Jevamot — Blatt 15a
1die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe vollzogen werde.
2R. Šimo͑n b. Gamliél sprach zu ihm: Was machen wir demnach mit den bisherigen Nebenbuhlerinnen!? Bevor sie dazu kamen, die Angelegenheit zu erledigen, trat eine Verwirrung ein.
3Erklärlich ist der Einwand ‘was machen wir’, wenn du sagst, sie handelten auch danach, welche Bedeutung aber hat der Einwand ‘was machen wir’, wenn du sagst, sie handelten nicht danach!?
4R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies bezieht sich auf die Nebenbuhlerin selbst, und [die Worte] ‘was machen wir’ sind wie folgt zu verstehen: was machen wir mit den Nebenbuhlerinnen der Schule Hillels nach der Schule Šammajs:
5wenn an ihnen die Ḥaliça vollzogen wird, so werden sie bei ihren Männern entwürdigt. Wolltest du sagen, sie mögen entwürdigt werden, [so heißt es ja:]ihre Wege sind liebliche Wege und all ihre Stege sind Frieden.
6Komm und höre: R. Tryphon sagte: Möge doch eine Nebenbuhlerin der Tochter mir zufallen, ich heirate sie.
7Lies: ich verheirate sie. — Er sagte ja: möge mir zufallen!? — Dies schließt die Ansicht des R. Joḥanan b. Nuri aus.
8Komm und höre: Die Tochter R. Gamliéls war verheiratet mit seinem Bruder Abba, und als dieser kinderlos starb, vollzog R. Gamliél die Schwagerehe an ihrer Nebenbuhlerin. — Gehört denn, auch nach deiner Auffassung, R. Gamliél zu den Schülern der Schule Šammajs!?
9Vielmehr verhielt es sich bei der Tochter R. Gamliéls anders, denn sie war steril. — Wenn es aber im Schlußsatze heißt: manche sagen, die Tochter R. Gamliéls war steril, demnach war sie ja nach dem ersten Autor nicht steril!?
10Sie streiten darüber, ob er es gemerkt hatte oder nicht.
11Wenn du willst, sage ich: sie streiten über den Fall, wenn er zuerst geheiratet und sich nachher geschieden hat.
12Wenn du aber willst, sage ich: sie streiten darüber, ob eine Bedingung bei der Beiwohnung giltig ist.
13R. Mešaršeja wandte ein: Einst sammelte R. A͑qiba am ersten Šebaṭ Etrogfrüchte und entrichtete von diesen beide Zehnte,
14einen nach Ansicht der Schule Šammajs und einen nach Ansicht der Schule Hillels. Hieraus, daß sie auch danach handelten!?
15R. A͑qiba war über die Lehre selbst im Unklaren; er wußte nicht, ob es nach der Schule Hillels der erste Šebaṭ oder der fünfzehnte Šebaṭ ist.
16Mar Zuṭra wandte ein: Als einst die Tochter Šammaj des Älteren niederkam, durchbrach er den Estrich und legte des Kindes wegen Hüttenbedachung über dem Bette. Hieraus, daß sie danach handelten!? — Wer dies sah, konnte glauben, er habe es zur Verbesserung der Luft getan.
17Mar Zuṭra wandte ein: Die Jehutränke in Jerušalem war durch ein Loch mit einem Quellbade [verbunden], und vermittelst dieser erfolgten alle Reinigungen in Jerušalem; da sandte die Schule Šammajs und ließ [das Loch] erweitern. Die Schule Šammajs sagt nämlich, nur wenn der größere Teil durchbrochen ist.
18Ferner haben wir gelernt: die Vereinigung von Quellbädern erfolgt durch [einen Kanal] wie das Mundstück eines Schlauches, in Umfang und Höhlung, daß zwei Finger in ihre Lage kommen. Hieraus, daß sie auch danach handelten!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.