Jevamot — Blatt 27a

1daß wenn er die Ḥaliça an den Schwestern vollzogen hat, die Nebenbuhlerinnen nicht entbunden sind, wieso sollte nun Reúben eine ungültige Ḥaliça vollziehen, wo doch Šimo͑n eine giltige Ḥaliça vollziehen kann!? —

2[Die Worte] ‘einer vollziehe die Ḥaliça an allen’ beziehen sich auf die mittelste. — Er sagt ja allen!? — Da die Mehrheit an ihn gelangt, nennt er dies alle. Wenn du aber willst, sage ich: nur zur Entbindung der Nebenbuhlerin benötigt Šemuél einer vollständigen Ḥaliça, sie selbst aber ist entbunden.

3Der Text. Šemuél sagte: Hat er die Ḥaliça an den Schwestern vollzogen, so sind die Nebenbuhlerinnen nicht entbunden, wenn an den Nebenbuhlerinnen, so sind die Schwestern entbunden. Hat er die Ḥaliça an der Geschiedenen vollzogen, so ist die Nebenbuhlerin nicht entbunden, wenn an der Nebenbuhlerin, so ist die Geschiedene entbunden.

4Hat er die Ḥaliça vollzogen an der, an die er die Eheformel gerichtet hat, so ist die Nebenbuhlerin nicht entbunden, wenn an der Nebenbuhlerin, so ist die, an die er die Eheformel gerichtet hat, entbunden. —

5Wenn an den Schwestern, so sind die Nebenbuhlerinnen wohl deshalb nicht entbunden, weil durch die Gebundenheit jedeals Schwester seiner Frau gilt, somit sollten auch, wenn er die Ḥaliça an den Nebenbuhlerinnen vollzogen hat, die Schwestern nicht entbunden sein, da durch die Gebundenheit jene Nebenbuhlerinnen der Schwester der Frau sind!? — Šemuél ist der Ansicht, es bestehe keine Gebundenheit. —

6Šemuél sagte ja aber, es bestehe eine Gebundenheit!? — Er lehrt es nach demjenigen, welcher sagt, es bestehe keine Gebundenheit. —

7Weshalb sind demnach, wenn er die Ḥaliça an den Schwestern vollzogen hat, die Nebenbuhlerinnen nicht entbunden: allerdings nicht die Nebenbuhlerin Raḥels, denn er hat bereits die Ḥaliça an Lea vollzogen, somit ist die Ḥaliça, die er nachher an Raḥel vollzieht, eine ungültige, aber die Nebenbuhlerin Leas sollte ja entbunden sein!? —

8Die Worte ‘so sind die Nebenbuhlerinnen nicht entbunden’ beziehen sich auf die Nebenbuhlerin Raḥels. — Er sprach ja von Nebenbuhlerinnen!? — Die Nebenbuhlerinnen allgemein. —

9Wieso sind demnach, wenn er die Ḥaliça an den Nebenbuhlerinnen vollzogen hat, die Schwestern entbunden, Raḥel kann ja durch ihre Nebenbuhlerin nicht entbunden werden, denn wir haben gelernt, die Nebenbuhlerin der Verwandten seiner Ḥaluça sei verboten!? —

10Šemuél spricht vom Anfangen und Nichtanfangen: hat er mit den Schwestern angefangen, so beende er es nicht mit den Nebenbuhlerinnen, denn wir haben gelernt, die Nebenbuhlerin der Verwandten seiner Ḥaluça sei verboten; hat er mit den Nebenbuhlerinnen angefangen, so beende er es auch mit den Schwestern, denn wir haben gelernt, die Verwandte der Nebenbuhlerin seiner Ḥaluça sei erlaubt.

11R. Aši sagte: Tatsächlich, wie du zuerst erklärt hast, jedoch ist die Gebundenheit nicht so wirksam, die Nebenbuhlerin der Inzestuösen gleichzustellen.

12Übereinstimmend mit R. Aši wird gelehrt: Hat er die Ḥaliça an den Schwestern vollzogen, so sind die Nebenbuhlerinnen nicht entbunden, wenn aber an den Nebenbuhlerinnen, so sind die Schwestern entbunden. Wohl aus dem Grunde, weil er der Ansicht ist, es bestehe eine Gebundenheit, jedoch sei die Gebundenheit nicht so wirksam, die Nebenbuhlerin der Inzestuösen gleichzustellen.

13R. Abba b. Mamal erwiderte: Hier ist die Ansicht der Schule Šammajs vertreten, denn wir haben gelernt, die Schule Šammajs erlaube die Nebenbuhlerinnen den Brüdern. — Demnach sollte an ihnen auch die Schwagerehe vollzogen werden!? —

14Nach R. Joḥanan b. Nuri, denn dieser sagte: Kommt, wir wollen anordnen, daß an den Nebenbuhlerinnen die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe vollzogen werde. — Der Meister sagte ja aber, bevor sie dazu kamen, die Angelegenheit zu erledigen, sei eine Verwirrung eingetreten!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Später wiederholten sie es und ordneten dies an.

15Sie fragten:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.