Jevamot — Blatt 5a

1Allerdings nach dem Autor der Schule R. Jišma͑éls, woher dies nach den Rabbanan?

2Sie entnehmen es aus [dem Worte] Haupt. Es wird nämlich gelehrt: Haupt, was lehrt dies? Da es heißt: ihr sollt die Ecken eures Haupthaares nicht rundscheren, so könnte man glauben, dies gelte auch vom Aussätzigen,

3so heißt es sein Haupt. Und dieser Autor ist der Ansicht, das Rundscheren des ganzen Hauptes gelte als Rundscheren.

4Es ist ja zu erwidern: wohl gilt dies vom Verbote des Rundscherens, da es ein Verbot ist, das nicht für jeden gilt!?

5Vielmehr, dies ist aus [dem Worte] Bart zu entnehmen. Es wird nämlich gelehrt: Bart, was lehrt dies? Da es heißt: die Ecke ihres Bartes sollen sie nicht scheren, so könnte man glauben, dies gelte auch von einem aussätzigen Priester, so heißt es Bart.

6Und da dies hinsichtlich eines Verbotes, das nicht für jeden gilt, nicht nötig ist, so beziehe man es auf ein Verbot, das für jeden gilt.

7Aber dies ist ja nötig; man könnte glauben, bei Priestern sei es anders, da ihnen die Schrift mehr Gebote auferlegt hat, und auch ein Verbot, das nicht für jeden gilt, werde nicht verdrängt, so lehrt er uns, daß es verdrängt werde!?

8Vielmehr, dies ist aus [dem Worte] Haupt nach der folgenden Lehre zu entnehmen: Haupt, was lehrt dies? Da es heißt:ein Schermesser gehe nicht über sein Haupt, so könnte man glauben, dies gelte auch vom aussätzigen Naziräer, so heißt es Haupt.

9Es ist ja aber zu erwidern: wohl gilt dies vom aussätzigen Naziräer, bei dem eine Auflösung möglich ist!? Wieso sagen wir, wenn dem nicht so wäre, ein Gebot verdränge nicht ein Verbot und Gebot,

10man sollte doch vom Naziräer folgern. Vielmehr folgern wir nichts vom Naziräer, weil zu erwidern ist, bei diesem sei eine Auflösung möglich, ebenso ist auch hierbei zu erwidern, bei diesem sei eine Auflösung möglich.

11Vielmehr, tatsächlich

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.