Jevamot — Blatt 62a
1vom Unmöglichen. – Auch die Schule Hillels kann ja von Moše folgern!? – Sie kann dir erwidern: Moše tat dies mit seiner Zustimmung. Es wird nämlich gelehrt: Dreierlei tat Moše eigenwillig, und er traf dem Willen der Göttlichkeit zu: er trennte sich von seiner Frau, er zerbrach die Bundestafeln und er fügte einen Tag hinzu.
2Er trennte sich von seiner Frau, denn er deduzierte wie folgt: wenn die Tora den Jisraéliten, mit denen die Göttlichkeit nur vorübergehend gesprochen, und denen sie dafür eine Zeit festgesetzt hat, befohlen hat: ihr sollt euch einem Weibe nicht nähern, um wieviel weniger ich, der ich zu jeder Zeit und Stunde einer Unterredung gewärtig sein muß, und mir hierfür keine Zeit festgesetzt ist. Er traf dem Willen Gottes zu, denn es heißt: geh, sprich zu ihnen, daß sie nach ihren Zelten zurückkehren, du aber bleibe bei mir.
3Er zerbrach die Bundestafeln, denn er deduzierte wie folgt: wenn die Tora vom Pesaḥopfer, das nur eines der sechshundertdreizehn Gebote ist, sagt: kein Fremdling darf davon essen, um wieviel mehr gilt dies von der ganzen Tora, wo die Jisraéliten abtrünnig sind.
4Er traf dem Willen Gottes zu, denn es heißt: die du zerbrochen hast, und Reš Laqiš erklärte: der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Moše: Dank dir, daß du sie zerbrochen hast.
5Er fügte eigenmächtig einen Tag hinzu, denn er deduzierte wie folgt: heilige sie heute und morgen, heute wie morgen: wie morgen einschließlich der [vorangehenden] Nacht, ebenso heute einschließlich der [vorangehenden] Nacht, und die von heute ist bereits vorüber; wahrscheinlich zwei Tage außer heute. Er traf dem Willen Gottes zu, denn die Göttlichkeit ließ sich erst am Šabbath nieder.
6Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Die Schule Šammajs sagt, zwei männliche und zwei weibliche, und die Schule Hillels sagt, ein männliches und ein weibliches.
7R. Hona sagte: Folgendes ist der Grund der Schule Šammajs nach R. Nathan: es heißt: und sie gebar abermals, den Hebel, seinen Bruder, Hebel und seine Schwester, Qajin und seine Schwester, und es heißt: denn einen anderen Samen hat der Herr mir gegeben statt Hebel, da Qajin ihn erschlagen hat. – Und die Rabbanan!? – Damit dankte sie nur.
8Ein Anderes lehrt: R. Nathan sagte: Die Schule Šammajs sagt, ein männliches und ein weibliches, und die Schule Hillels sagt, ein männliches oder ein weibliches. Raba sagte: Folgendes ist der Grund der Schule Hillels nach R. Nathan: es heißt: nicht zur Einöde hat er sie erschaffen, sondern daß sie bewohnt werde, und er hat zur Bewohnung beigetragen.
9Es wurde gelehrt: Wenn er als Nichtjude Kinder hatte und sich bekehrt, so hat er, wie R. Joḥanan sagt, die Fortpflanzung ausgeübt, und wie Reš Laqiš sagt, die Fortpflanzung nicht ausgeübt. R. Joḥanan sagt, er habe die Fortpflanzung ausgeübt, denn er hat ja [Kinder]; Reš Laqiš sagt, er habe die Fortpflanzung nicht ausgeübt, denn ein Proselyt, der sich bekehrt, gleicht einem neugeborenen Kinde.
10Sie vertreten hierbei ihre Ansichten, denn es wurde gelehrt: Wenn er als Nichtjude Kinder hatte und sich bekehrt, so hat er, wie R. Joḥanan sagt, keinen Erstgeborenenhinsichtlich der Erbschaft, denn er hat einen Erstling seiner Kraft, und wie Reš Laqiš sagt, wohl einen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft, denn ein Proselyt, der sich bekehrt, gleicht einem neugeborenen Kinde.
11Und beide Lehren sind nötig. Würde nur die erste gelehrt worden sein, so könnte man glauben, R. Joḥanan vertrete seine Ansicht nur da, weil er auch vorher zur Fortpflanzung verpflichtet war, bei der Erbschaft aber, wo jene gar nicht erbberechtigt sind, pflichte er Reš Laqiš bei.
12Und würde nur die [andere] gelehrt worden sein, so könnte man glauben, Reš Laqiš vertrete seine Ansicht nur bei dieser, bei jener aber pflichte er R. Joḥanan bei. Daher ist beides nötig.
13R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Um jene Zeit sandte Berodakh Baládan, Sohn Baládans, König von Babel &c. Dieser erwiderte: Solange sie Nichtjuden sind, haben sie eine Geschlechtsfolge, sobald sie sich bekehren, haben sie keine Geschlechtsfolge.
14Rabh sagte: Alle stimmen hinsichtlich eines Sklaven überein, daß er keine Geschlechtsfolge hat, denn es heißt: wartet hier mit [i͑m] dem Esel, ein Volk [a͑m], das dem Esel gleicht. Man wandte ein: Und Çiba hatte fünfzehn Söhneund zwanzig Sklaven. R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Wie: Farre, Sohn eines Rindes. –
15Demnach ist ja da ebenso zu erklären!? – Anders ist es da, wo er bei ihrer Geschlechtsfolge ihre Namen und die Namen ihrer Vorfahren aufzählt; hier aber nicht. Wenn du aber willst, sage ich: an einer anderen Stelle nennt er bei ihrer Geschlechtsfolge auch die Namen ihrer Vorfahren und der Vorfahren ihrer Vorfahren, denn es heißt: der König Asa sandte sie an Ben Hadad, den Sohn Ṭabrimmons, des Sohnes Ḥezjons, den König von Aram, der in Dammeseq wohnte, und ließ sagen.
16Es wurde gelehrt: Wenn er Kinder hatte und sie gestorben sind, so hat er, wie R. Hona sagt, die Fortpflanzung ausgeübt, und wie R. Joḥanan sagt, nicht ausgeübt.
17R. Hona sagt, er habe sie ausgeübt, nach [einer Lehre] R. Asis, denn R. Asi sagte: Der Sohn Davids kommt erst dann, wenn keine Seele mehr im Guph ist, denn es heißt: der Geist wird vor mir eingehüllt &c. R. Joḥanan sagt, er habe die Fortpflanzung nicht ausgeübt, denn es heißt: zur Bewohnung hat er sie erschaffen, was hierbei nicht der Fall ist.
18Man wandte ein:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.