erstreckt, nicht aber gelte dies vom Blute, bei dem es sich nur auf ein Viertel[log] erstreckt. Und würde er es nur vom Blute gelehrt haben, so könnte man glauben, weil darauf die Ausrottung gesetzt ist, nicht aber gelte dies von den Ekeltieren.

2Und würde er es nur von diesen beiden gelehrt haben, so könnte man glauben, weil das Verbot für jeden gilt, nicht aber gelte dies von der Verunreinigung. Und würde er es nur von der Verunreinigung gelehrt haben, so könnte man glauben, bei Priestern sei es anders, da ihnen mehr Gebote auferlegt worden sind, nicht aber gelte dies von jenen. Daher sind alle nötig. –

3Komm und höre: Wenn zwei Brüder, ein Vollsinniger und ein Tauber, mit zwei vollsinnigen Schwestern verheiratet sind, und der mit der Vollsinnigen verheiratete Taube stirbt, was tue der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige? Sie ist als Schwester seiner Frau frei. Was tue der mit der Vollsinnigen verheiratete Taube,

4wenn der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige stirbt? Er entferne seine Frau durch einen Scheidebrief, und die Frau seines Bruders ist für immer verboten.

5Weshalb entferne er seine Frau durch einen Scheidebrief, mag sie doch bei ihm verbleiben, da dies ebenso ist, als ob ein Minderjähriger Aas ißt!? – Wegen des für sie geltenden Verbotes. –

6Komm und höre: Wenn zwei vollsinnige Brüder mit zwei Schwestern, einer Vollsinnigen und einer Tauben, verheiratet sind, und der mit der Tauben verheiratete Vollsinnige stirbt, was tue der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige? Sie ist als Schwester seiner Frau frei. Was tue der mit der Tauben verheiratete Vollsinnige, wenn der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige stirbt? Er entferne seine Frau durch einen Scheidebrief und die Frau seines Bruders durch Ḥaliça.

7Weshalb entferne er seine Frau durch einen Scheidebrief, mag sie doch bei ihm verbleiben, da dies ebenso ist, als ob ein Minderjähriger Aas ißt!? – Wegen des für ihn geltenden Verbotes.

8Raba sprach: Komm und höre: Wenn zwei Brüder, ein Tauber und ein Vollsinniger, mit zwei Schwestern, einer Vollsinnigen und einer Tauben, verheiratet sind, und der mit der Tauben verheiratete Taube stirbt, was tue der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige? Sie ist als Schwester seiner Frau frei. Was tue der mit der Tauben verheiratete Taube, wenn der mit der Vollsinnigen verheiratete Vollsinnige stirbt? Er entferne seine Frau durch einen Scheidebrief, und die Frau seines Bruders ist für immer verboten.

9Hierbei gilt ja das Verbot weder für sie noch für ihn, und er lehrt, daß er seine Frau durch einen Scheidebrief entferne!? R. Šema͑ja erwiderte: Mit Rücksicht auf die Erlaubnis der Schwägerin für Fremde.

10WENN EINE FRAU MIT IHREM MANNE NACH DEM ÜBERSEELANDE VERREIST IST, UND SOWOHL ZWISCHEN IHM UND IHR ALS AUCH IN DER WELT FRIEDEN HERRSCHTE, UND SIE ZURÜCKKOMMT UND SAGT, IHR MANN SEI GESTORBEN, SO DARF SIE SICH VERHEIRATEN; IHR MANN SEI GESTORBEN, SO DARF AN IHR DIE SCHWAGEREHE VOLLZOGEN WERDEN.

11WENN FRIEDEN ZWISCHEN IHM UND IHR, ABER KRIEG IN DER WELT, ODER ZANK ZWISCHEN IHM UND IHR, ABER FRIEDEN IN DER WELT HERRSCHTE, UND SIE ZURÜCKKOMMT UND SAGT, IHR MANN SEI GESTORBEN, SO IST SIE NICHT GLAUBHAFT. R. JEHUDA SAGT, SIE SEI ÜBERHAUPT NUR DANN GLAUBHAFT, WENN SIE WEINEND UND MIT ZERRISSENEN KLEIDERN ZURÜCKKOMMT. MAN ERWIDERTE IHM! OB SO ODER SO DARF SIE SICH VERHEIRATEN.

12GEMARA. Er lehrt den Fall, wenn Frieden zwischen ihm und ihr herrschte, weil er den Fall lehren will, wenn Zank zwischen ihm und ihr herrschte, und er lehrt den Fall, wenn Frieden in der Welt herrschte, weil er den Fall lehren will, wenn Krieg in der Welt herrschte.

13Raba sagte: Wenn Krieg herrschte, aus dem Grunde, weil sie es aus Vermutung sagt: [sie denkt:] wieso sollte er unter allen, die getötet worden sind, entkommen sein? Wenn man aber erwidert: da Frieden zwischen ihm und ihr herrschte, warte sie, bis sie ihn sieht, so kann es Vorkommen, daß er durch einen Pfeil oder eine Lanze verwundet worden ist; sie glaubt, er sei entschieden gestorben, während mancher sich ein Pflaster bereitet und leben bleibt.

14Raba wollte sagen, Hungersnot gleiche nicht einem Kriege, und sie sage es nicht aus Vermutung, später aber entschied Raba, Hungersnot gleiche einem Kriege. Einst kam nämlich eine Frau vor Raba und sagte, ihr Mann sei Hungers gestorben. Da sprach er zu ihr: Du hast recht getan, daß du dich gerettet hast ; es ist nicht denkbar, daß er mit dem bißchen Mehl, das du ihm zurückgelassen hast, sein Leben erhalten haben sollte. Sie erwiderte: Auch der Meister ist überzeugt, daß er damit nicht sein Leben erhalten haben kann.

15Hierauf entschied Raba: Bei der Hungersnot ist es noch strenger als beim Kriege; herrschte Krieg, so ist sie nur dann nicht glaubhaft, wenn sie sagt, ihr Mann sei im Kriege getötet worden, jedoch glaubhaft, [wenn sie sagt,] er sei in seinem Bette gestorben, bei der Hungersnot aber nur dann, wenn sie sagt, er sei gestorben und sie habe ihn bestattet.

16Ein Einsturz gleicht einem Kriege, denn sie sagt es ebenfalls aus Vermutung. Schlangen und Skorpione gleichen einem Kriege, denn sie sagt es ebenfalls aus Vermutung.

17Eine Seuche gleicht, wie manche sagen, einem Kriege, und wie manche sagen, nicht einem Kriege. Manche sagen, sie gleiche einem Kriege, denn sie sagt es ebenfalls aus Vermutung; manche sagen, sie gleiche nicht einem Kriege, denn sie stützt sich auf den Spruch der Leute: sieben Jahre herrscht die Seuche, doch geht niemand vor seiner Zeit.

18Sie fragten: Wie ist es: wenn sie selbst vom in der Welt herrschenden Kriege berichtete: sagen wir, sie habe keine Veranlassung zu lügen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.