Jevamot — Blatt 4b

1so ist dies unnötig. Ebenso beim Gesetze von den Çiçith; wenn du willst, sage ich: weil es da offenbar ist, und wenn du willst, sage ich: weil es da unnötig ist.

2Wenn du willst, sage ich: weil es da offenbar ist, denn der Allbarmherzige sollte es im Abschnitte von den Çiçith geschrieben haben, weshalb hier? Wenn du willst, sage ich: weil es da unnötig ist; es heißt bereits: und ein Kleid aus Verschiedenartigem, Mischgewebe, komme nicht auf dich, und wenn es noch heißt: du sollst kein Mischgewebe anziehen, so ist dies unnötig.

3Beide sind ja aber nötig!? Hätte der Allbarmherzige nur geschrieben: komme nicht auf dich, es könnte man glauben, der Allbarmherzige habe jede Art des Hinaufkommens verboten, selbst Kleiderhändlern, daher schrieb er: du sollst kein Mischgewebe anziehen, nur wenn es, wie beim Anziehen, zum Behagen erfolgt;

4und hätte der Allbarmherzige nur geschrieben: du sollst nicht anziehen, es könnte man glauben, dies gelte nur vom Anziehen, wobei das Behagen bedeutend ist, nicht aber vom Umlegen, daher schrieb der Allbarmherzige: komme nicht auf dich.

5Demnach sollte der Allbarmherzige geschrieben haben: du sollst kein Mischgewebe anziehen, wozu: Wolle und Flachs!?

6Merke, es heißt: ein Kleid aus Verschiedenartigem, Mischgewebe, komme nicht auf dich, und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Da die Schrift oft von Kleidern allgemein spricht, und an einer Stelle Wolle und Flachs genannt werden, so sind überall solche aus Wolle und Flachs zu verstehen. Wenn nun der Allbarmherzige hierbei Wolle und Flachs schreibt, so ist dies unnötig.

7Dies ist ja aber dennoch nötig; man könnte glauben, dies gelte nur vom Umlegen, wobei das Behagen unbedeutend ist, zum Anziehen aber, wobei das Behagen bedeutender ist, habe der Allbarmherzige alles Verschiedenartige verboten, daher schrieb er Wolle und Flachs!?

8Demnach sollte die Schrift davon schweigen, und man würde es durch [das Wort] Mischgewebe vom Umlegen gefolgert haben.

9Nach dem Autor der Schule R. Jišma͑éls deshalb, weil der Allbarmherzige Wolle und Flachs geschrieben hat, sonst aber würde man gesagt haben, das Mischgewebe sei bei den Çiçith verboten; es heißt ja aber: sie sollen sich Çiçith machen an den Zipfeln ihrer Kleider,

10und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, unter Kleider seien überall solche aus Wolle und Flachs zu verstehen, und der Allbarmherzige sagt, daß man an diese einen Purpurfaden ansetze, und Purpur ist ja Wolle!? — Woher, daß Purpur Wolle ist? — Wenn Linnen Flachs ist, so ist Purpur Wolle.

11Dies ist nötig, denn man könnte glauben, es sei nach Raba zu verfahren. Raba wies nämlich auf einen Widerspruch hin: es heißt Zipfel, von der Art des Zipfels, und es heißt Wolle und Flachs;

12wie ist dies zu erklären? Wolle und Flachs sind zulässig sowohl für dieselbe Art als auch für andere Arten, alles andere aber nur für dieselbe Art, nicht aber für andere Arten.

13Der Autor der Schule R. Jišma͑éls hält ja nichts von der Lehre Rabas!?

14Dies ist nötig, denn man könnte nach Raba auslegen: Zipfel, von der Art des Zipfels, und der Allbarmherzige meint es wie folgt: man mache sie aus Wolle für Wolle und aus Flachs für Flachs, jedoch färbe man sie nur dann, wenn aus Wolle für Wolle, nicht aber, wenn aus Wolle für Flachs oder aus Flachs für Wolle; daher schrieb der Allbarmherzige Wolle und Flachs, auch wenn aus Wolle für Flachs und aus Flachs für Wolle.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.