Jevamot — Blatt 63a
1und dem Armen in seiner Not einen Sela͑ borgt, spricht die Schrift: dann wirst du rufen, und der Herr wird antworten, du wirst schreien, und er sprechen: da bin ich.
2R. Elea͑zar sagte: Ein Mensch, der keine Frau hat, ist kein Mensch, denn es heißt: Mann und Weib erschuf er sie &c. und nannte ihren Namen Mensch. Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein Mensch, der kein Land besitzt, ist kein Mensch, denn es heißt: der Himmel ist des Herrn Himmel, die Erde aber hat er den Menschen gegeben.
3Ferner sagte R. Elea͑zar: Es heißt: ich will ihm eine Hilfe schaffen, ihm gegenüber; ist es ihm beschieden, so ist sie ihm eine Hilfe, ist es ihm nicht beschieden, so ist sie gegen ihn. Manche lesen: R. Elea͑zar wies auf einen Widerspruch hin: es heißt kenagedo und wir lesen kenegdo [ihm gegenüber]; ist es ihm beschieden, so ist sie ihm gegenüber; ist es ihm nicht beschieden, so schlägt sie ihn.
4R. Jose traf Elijahu und sprach zu ihm: Es heißt: Ich will ihm eine Hilfe schaffen; wieso hilft die Frau dem Menschen? Dieser erwiderte: Jemand holt Weizen; soll er etwa Weizen kauen!? Jemand holt Flachs; soll er etwa Flachs anziehen!? Es ergibt sich, daß sie ihm die Augen erleuchtet und ihn auf die Füße bringt.
5Ferner sagte R. Elea͑zar: Es heißt: diesmal ist es Knochen von meinem Knochen und Fleisch von meinem Fleische. Dies lehrt, daß Adam jedem Vieh und jedem Tier beigewohnt hatte, und erst als er Ḥava beiwohnte, war er befriedigt.
6Ferner sagte R. Elea͑zar: Es heißt: und alle Geschlechter des Erdbodens werden sich mit dir segnen. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Abraham: Ich habe zwei köstliche Reiser, die ich in dich verpflanzen will: die Moabiterin Ruth und die A͑mmoniterin Noa͑mi. Alle Geschlechter des Erdbodens; auch Geschlechter, die im Erdboden wohnen, werden nur wegen Jisraél gesegnet. Alle Völker der Erde; selbst Schiffe, die von Gallien nach Spanien verkehren, werden nur wegen Jisraél gesegnet.
7Ferner sagte R. Elea͑zar: Dereinst werden alle Handwerker sich zur Land[wirtschaft] wenden, denn es heißt: es werden von ihren Schiffen herabsteigen alle, die das Ruder handhaben, die Seeleute, alle Steuerer des Meeres werden das Land betreten. Ferner sagte R. Elea͑zar: Du hast keine niedrigere Berufstätigkeit als die Land[arbeit], denn es heißt: herabsteigen. Einst sah R. Elea͑zar ein über die Breite gepflügtes Grundstück; da sprach er: Und wenn du auch über die Länge gepflügt wärest, – Handel treiben ist einträglicher als du.
8Einst ging Rabh durch ein Halmfeld und sah [die Halme] sich bewegen; da sprach er: Bewegt euch nur, – Handel treiben ist einträglicher als ihr. Raba sagte: Hundert Zuz im Geschäfte, – jeden Tag Fleisch und Wein; hundert Zuz in Ackerland, – Salz und Gras. Und noch mehr, es läßt ihn auf der Erde schlafen und bringt ihm Zank.
9R. Papa sagte: Säen und nicht kaufen, selbst wenn es sich ausgleicht, denn darin ist Segen. Kaufen und nicht anfertigen, jedoch nur Bettwäsche, Kleider aber findet man nicht passend.
10Verstopfen und nicht restaurieren; restaurieren und nicht neu bauen, denn wer sich mit Bauen befaßt, verarmt. Schnell, wenn du Ackerland kaufest: langsam, wenn du eine Frau nimmst. Steige eine Stufe tiefer und nimm eine Frau; steige eine Stufe höher und wähle einen Freund.
11R. Elea͑zar b. Abina sagte: Ein Strafgericht kommt über die Welt nur wegen Jisraél, denn es heißt : ich habe die Völker ausgerottet, verödet sind ihre Zinnen, zerstört habe ich ihre Straßen, und darauf folgt: ich dachte, fürchten wirst du mich, Zucht annehmen.
12Als Rabh sich von R. Ḥija verabschiedete, sprach dieser zu ihm: Der Allbarmherzige bewahre dich vor dem, das schlimmer als der Tod ist. Gibt es denn etwas, das schlimmer als der Tod ist? Als er fortging, dachte er nach und fand folgendes: bitterer als den Tod finde ich das Weib &c. Den Rabh quälte seine Frau. Sagte er ihr, daß sie ihm Linsen koche, kochte sie ihm Kichererbsen; daß sie ihm Kichererbsen koche, kochte sie ihm Linsen.
13Als sein Sohn Ḥija erwachsen war, bestellte er verkehrt. Jener sprach: Deine Mutter hat sich gebessert. Dieser erwiderte: Ich pflege verkehrt zu bestellen. Da sprach er zu ihm: Das ist es, was die Leute zu sagen pflegen: Der aus dir hervorgeht, belehrt dich. Du aber tu dies nicht mehr, denn es heißt: sie lehren ihre Zunge Lügen reden, sie mühen &c.
14Den R. Ḥija quälte seine Frau; dennoch pflegte er, wenn er etwas [für sie] fand, es in sein Sudarium zu wickeln und ihr zu bringen. Rabh sprach zu ihm: Sie quält ja den Meister! Dieser erwiderte: Es genügt, daß sie unsere Kinder erziehen und
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.