Jevamot — Blatt 76a

1redet ihr gekürzte Worte; aus der richtigen Stelle befruchtet er, aus der unrichtigen Stelle befruchtet er nicht.

2R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: War ein Loch vorhanden, das sich geschlossen hat, so ist er, wenn es beim Samenerguß aufgeht, untauglich, wenn aber nicht, tauglich. Raba wandte ein: Wo, wenn unterhalb der Eichel, so ist er ja [tauglich], auch wenn sie weggeschnitten ist!? – – Vielmehr, an der Eichel seihst. Es wurde auch gelehrt: R. Mari h. Mar sagte im Namen Mar U͑qahas im Namen Šemuéls: Wenn an der Eichel selber ein Loch war, das sich geschlossen hat, so ist er, falls es beim Samenerguß aufgeht, untauglich, wenn aber nicht, tauglich.

3Raba, der Sohn Rabbas, sandte an R. Joseph: Lehre uns der Meister, was man mache. Dieser erwiderte: Man hole warmes Gerstenbrot und lege es ihm auf den Anus; er bekommt dann Samenerguß, und man stelle es fest.

4Abajje sprach: Gleicht denn jeder unserem Vater Ja͑qob, von dem es heißt: meine Kraft und Erstling meiner Stärke, der nie im Leben Samenerguß hatte!?

5Vielmehr, sagte Abajje, führe man ihm farbige Gewänder vor. Raba sprach: Gleicht denn jeder Barzilaj aus Gilea͑d!? – Richtiger ist es vielmehr, wie wir zuerst gesagt haben.

6Die Rabbanan lehrten: Ist er durchlöchert, so ist er untauglich, weil [der Same] fließt; wird [das Loch] geschlossen, so ist er tauglich, weil er zeugungsfähig ist. Dies ist ein Fall, wobei der Untaugliche wieder tauglich wird. – Was schließt [das Wort] ‘dies’ aus? – Dies schließt den Fall aus, wenn an der Lunge über einer Wunde ein Häutchen entstanden ist; dieses gilt nicht als Haut.

7R. Idi b. Abin ließ Abajje fragen, was man [dagegen] mache. Dieser erwiderte: Man ritze [diese Stelle] mit einer Gerste ein und bestreiche sie mit Talg; sodann drücke man eine große Ameise hinein und trenne ihr den Kopf ab. Jedoch nur mit einer Gerste, Eisen aber entzündet. Dies gilt nur von einem kleinen [Loche], ein großes aber geht auf.

8Rabba b. R. Hona sagte: Wer aus zwei Stellen uriniert, ist untauglich. Raba sagte: Die Halakha ist weder wie der Sohn noch wie der Vater. Wie der Sohn, hinsichtlich des eben gesagten; wie der Vater, denn R. Hona sagte, Frauen, die mit einander Tribadie treiben, seien für Priester untauglich.

9Denn selbst nach R. Elea͑zar, welcher sagt, wenn ein Lediger einer Ledigen ohne Absicht der Ehelichung beigewohnt hat, habe er sie zur Hure gemacht, gilt dies nur von einem Manne, bei Frauen [unter einander] aber ist es nichts weiter als eine Zuchtlosigkeit.

10EINEM QUETSCHVERSTÜMMELTEN UND EINEM ERGUSSDURCHSCHNITTENEN SIND DIE PROSELYTIN UND DIE FREIGELASSENE SKLAVIN ERLAUBT; VERBOTEN IST IHNEN NUR IN DIE GEMEINDE ZU KOMMEN, WIE ES HEISST: es komme kein Quetschverstümmelter und kein Ergußdurchschnittener in die Gemeinde des Herrn.

11GEMARA. Sie fragten R. Šešeth: Ist einem quetschverstümmelten oder ergußdurchschnittenen Priester eine Proselytin oder eine freigelassene Sklavin erlaubt: verbleibt er bei seiner Heiligkeit, und sie sind ihm verboten, oder verbleibt er nicht bei seiner Heiligkeit, und sie sind ihm erlaubt?

12R. Šešeth erwiderte ihnen: Ihr habt es gelernt: Einem quetschverstümmelten Jisraéliten ist eine Nethina erlaubt. Wenn man nun sagen wollte, er verbleibe bei seiner Heiligkeit, so sollte doch hierbei gelten: du sollst dich mit ihnen nicht verschwägern!?

13Raba erwiderte: Da wird ja nicht Heiligkeit oder Uneinigkeit berücksichtigt, sondern der Umstand, er könnte [von ihr] einen Sohn zeugen und dieser Götzen anbeten. Dies gilt nur von solchen, die sich in ihrer Nichtjudenheit befinden, die sich aber bekehren, sind erlaubt, und nur die Rabbanan haben dies angeordnet; die Anordnung der Rabbanan gilt für Zeugungsfähige, nicht aber für diesen, der nicht zeugungsfähig ist. –

14Demnach sollte sie einem Hurenkinde verboten sein, der zeugungsfähig ist, und dem widersprechend haben wir gelernt, Hurenkinder und Nethinim dürfen einander heiraten!? – Vielmehr, die Anordnung der Rabbanan gilt nur für Taugliche, nicht aber für Untaugliche.

15Später sagte Raba: Das, was ich gesagt habe, ist nichts; während ihrer Nichtjudenheit gibt es bei ihnen keine Verschwägerung, haben sie sich bekehrt, so gibt es bei ihnen eine Verschwägerung.

16R. Joseph wandte ein: Und Šelomo verschwägerte sich mit dem Pareo͑, dem Könige von Miçrajim, und nahm seine Tochter!? – Sie hatte sich bekehrt. – In den Tagen Davids und den Tagen Šelomos nahm man ja keine Proselyten auf!? – Aus dem Grunde, weil sie auf die königliche Tafel [rechneten],

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.