Jevamot — Blatt 77a
1[Doég] richtete an sie alle jene Einwände, und sie schwiegen. Hierauf wollte er über ihn eine Bekanntmachung erlassen. Aber: A͑masa war der Sohn eines Mannes namens Jithra der Jisraélit, der gekommen war zu Abigajil, der Tochter des Nahaš, [anderweitig aber] heißt es: Jether der Jišma͑élit; Raba erklärte, dies lehre, daß er wie ein Jišma͑élit sein Schwert umgürtete und sprach: Wer diese Halakha nicht beachtet, wird mit dem Schwerte durchbohrt. Folgendes ist mir vom Gerichtskollegium Šemuéls aus Rama überliefert: A͑mmoniter, nicht aber eine A͑mmoniterin; Moabiter, nicht aber eine Moabiterin. –
2War er denn glaubwürdig, R. Abba sagte ja im Namen Rabhs, daß, wenn ein Gelehrter eine Halakha lehrt und der Fall eintritt, man auf ihn höre, falls er sie vor Eintritt des Falles lehrte, wenn aber nicht, man auf ihn nicht höre!? – Anders war es da, wo Šemuél und sein Gerichtskollegium noch bestanden. –
3Immerhin besteht ja ein Einwand!? – Hier erwiderten sie: Ganz Herrlichkeit weilt die Königstochter drinnen. Im Westen erwiderten sie, und manche sagen es im Namen R. Jiçḥaqs: Die Schrift sagt: und sie sprachen zu ihm: wo ist deine Frau Sara&c.
4Hierüber streiten auch Tannaím: A͑mmoniter, nicht aber eine A͑mmoniterin; Moabiter, nicht aber eine Moabiterin – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagte: Weil sie euch nicht mit Brot und Wasser empfangen haben, und nur ein Mann pflegt zu empfangen &c.
5Raba trug vor: Es heißt: du hast meine Bande gelöst; David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, zwei Bande, die an mir waren, hast du gelöst: die Moabiterin Ruth und die A͑mmoniterin Noa͑ma.
6Raba trug vor: Es heißt: viel hast du getan, du mein Herr und Gott, deiner Wundertaten und deiner Absichten für uns. Es heißt nicht: für mich, sondern: für uns; dies lehrt, daß Reḥabea͑m auf dem Schoße Davids saß und dieser zu ihm sprach: meinetwegen und deinetwegen sind jene zwei Schriftverse gesprochen worden.
7Raba trug vor: Es heißt: da sprach ich: siehe, ich komme, in der Buchrolle ist über mich geschrieben. David sprach: ich glaubte, erst jetzt [zur Königswürde] gekommen zu sein, und wußte nicht, daß es in der Buchrolle über mich geschrieben ist. Da heißt es: die sich einfinden, und dort heißt es: ich habe meinen Knecht David gefunden, ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.
8U͑la sagte im Namen R. Joḥanans: Die Tochter eines a͑mmonitischen Proselyten ist für Priester tauglich. Raba b. U͑la sprach zu U͑la: Nach wessen Ansicht: wenn nach R. Jehuda, so sagt er ja, die Tochter eines männlichen Proselyten gleiche der Tochter eines männlichen Entweihten, und wenn nach R. Jose, so ist es ja selbstverständlich, denn er sagt, auch wenn ein Proselyt eine Proselytin geheiratet hat, sei seine Tochter für Priester tauglich!?
9Wolltest du erwidern, nur solche, die in die Gemeinde kommen dürfen, nicht aber dieser, der in die Gemeinde nicht kommen darf, – woher dies? –
10doch wohl vom Hochpriester mit einer Witwe zu folgern. [Entgegnet man:] wohl gilt dies vom Hochpriester mit einer Witwe, bei dem die Beiwohnung eine sündhafte ist,
11so beweist der Entweihte [das Entgegengesetzte. Entgegnet man:] wohl gilt dies vom Entweihten, dessen Erschaffung durch eine Sünde erfolgt ist,
12so beweist der Hochpriester [das Entgegengesetzte]. Die Replikation wiederholt sich nun.
13Die Eigenheit des einen gleicht nicht der des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß keiner der Mehrheit der Gemeinde gleicht, und seine Tochter ist untauglich, ebenso gleicht jener nicht der Mehrheit der Gemeinde, und seine Tochter ist untauglich.
14Aber das Gemeinsame bei ihnen ist ja auch, daß bei ihnen eine Sünde vorliegt!?
15Vielleicht meinst du einen A͑mmoniter, der die Tochter eines Jisraéliten geheiratet hat; obgleich seine Beiwohnung eine sündhafte war, ist seine Tochter tauglich. Dieser erwiderte: Jawohl,
16denn als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Die Tochter eines a͑mmonitischen Proselyten und die Tochter eines Miçri zweiter Generation ist, wie R. Joḥanan sagt, tauglich, und wie Reš Laqiš sagt, untauglich. Reš Laqiš sagt, sie sei untauglich, denn er folgert vom Hochpriester mit einer Witwe; R. Joḥanan sagt, sie sei tauglich,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.