Jevamot — Blatt 37a
1So sagte Raba abends, am [nächsten] Morgen aber trat er davon zurück. Dieser erwiderte: Ihr habt sie also erlaubt; nun mag es geschehen, daß ihr auch Unschlitt erlaubt.
2Wie verhält es sich hierbei, bei der Schwangeren und der Säugenden eines anderen, die ein Priester geheiratet hat: haben die Rabbanan für einen Priester eine Vorsorge getroffen oder nicht!?
3Dieser erwiderte: Es ist nicht gleich; da streiten die Rabbanan gegen R. Šimo͑n b. Gamliél und lehren, es gelte als richtiges Kind, auch wenn es nicht so alt wurde, und da es bei der Frau eines Priesters nicht anders möglich ist, entscheiden wir nach den Rabbanan:
4nach wem aber sollten wir hierbei entscheiden: wenn nach R. Meír, so sagt er ja, entfernen und nie wieder heiraten, und wenn nach den Rabbanan, so sagen sie ja durch einen Scheidebrief!?
5Es wurde gelehrt: [Über den Fall,] wenn er sie sich innerhalb der drei Monate angetraut hat und entflohen ist, streiten R. Aḥa und Raphram; einer sagt, man tue ihn in den Bann, und einer sagt, seine Flucht beweise es. Einst ereignete sich ein solcher Fall, und Raphram entschied, seine Flucht beweise es.
6IST ES ZWEIFELHAFT, OB ES EIN NEUNMONATSKIND &C. Raba sprach zu R. Naḥman: Man sollte sich doch nach den meisten Frauen richten, und die meisten Frauen gebären mit neun [Monaten]!?
7Dieser erwiderte: Unsere Frauen gebären mit sieben. Jener sprach: Bilden etwa eure Frauen die Mehrheit der Welt?
8Dieser erwiderte: Ich meine es wie folgt: Die meisten Frauen gebären mit neun und die wenigsten mit sieben, jedoch ist bei jeder, die mit neun gebiert, die Geburt nach einem Drittel der Schwangerschaft zu merken, und da es bei dieser nach einem Drittel der Schwangerschaft nicht zu merken war, so ist ihre [Zugehörigkeit zur] Mehrheit suspekt. –
9Wenn bei jeder, die mit neun gebiert, die Geburt nach einem Drittel der Schwangerschaft zu merken ist, so ist ja dieses, da es nicht zu merken war, entschieden ein Siebenmonatskind vom anderen? – Sage vielmehr: bei den meisten, die mit neun gebären, ist die Geburt nach einem Drittel der Schwangerschaft zu merken, und da es bei dieser nicht zu merken war, so ist ihre [Zugehörigkeit zur] Mehrheit suspekt.
10Die Rabbanan lehrten: Das erste ist sogar zum Hochpriester geeignet und das folgende gilt des Zweifels wegen als Hurenkind; R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, es gelte des Zweifels wegen nicht als Hurenkind. –
11Wie meint er es? Abajje erklärte: Er meint es wie folgt: das erste ist sogar zum Hochpriester geeignet, das folgende gilt als zweifelhaftes Hurenkind, sodaß ihm [auch] ein Hurenkind verboten ist; R. Elie͑zer sagt, es gilt nicht als zweifelhaftes Hurenkind, sondern ist entschieden ein Hurenkind, sodaß ihm ein Hurenkind erlaubt ist.
12Raba erklärte: Er meint es wie folgt: das erste ist sogar zum Hochpriester geeignet, das folgende gilt des Zweifels wegen als entschiedenes Hurenkind, sodaß ihm ein Hurenkind erlaubt ist; R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, es gelte des Zweifels wegen nicht als entschiedenes Hurenkind, sondern als zweifelhaftes Hurenkind, sodaß ihm ein Hurenkind verboten ist.
13Sie streiten über eine Lehre R. Elea͑zars, denn wir haben gelernt: R. Elea͑zar sagte: Entschiedene mit Entschiedenen dürfen dies, Entschiedene mit Zweifelhaften, Zweifelhafte mit Entschiedenen und Zweifelhafte mit Zweifelhaften dürfen dies nicht.
14Folgende sind Zweifelhafte: der Verschwiegene, der Findling und der Samaritaner.
15Hierzu sagte R. Jehuda: Rabh lehrte, die Halakha sei wie R. Elea͑zar; als ich dies aber Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Hillel lehrte, zehn Geburtskasten seien aus Babylonien heraufgezogen, Priester, Leviten, Jisraéliten, Entweihte, Proselyten, Freigelassene, Hurenkinder, Nethinim, Verschwiegene und Findlinge, und sie alle dürfen unter einander heiraten,
16und du sagst, die Halakha sei wie R. Elea͑zar!?
17Abajje ist der Ansicht Šemuéls, welcher sagt, die Halakha sei wie Hillel, und nach dieser Halakha erklärte er [die Worte] des R. Elie͑zer b. Ja͑qob, damit nicht die Halakoth einander widersprechen.
18Raba aber ist der Ansicht Rabhs, welcher sagt, die Halakha sei wie R. Elea͑zar, und nach dieser Halakha erklärt er [die Worte] des R. Elie͑zer b. Ja͑qob,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.