Jevamot — Blatt 4a

1Es heißt: du sollst kein Mischgewebe anziehen, Schnüre sollst du dir machen,

2und R. Elea͑zar sagte, das Nebeneinanderstehen sei in der Tora angedeutet, denn es heißt: aneinander für immer und ewig, in Wahrheit und Recht hergerichtet.

3Ferner sagte R. Šešeth im Namen R. Elea͑zars im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja: Woher, daß, wenn die Schwägerin einem Räudigen zufällt, man sie nicht binde? Es heißt: du sollst einem Ochsen beim Dreschen nicht das Maul verbinden, und daneben heißt es: wenn Brüder beisammen wohnen.

4Hierzu sagte R. Joseph: Selbst derjenige, der sonst das Nebeneinanderstehen nicht deutet, deute es im Deuteronomium wohl, denn R. Jehuda deutet es sonst nicht, dennoch deutet er es im Deuteronomium.

5Woher, daß er es sonst nicht deutet? Es wird gelehrt: Ben A͑zaj sagte: Es heißt: eine Zauberin sollst du nicht leben lassen, und darauf heißt es: wer ein Vieh beschläft, soll getötet werden; dies steht neben jenem; wie der ein Vieh Beschlafende durch Steinigung, ebenso die Zauberin durch Steinigung.

6R. Jehuda sprach zu ihm: Sollten wir, weil beides nebeneinander steht, deshalb [den Zauberer] zur Steinigung hinausführen!?

7Vielmehr, Totenbeschwörer und Wahrsager sind ja unter ‘Zauberer’ einbegriffen, wozu wurden sie herausgegriffen!? Um alle mit diesen zu vergleichen und dich zu lehren; wie Totenbeschwörer und Wahrsager durch Steinigung, ebenso die Zauberin durch Steinigung.

8Woher, daß er es im Deuteronomium deutet? — Wir haben gelernt: Man darf die Genotzüchtigte oder Verführte seines Vaters und die Genotzüchtigte oder Verführte seines Sohnes heiraten. R. Jehuda verbietet die Genotzüchtigte oder Verführte seines Vaters.

9Hierzu sagte R. Gidel im Namen Rabhs: Folgendes ist der Grund R. Jehudas: es heißt: niemand soll die Frau seines Vaters nehmen und die Decke seines Vaters nicht aufdecken, die Decke, die sein Vater gesehen, darf er nicht aufdecken.

10Woher, daß die Schrift von der Genotzüchtigten spricht? — Vom vorangehenden Schriftverse; vorher heißt es: so gebe der Mann, der sie beschlafen hat, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberstücke, und daneben heißt es: niemand soll &c. nehmen.

11Und die Rabbanan!? — Wenn sie neben einander stehen würden, würdest du recht haben, da sie aber nicht neben einander stehen, denn [dazwischen] heißt es: niemand soll die Frau seines Vaters nehmen,

12so spricht die Schrift von einer Anwärterin der Schwagerehe, daß man nämlich dieserhalb zwei Verbote übertrete.

13Weshalb deutet er es im Deuteronomium? — Wenn du willst, sage ich: weil es da offenbar ist, und wenn du willst, sage ich: weil da [die Schriftworte] unnötig sind.

14Wenn du willst, sage ich: weil es da offenbar ist, denn der Allbarmherzige sollte es beim Inzestgesetze geschrieben haben. Wenn du willst, sage ich: weil sie da unnötig sind, denn der Allbarmherzige sollte nur geschrieben haben: niemand soll die Frau seines Vaters nehmen, und wenn es noch heißt: und die Decke seines Vaters nicht entblößen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.