Jevamot — Blatt 75a

1es heißt ja: nichts Heiliges darf sie berühren, und dies schließt die Hebe ein. Vielmehr zählt die Schrift diese Dinge nach einander auf. –

2Wozu sind drei Schriftverse hinsichtlich der Hebe nötig? – Sie sind nötig. Würde es nur geheißen haben: bis er rein ist, so würde man nicht gewußt haben, wodurch, daher schrieb der Allbarmherzige: wenn die Sonne untergeht, ist er rein.

3Und würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben: wenn die Sonne untergeht, so könnte man glauben, nur wer des Sühnopfers nicht benötigt, wer aber des Sühnopfers benötigt, nur wenn er das Sühnopfer dargebracht hat, daher schrieb der Allbarmherzige: bis voll sind.

4Und würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben bis voll sind, so könnte man glauben, auch ohne Untertauchen, daher schrieb der Allbarmherzige: bis er rein ist. –

5Wozu sind zwei Schriftverse hinsichtlich des Heiligen nötig nach dem Autor, der gegen den Autor der Schule R. Jišma͑éls streitet und lehrt, die Schrift spreche von einem Flußbehafteten, der dreimal [Fluß] gemerkt hat, und einem entschieden Aussätzigen, und [die Worte] bis er rein ist bedeuten, bis er das Sühnopfer dargebracht hat? –

6Sie sind nötig. Würde der Allbarmherzige es nur von der Wöchnerin geschrieben haben, so könnte man glauben, weil ihre Unreinheit größer ist, nicht aber gelte dies vom Flußbehafteten. Und würde der Allbarmherzige es nur vom Flußbehafteten geschrieben haben, so könnte man glauben, weil [seine Unreinheit] unbegrenzt ist, nicht aber gelte dies von der Wöchnerin. Daher ist beides nötig. –

7Ins Wasser werde es getan und sei unrein bis zum Abend; wozu dies? R. Zera erwiderte: Inbetreff des Berührens.

8Es wird nämlich gelehrt: Und sei unrein; man könnte glauben, in jeder Hinsicht, so heißt es: dann rein. Aus [dem Worte] rein könnte man entnehmen, in jeder. Hinsicht, so heißt es: und sei unrein. Wie ist dies zu erklären? Letzteres hinsichtlich des Zehnten und ersteres hinsichtlich der Hebe. –

9Vielleicht umgekehrt!? – Es ist einleuchtend, daß, wie das Essen der Hebe strenger ist als das Essen des Zehnten, ebenso das Berühren der Hebe strenger ist als das Berühren des Zehnten.

10Wenn du aber willst, sage ich: hinsichtlich des Berührens der Hebe ist es aus folgendem zu entnehmen: Nichts Heiliges darf sie berühren, das Verbot bezieht sich auf das Essen. Du sagst, auf das Essen, vielleicht ist dem nicht so, sondern auf das Berühren?

11Es heißt: nichts Heiliges darf sie berühren und in das Heiligtum soll sie nicht eintreten; er vergleicht das Heilige mit dem Heiligtum, wie beim Heiligtume ein Vergehen, wegen dessen man das Leben verwirkt, ebenso beim Heiligen ein Vergehen, wegen dessen man das Leben verwirkt, und durch das Berühren verwirkt man das Leben nicht.

12Der Ausdruck ‘berühren’ wird hier deshalb gebraucht, um anzudeuten, daß das Berühren dem Essen gleicht.

13DER QUETSCHVERSTÜMMELTE &C. Wer ist der Autor, welcher sagt, an der eine nach der Tora ungültige Beiwohnung vollzogen werden soll, dürfe essen? R. Elea͑zar erwiderte: Hierüber besteht ein Streit, und hier ist die Ansicht R. Elea͑zars und R. Šimo͑ns vertreten.

14R. Joḥanan erwiderte: Du kannst auch sagen, die des R. Meír, denn hierbei ist es anders, da sie bereits gegessen hat.

15R. Elea͑zar aber sagt, der Umstand, daß sie bereits gegessen hat, sei nichtig, denn demnach dürfte eine Jisraélitin, wenn sie mit einem Priester verheiratet war und er gestorben ist, ebenfalls essen, weil sie bereits gegessen hat. –

16Und R. Joḥanan!? – Bei dieser ist die Angehörigkeit geschwunden, bei jener ist die Angehörigkeit nicht geschwunden.

17QUETSCHVERSTÜMMELTER HEISST DERJENIGE. Die Rabbanan lehrten: Quetschverstümmelter heißt derjenige, dessen Hoden zerquetscht sind, selbst eine von ihnen, auch wenn nur durchlöchert, zerrieben oder defekt. R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagte: Ich hörte aus dem Munde der Weisen in der Akademie zu Jabne, wer nur eine Hode hat, sei nichts weiter als Naturkastrat, und er ist tauglich. –

18Naturkastrat, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, er gleicht einem Naturkastraten, und er ist tauglich. –

19Ist denn derjenige, dem [die Hoden] durchlöchert sind, nicht zeugungsfähig, einst ereignete es sich ja, daß jemand auf eine Dattelpalme kletterte

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.