Jevamot — Blatt 71b

1[Der Aufschub] reicht von Stunde zu Stunde. –

2Luda lehrte ja aber, der Tag der Genesung gleiche dem Tage der Geburt; doch wohl: wie seit der Geburt nicht von Stunde zu Stunde, ebenso seit der Genesung nicht von Stunde zu Stunde!? –

3Nein, der Tag der Genesung ist mehr als der Tag seiner Geburt; seit dem Tage der Geburt erfolgt es nicht von Stunde zu Stunde, seit dem Tage der Genesung aber erfolgt es von Stunde zu Stunde.

4R. Papa erwiderte: Wenn dem Kinde ein Auge schmerzte und es währenddessen genesen ist.

5Raba erwiderte: Wenn sein Vater und seine Mutter im Gefängnisse eingesperrt waren.

6R. Kahana, Sohn des R. Neḥemja, erwiderte: Wenn [das Kind] geschlechtslos war und währenddessen sich herausgestellt hat, daß es männlich ist.

7R. Šerebja erwiderte: Wenn [das Kind] den Kopf aus dem Eingange hervorgesteckt hatte. –

8Ist es denn dann lebensfähig, es wird ja gelehrt, daß, sobald [das Kind] in die Welt kommt, das Geschlossene geöffnet und das Offene geschlossen werde, da es sonst nicht eine Stunde leben könnte!? –

9In dem Falle, wenn das Fieber es erhalten hat. – Wessen Fieber: wollte man sagen, sein eigenes, so ist ja [ein Aufschub] von sieben Tagen erforderlich!? – Vielmehr, wenn das Fieber der Mutter es erhalten hat. Wenn du aber willst, sage ich: dies nur, wenn es nicht geschrien hat, wenn es aber geschrien hat, lebt es.

10R. Joḥanan sagte im Namen des R. Banaá: Ein Unbeschnittener kann die Besprengung erhalten, denn wir finden, daß auch unsere Vorfahren unbeschnitten die Besprengung erhalten haben. Es heißt: und das Volk kam am zehnten des ersten Monats aus dem Jarden herauf,

11und da sie wegen der Reisemüdigkeit am zehnten nicht beschnitten wurden, so erhielten sie die Besprengung wahrscheinlich, als sie noch unbeschnitten waren. –

12Vielleicht richteten sie das Pesaḥopfer überhaupt nicht her!? – Dies ist nicht anzunehmen, denn es heißt: sie richteten das Pesaḥopfer her.

13Mar Zuṭra wandte ein: Vielleicht war es ein in Unreinheit hergerichtetes Pesaḥopfer!? R. Aši erwiderte ihm: Es wird ausdrücklich gelehrt: Sie wurden beschnitten, tauchten unter und richteten das Pesaḥopfer in Reinheit her.

14Rahba b. Jiçḥaq sagte im Namen Rabhs: Die Bloßlegung bei der Beschneidung ist unserem Vater Abraham nicht geboten worden, denn es heißt: in jener Zeit sprach der Herr zu Jehošua͑: Mache dir scharfe Messer &c. –

15Vielleicht für solche, die noch nicht beschnitten waren, wie es heißt: denn beschnitten war das ganze Volk, das ausgezogen war, aber das Volk, das geboren wurde &c. –

16Wieso hieße es demnach wiederum und nochmals!?

17Dies deutet auf die Bloßlegung, und daß der Abschluß der Beschneidungmit dem Beginne der Beschneidung zu vergleichen ist: wie der Beginn der Beschneidung unerläßlich ist, ebenso ist der Abschluß der Beschneidung unerläßlich. Wir haben nämlich gelernt: Folgende Hautfasern machen die Beschneidung ungültig: das Fleisch, das die Eichel bedeckt; ein solcher darf keine Hebe essen.

18Rabina, manche sagen, R. Jirmeja b. Abba, sagte im Namen Rabhs: Das Fleisch, das den größeren Teil der Eichelhöhe bedeckt.

19Weshalb wurden sie in der Wüste nicht beschnitten? – Wenn du willst, sage ich: wegen der Reisemüdigkeit,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.