Jevamot — Blatt 64b

1aus dem ihr gehauen seid, auf die Brunnenhöhle, aus der ihr gegraben seid, und darauf folgt: schauet auf Abraham, euren Vater, auf Sara, die euch geboren.

2R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Unsere Mutter Sara war steril, denn es heißt: und Saraj war unfruchtbar, sie hatte kein Kind, sie hatte nicht einmal ein Geburtsorgan.

3R. Jehuda, Sohn des R. Šilath, sagte im Namen Rabhs: Dies gilt nur von den Generationen, die von längerer Lebensdauer waren, bei den späteren Generationen aber, die von kürzerer Lebensdauer sind, zweieinhalb Jahre, drei Schwangerschaften entsprechend. Rabba sagte im Namen R. Naḥmans: Drei Jahre, für drei Gedenkungen. Der Meister sagte nämlich: Am Neujahrstage wurden Sara, Raḥel und Ḥanna bedacht.

4Rabba sprach: All diese Normen gelten nicht. Merke, unsere Mišna ist ja von Rabbi redigiert, und schon zur Zeit Davids war die Lebensdauer gekürzt worden, denn es heißt: unsere Lebensdauer ist siebzig Jahre.

5Wieso heißtes: vielleicht ist es ihm nicht beschieden, von ihr bekindert zu werden, vielleicht ist es ihr nicht beschieden!? – Da sie zur Fortpflanzung nicht verpflichtet ist, wird sie auch nicht gestraft. –

6Dem ist ja aber nicht so, R. Abba b. Zabhda erwiderte ja den Rabbanan, die zu ihm sprachen, daß er eine Frau nehme und Kinder zeuge, wäre es ihm beschieden, würde er solche von seiner ersten [Frau] bekommen haben!? – Er wollte ihnen nur ausweichen, denn R. Abba b. Zabhda war durch die Vorträge R. Honas impotent geworden.

7Ebenso ward R. Ḥelbo impotent durch die Vorträge R. Honas, und ebenso ward R. Šešeth impotent durch die Vorträge R. Honas. R. Aḥa b. Ja͑qob ward von der Dysuriebefallen, und als man ihn an die Schulzeder lehnte, kam es aus ihm wie ein grünes Reis. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Wir waren sechzig Gelehrte, und alle außer mir wurden durch die Vorträge R. Honas impotent. Ich vollbrachte an mir: die Weisheit erhält ihren Eigner.

8HAT ER SICH VON IHR GESCHIEDEN, SO DARF &C. Nur ein anderer, nicht aber ein dritter,

9somit vertritt unsere Mišna die Ansicht Rabbis, denn es wird gelehrt: Wenn sie das erste [Kind] beschnitten hat, und es gestorben ist, das zweite, und es gestorben ist, so beschneide sie das dritte nicht mehr – so Rabbi; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, das dritte beschneide sie, das vierte aber beschneide sie nicht. –

10Es gibt eine Lehre entgegengesetzt; welche ist spätergelehrt worden? –

11Komm und höre: R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Einst ereignete es sich mit vier Schwestern in Sepphoris, daß die eine ihr Kind beschneiden ließ, und es starb, die zweite, und es starb, die dritte, und es starb. Als die vierte zu R.Šimo͑n b. Gamliél kam, sprach er zu ihr: beschneide es nicht. –

12Vielleicht würde er, wenn die dritte zu ihm gekommen wäre, auch ihr dasselbe gesagt haben!? – Welche Bedeutung hätte demnach die Bekundung des R. Ḥija b. Abba. – Vielleicht lehrt er uns damit, daß es auch bei Schwestern eine Feststellung gebe.

13Raba sagte: Da du nun sagst, auch bei Schwestern gebe es eine Feststellung, so nehme niemand eine Frau aus einer Familie von Epileptikern oder einer Familie von Aussätzigen. Jedoch nur dann, wenn es durch dreimalige Wiederholung festgestellt ist.

14Als R. Jiçḥaq b. Joseph kam, erzählte er: Einst kam ein solcher Fall vor R. Joḥanan im Lehrhause zu Mao͑n an einem Versöhnungstage, der auf einen Šabbath fiel. [Eine Frau] hatte ein Kind beschnitten, und es starb, ein zweites, und es starb, und beim dritten kam sie zu ihm. Da sprach er zu ihr: Geh und beschneide es.

15Abajje sprach zu ihm: Siehe, du hast Verbotenes und Lebensgefährliches erlaubt.

16Abajje stützte sich darauf und heiratete die Ḥoma, Tochter des Isi, des Sohnes R. Jiçḥaqs, des Sohnes R. Jehudas, die Rehaba aus Pumbeditha geheiratet hatte und gestorben war, und darauf R. Jiçḥaq, Sohn des Rabba b. Bar Ḥana, geheiratet hatte und ebenfalls gestorben war; nachdem er sie geheiratet, starb er ebenfalls.

17Raba sprach: Wie kann jemand sich selber gegenüber so handeln!? Er selber sagte ja, Abin sei zuverlässig, der rote Jiçḥaq sei unzuverlässig; Abin weiß, wovon er zurücktrat, der rote Jiçḥaq weiß nicht, wovon er zurücktrat. Ferner streiten sie ja nur über die Beschneidung, streiten sie etwa über die Heirat!? –

18Allerdings, denn es wird gelehrt: Wenn sie mit einem verheiratet war, und er gestorben ist, mit einem zweiten, und er gestorben ist, so darf ein dritter sie nicht mehr heiraten – so Rabbi; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, ein dritter dürfe sie heiraten, ein vierter dürfe sie nicht mehr heiraten. –

19Erklärlich ist dies bei der Beschneidung, denn es gibt Familien mit leichtfließendem Blute und es gibt Familien mit festem Blute, weshalb aber bei der Heirat? R. Mordekhaj sprach zu R. Aši: Folgendes sagte Abimi aus Hagronja im Namen R. Honas: die Quelle verursacht es. R. Aši erklärte: Das Faktum verursacht es. –

20Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn er mit ihr verlobt war und gestorben ist. Oder auch, wenn er von einer Dattelpalme abgestürzt und gestorben ist.

21R. Joseph, der Sohn Rabas, sprach zu Raba: Ich fragte R. Joseph, ob die Halakha wie Rabbi sei, und er erwiderte mir: jawohl, ob die Halakha wie R. Gamliél sei, und er erwiderte mir: jawohl. Er machte sich wohl über mich lustig.

22Dieser erwiderte : Nein, es ist eine Offenlassung; er entschied dir hinsichtlich der Heirat und der Geißelung nach Rabbi und hinsichtlich der Periode und des stößigen Ochsennach R. Šimo͑n b. Gamliél.

23Hinsichtlich der Heirat, wie wir eben gesagt haben. Hinsichtlich der Geißelung, denn wir haben gelernt: Wenn jemand einmal und wiederum Geißelhiebe erhalten hat, so sperrt ihn das Gericht in einen Kerker und gibt ihm Gerste zu essen, bis ihm der Bauch platzt. Hinsichtlich der Periode, denn wir haben gelernt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.