Jevamot — Blatt 34b

1Tamar war ja durch den ersten Beischlaf schwanger geworden!? Dieser erwiderte: Tamar rieb sich mit dem Finger. R. Jiçḥaq sagte nämlich: All diejenigen im Hause Rabbis, die sich [mit den Fingern] rieben, nannte man Tamar; und zwar nannte man sie so nach jener Tamar, die sich mit dem Finger rieb. — E͑r und Onan waren ja [vorher]!? — E͑r und Onan vollzogen den Beischlaf widernatürlich.

2Man wandte ein: Während der ganzen vierundzwanzig Monate dresche man innen und streue außen — So R. Elie͑zer. Man erwiderte ihm: Dies gleicht ja dem Verfahren von E͑r und Onan. —

3Gleich dem Verfahren von E͑r und Onan, und nicht gleich dem Verfahren von E͑r und Onan. Gleich dem Verfahren von E͑r und Onan, denn es heißt: und wenn er zum Weibe seines Bruders kam, verschwendete er es zur Erde; nicht gleich dem Verfahren von E͑r und Onan, denn dieses geschah widernatürlicherweise, hierbei aber auf natürliche Weise. —

4Allerdings heißt es von Onan: verschwendete er es zur Erde, woher dies aber von E͑r? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es heißt und er tötete auch ihn, auch er starb an derselben Todesursache. — Allerdings tat dies Onan, weil er wußte, daß der Same nicht sein eigen sein sollte, weshalb aber tat dies E͑r? — Damit sie nicht schwanger werde und ihre Schönheit abnehme.

5Die Rabbanan lehrten: Mit der, ausgenommen die Braut — so R. Jehuda; die Weisen sagen, ausgenommen widernatürlicherweise. Hon, Sohn des R. Naḥman, sprach zu R. Naḥman: R. Jehuda wäre demnach der Ansicht, die Tora habe die Kosmetika der Braut geschont? Dieser erwiderte: Weil ein Weib durch den ersten Beischlaf nicht schwanger wird. —

6Worin besteht ihr Streit? — Die Rabbanan erklären: Samenerguß, ausgenommen die Anschmiegung, mit ihr, ausgenommen widernatürlicherweise. R. Jehuda erklärt: Widernatürlichkeit und Anschmiegung sind durch [das Wort] Samenerguß auszuschließen, und [die Worte] mit der schließen die Braut aus.

7Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: [Eine Frau], die zehn Jahre ohne Mann geweilt und wiederum geheiratet hat, gebiert nicht mehr. R. Naḥman sagte: Dies nur, wenn sie nicht mehr zu heiraten gedachte, wenn sie aber wiederum zu heiraten gedachte, wird sie wohl schwanger. Raba sprach zu der Tochter R. Ḥisdas: Die Rabbanan reden über dich. Diese erwiderte: Ich rechnete auf dich.

8Einst kam eine Frau zu R. Joseph und sprach zu ihm: Meister, ich war zehn Jahre ohne Mann und habe darauf geboren. Dieser erwiderte ihr: Meine Tochter, diskreditiere nicht die Worte der Weisen. Da sprach sie: Ein Nichtjude beschlief mich.

9Šemuél sagte: Sie alle müssen drei Monate warten, ausgenommen die minderjährige Proselytin und die befreite Sklavin. Demnach muß eine minderjährige Jisraélitin drei Monate warten.

10Wieso: wenn durch Weigerung, so sagte ja Šemuél, es sei nicht erforderlich, und wenn durch Scheidebrief, so sagte dies Šemuél bereits einmal!? Šemuél sagte nämlich: Erklärte sie ihm die Weigerung, so braucht sie keine drei Monate zu warten, gab er ihr einen Scheidebrief, so muß sie drei Monate warten. — Vielmehr, beim außerehelichen Beischlaf.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.