Jevamot — Blatt 42b
1und wenn sie wiederum schwanger wird, kann ihre Milch trübe werden und [das Kind] sterben. – Demnach sollte dies auch von der eignen [Frau] gelten!? – Das eigne [Kind] nährt sie mit Eiern und Milch. – Auch ihres kann sie ja mit Eiern und Milch nähren!? – Der Ehemann gibt ihr nicht. – Sie kann es ja von den Erben verlangen!? Abajje erwiderte: Eine Frau geniert sich vor Gericht zu erscheinen, und tötet lieber ihr Kind.
2OB JUNGFRAUEN ODER DEFLORIERTE. Jungfrauen und Verlobte, Deflorierte und Verheiratete sind ja identisch!?
3R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: einerlei ob Jungfrauen oder Deflorierte; wenn sie nach der Verlobung oder nach der Verheiratung verwitwet oder geschieden worden sind.
4Einst kam R. Elea͑zar nicht ins Lehrhaus, und als er darauf R. Asi traf, fragte er ihn, was die Gelehrten im Lehrhause vorgetragen haben. Dieser erwiderte: R. Joḥanan sagte folgendes: die Halakha ist wie R. Jose. –
5Demnach streitet ein Einzelner gegen ihn? – Allerdings. Es wird auch gelehrt: Wenn es sie ins Haus ihres Vaters zu gehen drängte oder sie mit ihrem Manne zankte, oder ihr Mann im Gefängnisse eingesperrt war, oder er alt oder krank war, oder sie krank war,
6oder sie nach dem Tode ihres Mannes abortiert hat, oder unfruchtbar, alt, minderjährig, steril oder sonst nicht geburtsfähig ist, so muß sie [dennoch] drei Monate warten – so R. Meír. R. Jehuda erlaubt dieser, sich sofort zu verloben und zu verheiraten.
7R. Ḥija b. Abba sagte: R. Joḥanan trat davon zurück. R. Joseph sprach: Wenn er zurückgetreten ist, so tat er dies wegen der Lehre in der Akademie, denn es wird gelehrt: R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagte: Ich hörte aus dem Munde der Weisen in der Akademie zu Jabne, daß sie alle drei Monate warten müssen.
8R. Jirmeja sprach zu R. Zeriqa: Wenn du zu R. Abahu kommst, weise ihn auf folgenden Widerspruch hin: kann R. Joḥanan denn gesagt haben, die Halakha sei wie R. Jose, R. Joḥanan sagte ja, die Halakha sei nach der anonymen Lehre zu entscheiden, und eine solche lehrt, daß auch alle anderen Frauen vor Ablauf von drei Monaten sich nicht verheiraten oder verloben dürfen, einerlei ob Jungfrauen oder Deflorierte!?
9Dieser erwiderte: Der dich auf diesen Widerspruch hingewiesen hat, achtete nicht auf sein Mehl; auf diese anonyme Lehre folgt ein Streit, und in einem solchen Falle ist die Halakha nicht nach der anonymen Lehre zu entscheiden. R. Papa, nach anderen R. Joḥanan, sagte nämlich: Folgt auf den Streit eine anonyme Lehre, so ist die Halakha nach der anonymen Lehre zu entscheiden, und folgt auf die anonyme Lehre ein Streit, so ist die Halakha nicht nach der anonymen Lehre zu entscheiden.
10R. Abahu ging auf die Schulter seines Dieners R. Naḥum gestützt und ließ sich von ihm Halakhoth vortragen. Da fragte er ihn: Wie ist es, wenn einem Streite eine anonyme Lehre folgt? Dieser erwiderte: So ist die Halakha nach der anonymen Lehre zu entscheiden. – Wie ist es, wenn einer anonymen Lehre ein Streit folgt? Dieser erwiderte: So ist die Halakha nicht nach der anonymen Lehre zu entscheiden. –
11Wie ist es, wenn die anonyme Lehre in einer Mišna und der Streit in einer Barajtha sich befindet? Dieser erwiderte: So ist die Halakha nach der anonymen Lehre zu entscheiden. – Wie ist es, wenn der Streit in einer Mišna und die anonyme Lehre in einer Barajtha sich befindet? Dieser erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.