Jevamot — Blatt 17b
1Wer sie erste nennt, irrt nicht, denn sie ist die erste hinsichtlich des Zufallens; wer sie zweite nennt, irrt nicht, denn sie ist die zweite hinsichtlich seiner Verheiratung. — Ist etwa nicht auch der Fall einbegriffen, wenn er zuerst die Schwagerehe vollzogen und nachher geheiratet hat!? — Vielmehr, sie ist die zweite hinsichtlich ihrer Verheiratung.
2Wo befindet sich in der Schrift [das Verbot] der Frau seines nicht gleichzeitig mit ihm gelebt habenden Bruders? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Die Schrift sagt: wenn Brüder (beisammen) wohnen, die beisammen auf der Welt geweilt haben, ausgenommen die Frau seines nicht gleichzeitig mit ihm gelebt habenden Bruders; beisammen, die hinsichtlich der Erbschaft zusammengehören, ausgenommen ein Bruder mütterlicherseits.
3Rabba sagte: Daß sie als Brüder nur dann gelten, wenn sie es väterlicherseits sind, ist von der Bruderschaft der Söhne Ja͑qobs zu entnehmen; wie diese väterlicherseits und nicht mütterlicherseits, ebenso hierbei väterlicherseits und nicht mütterlicherseits. —
4Sollte man doch von der Bruderschaft beim Inzestverbote folgern!? — Man folgere hinsichtlich Brüder von Brüder, nicht aber hinsichtlich Brüder von deines Bruders. —
5Weshalb nicht, in der Schule R. Jišma͑éls folgerten sie ja aus: wenn der Priester wiederkommt, und: wenn der Priester hineingeht, weil ‘kommen’ und ‘gehen’ dasselbe ist!? — Dies nur dann, wenn kein gleiches [Wort] vorhanden ist, wenn aber ein gleiches vorhanden ist, folgere man vom gleichen. —
6Sollte man doch von der bei Loṭ gebrauchten Bruderschaft folgern, denn es heißt: sind wir doch Brüder!? — Es ist einleuchtend, daß von den Söhnen Ja͑qobs zu folgern ist, weil es bei diesen überflüssig ist. Es sollte doch nur heißen: zwölf sind deine Diener, Söhne eines Mannes; wenn es aber auch Brüder heißt, so ist dies überflüssig.
7Und [die Worte] Brüder und beisammen sind beide nötig. Würde der Allbarmherzige nur Brüder geschrieben haben, so könnte man glauben, es sei von der bei Lot gebrauchten Bruderschaft zu folgern, und wollte man entgegnen, da sei es nicht überflüssig, so ist es wohl überflüssig, denn es sollte Freunde heißen, während es auch Brüder heißt; daher schrieb der Allbarmherzige beisammen, die hinsichtlich der Erbschaft zusammengehören.
8Und würde der Allbarmherzige nur beisammen geschrieben haben, so könnte man glauben, die gemeinsam Vater und Mutter haben, so lehrt er uns. —
9Wie sollte man denn darauf kommen, der Allbarmherzige hat ja die Schwagerehe mit der Erbschaft verbunden, und die Erbschaft kommt vom Vater und nicht von der Mutter!? — Es ist dennoch nötig; da dies ein Novum ist, denn hierbei wird die Inzestuöse erlaubt, so könnte man glauben, nur wenn beide denselben Vater und dieselbe Mutter haben, so lehrt er uns.
10R. Hona sagte im Namen Rabhs: Wenn die Anwärterin der Schwagerehe gestorben ist, so ist ihm ihre Mutter erlaubt. — Demnach ist er der Ansicht, es bestehe keine Gebundenheit, so sollte er doch sagen, die Halakha sei wie derjenige, welcher sagt, es bestehe keine Gebundenheit!? —
11Würde er so gesagt haben, so könnte man glauben, nur wenn es zwei sind, wenn aber einer, bestehe eine Gebundenheit. —
12Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie derjenige, welcher sagt, es bestehe keine Gebundenheit selbst bei einem!? — Würde er so gesagt haben, so könnte man glauben, auch bei Lebzeiten, so lehrt er uns, nur nach dem Tode, nicht aber bei Lebzeiten, weil es verboten ist, das Gesetz der Schwagerehe zu vereiteln. —
13Wir haben gelernt: Ist die Schwägerin gestorben, so ist ihm ihre Schwester erlaubt. Nur die Schwester, die Mutter aber nicht!? —
14Dasselbe gilt auch von der Mutter, da er aber im Anfangsatze lehrt, daß, wenn seine Frau gestorben ist, ihm ihre Schwester erlaubt sei, nur die Schwester und nicht die Mutter, die ihm nach der Tora inzestuös ist, so lehrt er auch im Schlußsatze, daß die Schwester ihm erlaubt ist.
15R. Jehuda aber sagt, wenn die Anwärterin der Schwagerehe gestorben ist, sei ihm ihre Mutter verboten. — Demnach ist er der Ansicht, es bestehe eine Gebundenheit, so sollte er doch sagen, die Halakha sei wie derjenige, welcher sagt, es bestehe eine Gebundenheit!? —
16Würde er so gesagt haben, so könnte man glauben, nur wenn es einer ist, wenn aber zwei, bestehe keine Gebundenheit. — Aber sie streiten ja über den Fall, wenn es zwei sind!? —
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.