Jevamot — Blatt 63b

1uns vor Sünde bewahren R. Jehuda las seinem Sohne R. Jiçḥaq vor: Bitterer als den Tod finde ich das Weib. Dieser fragte: Wer zum Beispiel? – Zum Beispiel deine Mutter. –

2Aber R. Jehuda lehrte ja seinen Sohn R. Jiçḥaq, ein Mensch finde Befriedigung nur bei seiner ersten Frau, denn es heißt: dein Born sei gesegnet, daß du Freude hast vom Weibe deiner Jugend, und als dieser ihn fragte: wer zum Beispiel, erwiderte er ihm: zum Beispiel deine Mutter!? – Sie war jähzornig, jedoch durch ein Wort zu besänftigen.

3Welches ist ein böses Weib? Abajje erwiderte: Sie richtet ihm eine Tafel her und richtet auf ihn ihren Mund. Raba erwiderte: Sie richtet ihm eine Tafel her und dreht ihm den Rücken zu.

4R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Sobald ein Mensch eine Frau genommen hat, sind seine Sünden zuende, denn es heißt : wer ein Weib gefunden, hat Gutes gefunden, und findet Beifall beim Herrn. Im Westen spricht man zu dem, der eine Frau genommen hat, wie folgt: ‘gefunden’ oder ‘finde’? Gefunden, denn es heißt: wer ein Weib gefunden, hat Gutes gefunden; finde, denn es heißt: bitterer als den Tod finde ich das Weib.

5Raba sagte: Es ist Gebot, ein böses Weib fortzujagen, denn es heißt: jage den Spötter fort, so geht der Zank weg, und Streit und Schimpf hören auf. Ferner sagte Raba: Einem bösen Weibe mit großer Morgen gäbe [setze man] eine Nebenbuhlerin zur Seite. So pflegen die Leute zu sagen: Lieber mit einer Nebenbuhlerin als mit einem Prügel. Ferner sagte Raba: Ein böses Weib ist wie ein Tag des Unwetters, wie es heißt: eine anhaltende Traufe am Tage des Unwetters, ein zänkisches Weib gleicht dem.

6Ferner sagte Raba: Komm und sieh, wie gut ein gutes Weib und wie schlecht ein böses Weib ist. Wie gut ein gutes Weib ist, denn es heißt: wer ein Weib gefunden, hat Gutes gefunden. Spricht die Schrift von einem solchen, wie gut ist doch ein gutes Weib, daß die Schrift es so lobt; und spricht die Schrift von der Tora, wie gut ist doch ein gutes Weib, daß die Tora mit diesem verglichen wird. Wie schlecht ein böses Weib ist, denn es heißt: bitterer als den Tod finde ich das Weib. Spricht die Schrift von einem solchen, wie schlecht ist doch ein böses Weib, daß die Schrift es so schmäht, und spricht die Schrift vom Fegefeuer, wie schlecht ist doch ein böses Weib, daß das Fegefeuer mit diesem verglichen wird.

7Siehe, ich bringe über sie ein Unglück, aus dem sie nicht herauskönnen. R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Das ist ein böses Weib mit großer Morgengabe. Der Herr gab mich in Hände, denen ich nicht standhalten kann. R. Ḥisda sagte im Namen des Mar U͑qaba b. Ḥija: Das ist ein böses Weib mit großer Morgengabe. Im Westen sagten sie: Das ist derjenige, dessen Ernährung von seinem Gelde abhängig ist.

8Deine Söhne und deine Töchter werden einem anderen Volke gegeben. R. Ḥanan b. Raba sagte im Namen Rabhs: Das ist eine Stiefmutter. Durch ein nichtswürdiges Volk sie kränken. R. Ḥanan b. Raba sagte im Namen Rabhs: Das ist ein böses Weib mit großer Morgengabe. R. Elie͑zer sagte: Das sind die Minäer, denn so heißt es: der Nichtswürdige spricht in seinem Herzen: es gibt keinen Gott &c.

