Jevamot — Blatt 5b
1ist dies vom erstgenannten Schriftverse zu folgern, denn die Schrift sollte ja sagen: Çiçith sollst du dir machen, wenn es aber auch Schnüre heißt, so ist dies unnötig.
2Dies ist ja aber wegen der Anzahl erforderlich: unter ‘Schnur’ sind zwei und unter ‘Schnüre’ vier [zu verstehen]; man mache Schnüre und teile sie in der Mitte in Fäden!?
3Die Schrift sollte sagen: du sollst kein Mischgewebe anziehen, Wolle und Flachs, wenn es aber auch zusammen heißt, so ist dies unnötig.
4Aber auch dies ist ja nötig, daß nämlich zwei Stiche als Verbindung gelten, ein Stich aber nicht!? — Demnach sollte doch der Allbarmherzige geschrieben haben: du sollst nicht anziehen, Wolle und Flachs zusammen, wenn es aber auch Mischgewebe heißt, so ist dies unnötig.
5Aber auch dies ist ja nötig, wegen [der Auslegung:] gekrempelt, gesponnen und gezwirnt!? — Vielmehr, aus Mischgewebe ist alles zu entnehmen.
6Wir wissen nun, daß das Gebot ein gewöhnliches Verbot verdrängt, wo finden wir, daß es ein mit der Ausrottung belegtes Verbot verdrängt, um des Verbotenseins zu benötigen!?
7Wolltest du sagen, dies sei von der Beschneidung zu entnehmen, [so ist zu erwidern:] wohl die Beschneidung, derentwegen dreizehn Bündnisse geschlossen worden sind!?
8Vom Pesaḥopfer. — Wohl das Pesaḥopfer das mit der Ausrottung belegt ist!?
9Vom täglichen Opfer. — Wohl das tägliche Opfer, da es beständig ist!?
10Da es von einem nicht zu entnehmen ist, entnehme man es von zweien. — Von welchen sollte man es entnehmen:
11wenn von Beschneidung und Pesaḥopfer, so sind beide mit der Ausrottung bedroht, wenn von Pesaḥopfer und täglichem Opfer, so sind beide für Gott bestimmt, wenn von Beschneidung und täglichem Opfer, so bestanden sie schon vor der Gesetzgebung, und auch wenn von allen zusammen, so bestanden sie schon vor der Gesetzgebung!? Dies nach demjenigen, welcher sagt, das von den Jisraéliten in der Wüste dargebrachte Brandopfer war das tägliche Brandopfer.
12Vielmehr, dies ist deshalb nötig, weil man glauben könnte, es sei von der Ehrung von Vater und Mutter zu folgern.
13Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, die Ehrung von Vater und Mutter verdränge das Šabbathgesetz, so heißt es: ihr sollt jeder Mutter und Vater fürchten, und meine Šabbathe sollt ihr beobachten; ihr alle seid zu meiner Ehrung verpflichtet.
14Wohl in dem Falle, wenn [sein Vater] zu ihm sagt: schlachte für mich, koche für mich, und nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: meine Šabbathe sollt ihr beobachten, sonst aber würde es verdrängt haben. — Nein
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.