Jevamot — Blatt 59b
1Hier ist die Ansicht R. Meírs vertreten, während Rabh der Ansicht R. Elea͑zars ist. –
2Nach R. Elea͑zar braucht ja die Defloration nicht hervorgehoben zu werden, es genügt ja der Umstand, daß sie eine Hure ist, denn R. Elea͑zar sagte, wenn ein Lediger einer Ledigen ohne Absicht der Ehelichung beigewohnt hat, habe er sie zur Hure gemacht!?
3R. Joseph erwiderte: Wenn sie von einem Vieh beschlafen worden ist, so daß sie nur Deflorierte und nicht Hure ist.
4Abajje sprach zu ihm: Wie du es nimmst: ist sie Deflorierte, so ist sie auch Hure, und ist sie keine Hure, so ist sie auch keine Deflorierte. Wolltest du erwidern: wie bei der Verletzten, so gäbe es ja, wenn es von der widernatürlichen Art gelten sollte, keine für Priester geeignete Frau, da es keine gibt, die sich nicht durch Spänchen verletzt hätte!?
5Vielmehr, erklärte R. Zera, bei der Weigerungserklärenden.
6R. Šimi b. Ḥija sagte: Ist sie von einem Vieh beschlafen worden, so ist sie für Priester tauglich. Ebenso wird gelehrt: Ist sie von [einem Wesen], das kein Mann ist, beschlafen worden, so ist sie, obgleich dies mit der Steinigung belegt ist, für Priester tauglich.
7Als R. Dimi kam, erzählte er: Einst ereignete es sich in Hitlo, daß ein Dorfhund ein Mädchen, als sie das Zimmer fegte, von hinten beschlief, und Rabbi erlaubte sie für Priester. Šemuél sagte: Für einen Hochpriester. – Gab es denn zur Zeit Rabbis einen Hochpriester!? – Vielmehr, für einen Hochpriester tauglich.
8Raba aus Parziqa sprach zu R. Aši: Woher das, was die Rabbanan gesagt haben, bei einem Vieh gehe es keine Hurerei? Es heißt: du sollst keinen Hurenlohn und kein Hundegeld bringen.
9Hierzu wird gelehrt: Hundelohn und Hurengeld sind erlaubt, denn es heißt: sie beide, zwei und nicht vier.
10Die Rabbanan lehrten: Die von ihm selber Genotzüchtigte oder Verführte darf er nicht heiraten; hat er sie geheiratet, so ist die Heirat gültig. Die von einem anderen Genotzüchtigte oder Verführte darf er nicht heiraten; hat er sie geheiratet, so ist das Kind, wie R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, entweiht, und wie die Weisen sagen, unbemakelt.
11«Hat er sie geheiratet, so ist die Heirat gültig.» R. Hona sagte im Namen Rabhs: Er entferne sie durch einen Scheidebrief. – Er lehrt ja aber, wenn er sie geheiratet hat, sei die Heirat gültig!? R. Aḥab. Ja͑qob erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.