Jevamot — Blatt 62b

1Kindeskinder gelten als Kinder!? – Dies gilt von der Ergänzung.

2Man wandte ein: Kindeskinder gelten als Kinder; ist eines von ihnen gestorben oder als impotent befunden worden, so hat er die Fortpflanzung nicht ausgeübt!? Dies ist eine Widerlegung R. Honas, Eine Widerlegung.

3«Kindeskinder gelten als Kinder.» Abajje wollte erklären, ein [Enkel]-sohn [ersetze] einen Sohn und eine [Enkel]tochter eine Tochter, und um so mehr ein [Enkel]sohn eine Tochter, jedoch nicht eine [Enkel]tochter einen Sohn. Da sprach Raba zu ihm: Es heißt: zur Bewohnung hat er sie erschaffen, und dies ist geschehen. –

4Immerhin stimmen alle überein, daß, wenn jemand zwei von einem [Kinde] hat, es nicht ausreiche, und dem widersprechend erwiderte ja R. Šešeth den Rabbanan, die zu ihm sprachen, daß er eine Frau nehme und Kinder zeuge, seiner Tochter Kinder seien seine Kinder!? –

5Er wollte ihnen nur ausweichen, denn R. Šešeth war durch die Vorträge R. Honas impotent geworden.

6Rabba sprach zu Raba b. Mari: Woher das, was die Rabbanan sagten, Kindeskinder gelten als Kinder? Wollte man sagen, weil es heißt: die Töchter sind meine Töchter und die Söhne sind meine Söhne, so heißt es ja auch: und die Schafe sind meine Schafe. Dies heißt vielmehr: du hast sie von mir, ebenso bei jenen: du hast sie von mir. –

7Vielmehr, hieraus: und hernach kam Ḥeçron zu der Tochter Makhirs, des Vaters Gilea͑ds &c. und sie gebar ihm den Segub, ferner heißt es: von Makhir zogen hinab Gesetzgeber, und ferner heißt es: Jehuda mein Gesetzgeber.

8Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht R. Jehošua͑s, denn es wird gelehrt: R. Jehošua͑ sagte: Hat jemand eine Frau in der Jugend geheiratet, so heirate er auch im Alter; hat jemand Kinder in der Jugend gezeugt, so zeuge er auch im Alter, denn es heißt: am Morgen streue deinen Samen und am Abend laß deine Hand nicht ruhen, denn du weißt nicht, welches da gelingt, ob dies oder jenes, oder ob beides zugleich gut wird.

9R. A͑qiba sagte: Hat jemand in seiner Jugend die Tora studiert, so studiere er die Tora auch im Alter; hat jemand Jünger in der Jugend gehabt, so halte er solche auch im Alter, denn es heißt: am Morgen streue deinen Samen &c. Man erzählt, daß R. A͑qiba zwölftausend Paare Jünger hatte, von Gabbatha bis Antipatris, und alle starben sie um eine Zeit, weil sie einander keine Ehrung erwiesen.

10Die Welt lag verödet, bis R. A͑qiba zu unseren Meistern nach dem Süden kam und sie [die Tora] lehrte. R. Meír, R. Jehuda, R. Jose, R. Šimo͑n und R. Elea͑zar b. Šamua͑. Sie sind es, die in jener Zeit die Tora aufrichteten.

11Es wird gelehrt: Alle starben sie zwischen dem Pesaḥfeste und dem Wochenfeste. R. Ḥama b. Abba, nach anderen R. Ḥija b. Abin, sagte: Alle starben sie an einem bösen Tode. – Was ist dies? R. Naḥman erwiderte: Die Bräune.

12R. Mathna sagte: Die Halakha ist wie R. Jehošua͑.

13R. Tanḥum sagte im Namen R. Ḥanilajs: Ein Mensch, der keine Frau hat, lebt ohne Freude, ohne Segen und ohne Güte. Ohne Freude, denn es heißt: du sollst dich freuen, du und dein Haus. Ohne Segen, denn es heißt: daß der Segen in deinem Hause ruhe. Ohne Güte, denn es heißt: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.

14Im Westen sagen sie: Ohne Tora und ohne Umgebung. Ohne Tora, denn es heißt: bin ich ganz ohne Hilfe, ist die Vernunft entrückt von mir. Ohne Umgebung, denn es heißt: das Weib umkreist den Mann.

15Raba b. U͑la sagte: und du weißt, daß dein Zelt friedlich ist, du musterst deine Behausung und vermissest nichts.

16R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wer von seiner Frau weiß, daß sie gottesfürchtig ist, und sie nicht aufsucht, heißt Sünder, denn es heißt: und du weißt, daß dein Zelt friedlich ist &c. R. Jehošua͑, b. Levi sagte [ferner]: Wer sich auf die Reise begibt, muß seine Frau aufsuchen, denn es heißt: und du weißt, daß dein Zelt friedlich ist &c. –

17Ist dies denn hieraus zu entnehmen, dies wird ja aus folgendem entnommen: nach deinem Manne sei dein Verlangen, dies lehrt, daß die Frau nach ihrem Manne verlangt, wenn er sich auf die Reise begibt!? R. Joseph erwiderte: Dies deutet darauf, auch kurz vor ihrer Periode. –

18Wieviel? – Ein Halbtag. Dies nur, wenn zum Freigestellten, wenn aber zu einer gottgefälligen Handlung, so ist man zerstreut.

19Die Rabbanan lehrten: Über den, der seine Frau wie sich selbst liebt und mehr als sich selbst ehrt, seine Söhne und seine Töchter auf den rechten Weg leitet und sie nahe ihrer Reife verheiratet, spricht die Schrift: und du weißt, daß dein Zelt friedlich ist. Über den, der seine Nachbarn liebt, sich seiner Verwandten annimmt, die Tochter seiner Schwester heiratet

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.