Jevamot — Blatt 61a

1Die Gräber der Nichtjuden verunreinigen nichtdurch Bezeltung, denn es heißt: ihr aber seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, Menschen seid ihr; ihr heißt Menschen, die weltlichen Völker aber heißen nicht Menschen.

2Man wandte ein: Und sechzehntausend Menschenseelen!? – [Als Gegensatz] zum Vieh. –

3[Es heißt ja]: in der mehr als zwölf Myriaden Menschen sind, die zwischen rechts und links nicht zu unterscheiden wissen, dazu vieles Vieh!? – [Als Gegensatz] zum Vieh. –

4[Es heißt ja:] jeder, der einen Menschen erschlagen, und jeder, der einen Erschlagenen berührt hat, ihr sollt euch reinigen!? – Vielleicht war einer von den Jisraéliten erschlagen worden. – Und die Rabbanan!? – [Es heißt:] es fehlt von uns kein Mann. – Und R. Šimo͑n b. Joḥaj!? – Es fehlt von uns kein Mann, hinsichtlich der Sündhaftigkeit.

5Rabina erwiderte: Allerdings hat sie die Schrift hinsichtlich der Verunreinigung durch Bezeltung ausgeschlossen, denn es heißt: wenn ein Mensch in einem Zelte stirbt, aber hat sie die Schrift etwa hinsichtlich [der Verunreinigung] durch Berühren und Tragen ausgeschlossen!?

6WENN ER SICH MIT EINER WITWE VERLOBT UND DARAUF ZUM HOCHPRIESTER GEWÄHLT WIRD, SO DARF ER SIE HEIRATEN. SO EREIGNETE ES SICH MIT JEHOŠUA͑, DEM SOHNE GAMLAS; NACHDEM ER SICH DIE MARTHA, TOCHTER DES BOËTHOS, ANGETRAUT HATTE, ERNANNTE IHN DER KÖNIG ZUM HOCHPRIESTER, UND ER HEIRATETE SIE. WENN DIE ANWÄRTERIN DER SCHWAGEREHE EINEM GEMEINEN PRIESTER ZUFÄLLT UND ER ZUM HOCHPRIESTER GEWÄHLT WIRD, SO DARF ER SIE, SELBST WENN ER AN SIE BEREITS DIE EHEFORMEL GERICHTET HAT, NICHT HEIRATEN.

7GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß, wenn er sich mit einer Witwe verlobt und darauf zum Hochpriester gewählt wird, er sie heiraten darf? Es heißt: nehme er sich zur Frau. – Demnach sollte dies auch von der Anwärterin der Schwagerehe gelten!? – Frau, nicht aber eine Schwägerin.

8SO EREIGNETE ES SICH MIT JEHOŠUA͑ &C. Er ernannte ihn, er war also nicht gewählt worden. R. Joseph sagte: Ich sehe hier eine Verbündung. R. Asi sagte nämlich: Einen Trikab Denare zahlte Martha, Tochter des Boëthos, an den König Jannaj, bis er Jehošua͑, den Sohn Gamlas, zum Hochpriester ernannte.

9EIN HOCHPRIESTER, DESSEN BRUDER GESTORBEN IST, VOLLZIEHE DIE ḤALIÇA UND NICHT DIE SCHWAGEREHE.

10GEMARA. Er lehrt dies allgemein, ob nach der Verlobung oder nach der Verheiratung; allerdings nach der Verheiratung, denn hierbei liegt ein Gebot und ein Verbot vor, und das Gebot verdrängt nicht ein Verbot und ein Gebot, wenn aber nach der Verlobung, sollte doch das Gebot das Verbot verdrängen!? –

11Bei der ersten Beiwohnung ist die folgende Beiwohnung berücksichtigt worden.

12EIN GEMEINER PRIESTER DARF KEINE STERILE HEIRATEN, ES SEI DENN, DASS ER FRAU UND KINDER HAT. R. JEHUDA SAGT, AUCH WENN ER FRAU UND KINDER HAT, DÜRFE ER KEINE STERILE HEIRATEN, DENN DIESE IST UNTER ‘HURE’ ZU VERSTEHEN, VON DER DIE SCHRIFT SPRICHT. DIE WEISEN SAGEN, UNTER ‘HURE’ SEIEN NUR DIE PROSELYTIN, DIE FREIGELASSENE SKLAVIN UND DIE IN UNZUCHT BESCHLAFENE ZU VERSTEHEN.

13GEMARA. Der Exilarch sprach zu R. Hona: Wohl wegen der Fortpflanzung, – ist denn die Fortpflanzung nur Priestern und nicht Jisraéliten geboten!? – Vielmehr, da er im Schlußsatze lehren will: R. Jehuda sagt, auch wenn er Frau

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.