Jevamot — Blatt 74b

1Ahrons einander gleichen, ist die Hebe. – Vielleicht Brust und Schenkel!? – Diese sind der Zurückkehrenden verboten!? –

2Ebenso ist ja die Hebe der Entweihten verboten!? – Die Entweihte gehört nicht zu den Nachkommen Ahrons. –

3Woher, daß [die Worte] bis er rein ist den Sonnenuntergang bedeuten, vielleicht die Darbringung des Sühnopfers!? –

4Dies ist nicht einleuchtend, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Die Schrift spricht von einem Flußbehafteten, der zweimal [Fluß] gemerkt hat, und von einem abgeschlossenen Aussätzigen. Gleich dem Leichenunreinen, wie der Leichenunreine keines Sühnopfers benötigt, ebenso diese, wenn sie keines Sühnopfers benötigen. –

5Vielleicht nur solche, die überhaupt kein Sühnopfer darzubringen haben, solche aber, die ein Sühnopfer darzubringen haben, erst wenn sie das Sühnopfer dargebracht haben!?

6Ferner haben wir gelernt: Sobald er untergetaucht und heraufgestiegen ist, darf er vom Zehnten essen, nach Sonnenuntergang darf er Hebe essen, hat er das Sühnopfer dargebracht, darf er Heiliges essen; woher dies?

7Raba erwiderte im Namen R. Ḥisdas: Es sind drei Schriftverse vorhanden. Es heißt: und vom Heiligen nicht essen, sie hätte denn den Leib im Wasser gebadet; wenn gebadet, so ist sie rein. Ferner heißt es: wenn die Sonne untergeht, ist er rein, und hernach esse er vom Heiligen. Ferner heißt es: der Priester schaffe ihr Sühne, und sie sei rein. Wie ist dies zu erklären? Das erste hinsichtlich des Zehnten, das andere hinsichtlich der Hebe und das letzte hinsichtlich des Heiligen. –

8Vielleicht umgekehrt!? – Es ist einleuchtend, daß die Hebe bedeutender ist, denn sie ist mit der Todesstrafe und dem Fünftel belegt, kann nicht ausgelöst werden und ist Gemeinen verboten. –

9Im Gegenteil der Zehnt ist ja bedeutender, denn er benötigt der Stätte und des Sündenbekenntnisses, ist Trauernden und in Unreinheit verboten, und ist fortzuschaffen!? –

10Immerhin ist die Todesstrafe schwerwiegender.

11Raba erwiderte: Auch abgesehen davon, daß die Todesstrafe schwerwiegender ist, kannst du dies nicht sagen, denn die Schrift sagt Person, und der Zehnt ist es, hinsichtlich dessen alle Personen einander gleichen. –

12Aber immerhin nur solche, die des Sühnopfers nicht benötigen, die aber des Sühnopfers benötigen, nur wenn sie das Sühnopfer dargebracht haben!?

13Abajje erwiderte: Hinsichtlich der Wöchnerin sind zwei Schriftverse vorhanden: es heißt: bis die Tage ihrer Reinheit voll sind, sobald die Tage ihrer Reinheit voll sind, ist sie rein, und es heißt: der Priester schaffe ihr Sühne, und sie sei rein; wie ist dies zu erklären? Das erste hinsichtlich der Hebe und das andere hinsichtlich des Heiligen. –

14Vielleicht umgekehrt!? – Es ist einleuchtend, daß das Heilige strenger ist, denn bei diesem gibt es Verwerfliches, Zurückbleibendes, Opferung, Veruntreuung, es ist mit der Ausrottung belegt, und es ist einem Trauernden verboten. –

15Im Gegenteil, die Hebe ist ja strenger, denn sie ist mit der Todesstrafe und mit dem Fünftel belegt, kann nicht ausgelöst werden und ist Gemeinen verboten!? – Jene sind mehr.

16Raba erwiderte: Auch abgesehen davon, daß jene mehr sind, kannst du dies nicht sagen; die Schrift sagt: der Priester schaffe ihr Sühne, und sie sei rein, demnach ist sie bis dahin unrein, und wenn man sagen wollte, dies gelte vom Heiligen, so sollte hierbei gelten: und das Fleisch, das irgend etwas Unreines berührt, darf nicht gegessen werden. Dies gilt somit, wie hieraus zu entnehmen, von der Hebe.

17R. Šiša, Sohn des R. Idi, wandte ein: Wieso kannst du sagen, die Schrift spreche von der Hebe, es wird ja gelehrt: Sprich zu den Kindern Jisraél; ich weiß dies nur von den Kindern Jisraél, woher dies von einer Proselytin und einer freigelassenen Sklavin? Es heißt Weib. Wieso kann man sagen, sie spreche von der Hebe, sind etwa Proselytin und Sklavin Hebe zu essen berechtigt!?

18Raba erwiderte; Etwa nicht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.