Jevamot — Blatt 76b

1und diese benötigte ihrer nicht. –

2Sie war ja Miçrith erster Generation!? Wolltest du erwidern, jene seien fort und diese seien andere,

3so wird ja gelehrt: R. Jehuda sagte: Minjamin, ein miçrischer Proselyt, war mein Genosse unter den Schülern R. A͑qibas, und sagte: Ich bin ein Miçri erster Generation und heiratete eine Miçrith erster Generation; ich will meinen Sohn mit einer Miçrith zweiter Generation verheiraten, damit der Sohn meines Sohnes in die Gemeinde kommen dürfe.

4R. Papa erwiderte: Sollten wir uns denn nach Šelomo richten!? Šelomo heiratete sie überhaupt nicht, vielmehr heißt es von ihm: von den Völkern, von denen der Herr zu den Kindern Jisraél gesprochen hat, daß nicht ihr unter sie noch sie unter euch kommen sollen, denn sie würden eure Herzen nach ihren Göttern neigen, an diesen hing Šelomo und liebte sie. – Dem widersprechen ja [die Worte] verschwägerte sich!? –

5Wegen der übermäßigen Liebe, mit der er sie liebte, rechnet ihm dies die Schrift als Verschwägerung an.

6Rabina sprach zu R. Aši: Unsere Mišna lehrt ja aber, einem Quetschverstümmelten und einem Ergußdurchschnittenen seien die Proselytin und die freigelassene Sklavin erlaubt, wonach ihnen eine Nethina verboten ist!?

7Dieser erwiderte: Wie ist nach deiner Auffassung der Schlußsatz zu erklären: verboten ist ihnen nur in die Gemeinde zu kommen; demnach ist ihnen eine Nethina erlaubt!? Hieraus ist somit nichts zu entnehmen.

8DER A͑MMONITER UND DER MOABITER SIND VERBOTEN, UND DAS VERBOT IST EIN EWIGES, IHRE FRAUEN ABER SIND SOFORT ERLAUBT.

9DER MIÇRI UND DER EDOMITER SIND NUR BIS ZUR DRITTEN GENERATION VERBOTEN, SOWOHL MÄNNER ALS AUCH FRAUEN; R. ŠIMO͑N ERLAUBT DIE FRAUEN SOFORT. R. ŠIMO͑N SPRACH: ES IST [EIN SCHLUSS] VOM SCHWEREREN AUF DAS LEICHTERE ZU FOLGERN: WENN BEI SOLCHEN, BEI DENEN HINSICHTLICH DER MÄNNER EIN EWIGES VERBOT BESTEHT, FRAUEN SOFORT ERLAUBT SIND, UM WIEVIEL MEHR SIND BEI SOLCHEN, BEI DENEN MÄNNER NUR BIS ZUR DRITTEN GENERATION VERBOTEN SIND, FRAUEN SOFORT ERLAUBT.

10SIE ERWIDERTEN IHM: IST [DEINE ANSICHT] EINE ÜBERLIEFERTE HALAKHA, SO ERKENNEN WIR SIE AN, WENN ABER EINE SCHLUSSFOLGERUNG, SO GIBT ES EINE WIDERLEGUNG. ER ERWIDERTE IHNEN: NICHT DOCH, ICH SPRECHE EINE ÜBERLIEFERTE HALAKHA.

11GEMARA. Woher dies? R. Joḥanan erwiderte: Es heißt: und als Šaúl David gegen den Pelišti ausziehen sah, sprach er zum Heerführer Abner: wessen Sohn ist der Knabe, Abner? Abner antwortete: So wahr du lebst, o König, ich weiß es nicht. Kannte er ihn denn nicht, es heißt ja: und er liebte ihn sehr, und er ward sein Waffenträger!? Vielmehr, er erkundigte sich nach seinem Vater. –

12Kannte er denn seinen Vater nicht, es heißt ja: und der Mann war in den Tagen Šaúls alt, war unter Menschen gekommen, und Rabh, nach anderen R. Abba, sagte, dies sei Jišaj, der Vater Davids, der mit einem Heere kam und mit einem Heere auszog!? –

13Šaúl fragte folgendes: stammt er von Pereç oder stammt er von Zeraḥ? Stammt er von Pereç, so wird er König, denn der König bricht [poreç] sich einen Weg, ohne daß jemand ihm wehren kann; stammt er aber von Zeraḥ, so wird er nur ein angesehener Mann. –

14Weshalb ließ er sich über ihn erkundigen? – Es heißt: und Šaúl ließ David einen Rock nach seinem Maße anlegen, und von Šaúl heißt es: von seiner Schulter an ragte er über das ganze Volk empor. Doég, der Edomiter, sprach dann zu ihm: Anstatt sich zu erkundigen, ob er für die Königswürde geeignet ist oder nicht, erkundige dich lieber, ob er in die Gemeinde zu kommen geeignet ist oder nicht. – Weshalb nicht? Er stammt von der Moabiterin Ruth.

15Da sprach Abner zu ihm: Es wird gelehrt: A͑mmoniter, nicht aber eine A͑mmoniterin; Moabiter, nicht aber eine Moabiterin. – Demnach [deute man] auch: Hurenkind, nicht aber eine Hurentochter!? – Es heißt Hurenkind, bemakelt. –

16Ein Miçri, nicht aber eine Miçrith!? – Anders ist es bei jenen; die Schrift begründet: weil sie euch nicht mit Brot und Wasser empfangen haben, und nur der Mann pflegt zu empfangen, nicht aber pflegt die Frau zu empfangen. – Es sollten doch Männer die Männer und Frauen die Frauen empfangen haben!? Da schwieg er.

17Und der König sprach: Frage du wessen Sohn der Jüngling ist. Dort nennt er ihn Knabe und hier nennt er ihn Jüngling!? – Er sprach zu ihm wie folgt: dir ist die Halakha entfallen; geh ins Lehrhaus und frage. Als er da fragte, erwiderte man ihm: A͑mmoniter, nicht aber eine A͑mmoniterin; Moabiter, nicht aber eine Moabiterin.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.