Jevamot — Blatt 64a

1Dies lehrt, daß die Göttlichkeit auf nicht weniger als zwei Tausend und zwei Myriaden Jisraéliten ruht. Wenn nun einer von zwei Tausend und zwei Myriaden Jisraéliten fehlt, und jemand die Fortpflanzung nicht übt, so verursacht er, daß die Göttlichkeit von Jisraél weicht.

2Abba Ḥanan sagte im Namen R. Elie͑zers: Er verdient den Tod, denn es heißt: und Kinder hatten sie nicht, wenn sie aber Kinder hätten, würden sie nicht gestorben sein. Manche sagen: Er verursacht, daß die Göttlichkeit von Jisraél weicht, denn es heißt: dir ein Gott zu sein und deinen Kindern nach dir; hast du Kinder nach dir, so ruht die Göttlichkeit [auf diesen], hast du keine Kinder nach dir, auf wem sollte sie ruhen, etwa auf Holz und Stein!?

3WENN JEMAND EINE FRAU GENOMMEN HAT UND MIT IHR ZEHN JAHRE BEISAMMEN WAR, OHNE DASS SIE GEBOREN HAT, SO DARF ER ES NIGHT [LÄNGER] UNTERLASSEN. HAT ER SICH VON IHR GESCHIEDEN, SO DARF EIN ANDERER SIE HEIRATEN, UND AUCH DER ANDERE DARF MIT IHR ZEHN JAHRE BEISAMMEN SEIN. HAT SIE ABORTIERT, SO ZÄHLE MAN SEIT DER STUNDE, DA SIE ABORTIERT HAT.

4GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand eine Frau geheiratet und mit ihr zehn Jahre beisammen war, ohne daß sie geboren hat, so entferne er sie und zahle ihr ihre Morgengabe, denn vielleicht ist es ihm nicht beschieden, von ihr behindert zu werden.

5Und obgleich es keinen Beweis dafür gibt, so gibt es immerhin eine Andeutung: nach Verlauf von zehn Jahren seit Abrahams Aufenthalt im Lande Kenaa͑n. Dies lehrt dich, daß ihm der Aufenthalt außerhalb des Landes nicht angerechnet worden war. Daher wird, wenn er krank war, oder sie krank war, oder jemand von ihnen im Gefängnisse eingesperrt war, ihnen diese Zeit nicht angerechnet.

6Raba sprach zu R. Naḥman: Sollte doch von Jiçḥaq gefolgert werden, denn es heißt: Jiçḥaq war vierzig Jahre alt, als er Ribqa nahm, und es heißt: Jiçḥaq war sechzig Jahre alt, als sie geboren wurden!? Dieser erwiderte: Jiçḥaq war unfruchtbar. –

7Wenn deshalb, so war ja auch Abraham unfruchtbar!? – Jener [Schriftvers] ist wegen einer Lehre des R. Ḥija b. Abba nötig, denn R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Die Lebensjahre Jišma͑éls werden deshalb angegeben, um dadurch die Lebensjahre Ja͑qobs festzustellen.

8R. Jiçḥaq sagte: Unser Vater Jiçḥaq war unfruchtbar, denn es heißt: und Jiçḥaq betete zum Herrn gegenüber seine Frau, es heißt nicht: für seine Frau, sondern: gegenüber seiner Frau, und dies lehrt, daß beide unfruchtbar waren. – Wieso heißt es demnach: er ließ sich ihm erbitten, es sollte ja heißen: ließ sich ihnen erbitten!? – Das Gebet eines Frommen, des Sohnes, eines Frommen, gleicht nicht dem Gebete eines Frommen, des Sohnes eines Frevlers.

9R. Jiçḥaq sagte [ferner]: Unsere Vorfahren waren deshalb unfruchtbar, weil der Heilige, gepriesen sei er, nach dem Gebete der Frommen verlangt. R. Jiçḥaq sagte [ferner]: Weshalb wird das Gebet der Frommen mit einer Forke verglichen? Wie die Forke das Getreide von Ort zu Ort wendet, ebenso wendet das Gebet der Frommen die Stimmung des Heiligen, gepriesen sei er, aus der Stimmung des Zornes in die Stimmung der Barmherzigkeit. R. Ami sagte: Abraham und Sara waren geschlechtslos, denn es heißt: schauet auf den Felsen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.