9In einer Barajtha wurde gelehrt: Das sind die Leute der Berberei und von Mauretanien, die nackt auf der Straße gehen. Du hast nämlich niemand, der Gott so ekelhaft und widerwärtig ist, wie derjenige, der nackt auf der Straße geht. R. Joḥanan sagte: Das sind die Geber. Man erzählte R. Joḥanan, Geber seien nach Babylonien gekommen; da knickte er zusammen und fiel hin. Als man ihm aber sagte, daß sie Bestechung nehmen, richtete er sich wieder auf. –

10Sie haben drei Verhängnisse dekretiert. – Wegen dreier [Sünden]. – Inbetreff des Fleisches. – Wegen der Priestergaben. – Inbetreff der Bäder. – Wegen der Tauchbäder. –

11Sie graben die Toten aus. – Weil man an ihren Festtagen lustig ist, denn es heißt: so wird die Hand des Herrn sein über euch und über eure Väter, und Rabba b. Šemuél sagte, dies sei die Ausgrabung der Toten. Der Meister sagte nämlich: Wegen der Sünden der Lebenden werden die Toten ausgegraben.

12Raba sprach zu Rabba b. Mari: Es heißt: nicht werden sie gesammelt noch begraben, als Mist auf dem Acker werden sie dienen, und es heißt: der Tod wird dem Leben vorgezogen werden!? Dieser erwiderte: Für die Frevler ist der Tod besser, damit sie nicht auf dieser Welt leben und durch ihre Sünden ins Fegefeuer kommen.

13Im Buche des Ben Sira steht geschrieben: Ein gutes Weib ist ein gutes Geschenk [für einen Mann], es komme an den Busen des Gottesfürchtigen. Ein böses Weib ist ein Aussatz für seinen Mann. – Was mache man? – Man jage es fort, und man ist von seinem Aussatze geheilt. Ein schönes Weib, heil seinem Manne, die Zahl seiner Tage zählt doppelt.

14Wende deine Augen von einem liebreizenden Weibe, denn du könntest in ihrem: Netze gefangen werden. Verkehre nicht mit ihrem Manne, mit ihm Wein und Met zu trinken, denn viele sind durch das Aussehen eines schönen Weibes zugrunde gegangen; zahlreich sind, die es gemordet hat. Viel sind die Verwundungen des Hausierers, er verleitet zur Schande, wie ein Funken die Kohle zündet. Wie ein Käfig voll Vögel, so ihre Häuser der Falschheit voll.

15Gräme dich nicht über das Unglück von morgen, denn du weißt nicht, was der Tag gebären kann. Vielleicht kommt das Morgen und er ist nicht mehr, und er grämte sich über eine Welt, die nicht sein. Halte die Menge von deinem Hause fern und bringe nicht jeden in dein Haus. Zahlreich mögen deine Freunde sein, ein Geheimnis aber vertraue einem von tausend.

16R. Asi sagte: Der Sohn Davids kommt erst dann, wenn keine Seele mehr im Guph ist, denn es heißt: der Geist wird von mir eingehüllt und die Seelen habe ich erschaffen. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Wenn jemand die Fortpflanzung nicht übt, so ist es ebenso, als würde er Blut vergießen, denn es heißt: wer Blut eines Menschen vergießt, durch Menschen soll sein Blut vergossen werden, und darauf heißt es: ihr aber seid fruchtbar &c.

17R. Ja͑qob sagte: Als würde er die [göttliche] Ähnlichkeit verringern, denn es heißt: denn im Bilde Gottes machte er den Menschen, und darauf heißt es: ihr aber seid fruchtbar &c. Ben A͑zaj sagte: Als würde er Blut vergießen und die [göttliche] Ähnlichkeit verringern.

18Sie sprachen zu Ben A͑zaj: Mancher predigt schön und handelt schön, mancher handelt schön und predigt nicht schön, du aber predigst schön und handelst nicht schön! Ben A͑zaj erwiderte ihnen: Was soll ich tun, wenn meine Seele nach der Tora lüstet; die Welt kann durch andere erhalten werden.

19Ein Anderes lehrt: R. Elie͑zer sagte: Wenn jemand die Fortpflanzung nicht übt, so ist es ebenso, als würde er Blut vergießen, denn es heißt: wer Blut eines Menschen vergießt &c., und darauf folgt: ihr aber seid fruchtbar &c. R. Elea͑zar b. A͑zarja sagte: Als würde er die [göttliche] Ähnlichkeit verringern. Ben A͑zaj sagte &c. Sie sprachen zu Ben A͑zaj: Mancher predigt schön &c.

20Die Rabbanan lehrten: Und wenn sie sich niederließ, sprach er: kehre wieder, o Herr, zu den Myriaden und Tausenden Jisrae͑ls.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.