Jevamot — Blatt 86b

1Dem Priester und nicht dem Leviten!? – Lies auch dem Priester. – Was ist der Grund R. A͑qibas? Es heißt: zu den Leviten aber sollst du reden und ihnen sagen; die Schrift spricht von den Leviten. – Und jener!? – Nach R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: An vierundzwanzig Stellen werden die Priester Leviten genannt, und folgendes ist eine von ihnen: die levitischen Priester, die Söhne Çadoqs. –

2Und R. A͑qiba!? – Hierbei kannst du dies nicht sagen; es heißt: ihr dürft es an jedem Orte essen, nur wer es an jedem Orte essen darf, ausgenommen ein Priester, der es auf einem Begräbnisplatze nicht essen darf. – Und jener!? Wo er dies wünscht, da hierbei die Stadtmauer nicht erforderlich ist, und wenn er es bei Unreinheit des Körpers gegessen hat, erhält er keine Geißelhiebe.

3Einst nahm R. Elea͑zar b. A͑zarjaden ersten Zehnten von einem Garten. Da ging R. A͑qiba und verlegte die Tür nach einem Begräbnisplatze. Hierauf sprach jener: A͑qiba mit seinem Handsack, und ich soll leben!?

4Es wurde gelehrt: Weshalb maßregelten sie die Leviten mit dem Zehnten? Hierüber streiten R. Jonathan und Sabja, einer sagt, weil sie zur Zeit E͑zras nicht mit hinaufzogen, und einer sagt, damit die Priester eine Stütze für die Tage ihrer Unreinheit haben. –

5Einleuchtend ist es, daß man sie gemaßregelt hat, nach demjenigen, welcher sagt, weil sie nicht hinaufzogen, wieso aber hat man, nach demjenigen, welcher sagt, damit die Priester eine Stütze für die Tage ihrer Unreinheit haben, wegen der Priester die Leviten gemaßregelt!? – Vielmehr, alle sind der Ansicht, es sei eine Maßregelung, weil sie in den Tagen E͑zras nicht hinaufzogen, und ihr Streit besteht in folgendem: einer ist der Ansicht, die Maßregelung komme den Armen [zugute], und einer ist der Ansicht, die Priester seien in den Tagen ihrer Unreinheit ebenfalls Arme. –

6Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, die Maßregelung komme den Armen [zugute], daß R. A͑qiba die Tür nach einem Begräbnisplatze verlegte, weshalb aber verlegte er die Tür nach einem Begräbnisplatze nach demjenigen, welcher sagt, den Priestern!? – Er sprach zu ihm wie folgt: verlangst du es wegen der Maßregelung, so steht es dir zu, wenn aber als Anteil, so steht es dir nicht zu.

7Woher, daß sie in den Tagen E͑zras nicht hinaufzogen? – Es heißt: ich versammelte sie an dem Strome, der nach Ahava fließt, und wir lagerten dort drei Tage, und ich sah mich um unter dem Volke und den Priestern und fand dort keinen von den Söhnen Levis. R. Ḥisda sagte: Früher stellte man Beamte nur aus den Leviten an, wie es heißt: und Beamte sind von den Leviten bei euch, jetzt aber stelle man Beamte nur aus den Jisraéliten an, denn es heißt: Beamte [aus der] Mehrheit an eurer Spitze.

8WENN DIE TOCHTER EINES JISRAÉLITEN SICH MIT EINEM PRIESTER VERHEIRATET, SO DARF SIE HEBE ESSEN; STIRBT ER UND HAT SIE VON IHM EIN KIND, SO DARF SIE HEBE ESSEN; VERHEIRATET SIE SICH DARAUF MIT EINEM LEVITEN, SO DARF SIE DEN ZEHNTEN ESSEN; STIRBT ER UND HAT SIE VON IHM EIN KIND, SO DARF SIE DEN ZEHNTEN ESSEN; VERHEIRATET SIE SICH DARAUF MIT EINEM JISRAÉLITEN, SO DARF SIE WEDER HEBE NOCH DEN ZEHNTEN ESSEN; STIRBT ER UND HAT SIE VON IHM EIN KIND, SO DARF SIE WEDER HEBE NOCH DEN ZEHNTEN ESSEN.

9STIRBT IHR KIND VOM JISRAÉLITEN, SO DARF SIE DEN ZEHNTEN ESSEN; STIRBT IHR KIND VOM LEVITEN, SO DARF SIE HEBE ESSEN; STIRBT IHR KIND VOM PRIESTER, SO DARF SIE WEDER HEBE NOCH DEN ZEHNTEN ESSEN.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.