Jevamot — Blatt 98a
1nur schuldig sind sie nicht, ein Verbot aber liegt vor!? – Tatsächlich liegt auch kein Verbot vor, da er aber im Schlußsatze lehren will, sie seien schuldig, lehrt er entsprechend im Anfangsatze, sie seien nicht schuldig.
2Raba sagte: Das, was die Rabbanan gesagt haben, ein Nichtjude habe keinen Vater, begründe man nicht, weil sie in Unzucht versunken sind, und man es nicht weiß, wenn man es aber weiß, berücksichtige man dies, vielmehr berücksichtige man dies nicht, auch wenn man es weiß.
3Zwei Zwillingsbrüder kommen ja von einem Tropfen, der geteilt worden ist, dennoch lehrt er im Schlußsatze, daß sie die Ḥaliça und die Schwagerehe nicht zu vollziehen haben. Schließe hieraus, daß der Allbarmherzige ihren Samen als frei erklärt hat, wie es heißt: deren Fleisch dem Fleische des Esels gleicht, und ihr Samenerguß dem eines Pferdes.
4Komm und höre: R. Jose erzählte. Der Proselyt Niphates heiratete die Frau seines Bruders mütterlicherseits, und als die Sache vor die Weisen kam, sagten sie, bei Proselyten gebe es keine Ehelichung. – Demnach ist, wenn ein Proselyt sich eine Frau antraut, die Antrauung ungültig!? – Sage vielmehr, bei Proselyten hat das Verbot der Frau seines Bruders keine Geltung. Wahrscheinlich hatte sie sein Bruder als Proselyt geheiratet!? –
5Nein, er hatte sie als Nichtjude geheiratete. – Wenn als Nichtjude, wozu braucht dies gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, beim Zustande als Nichtjude berücksichtige man den Zustand als Proselyt, so lehrt er uns. –
6Komm und höre: Ben Jasjan erzählte. Als ich in den Seestädten reiste, traf ich einen Proselyten, der die Frau seines Bruders mütterlicherseits geheiratet hatte. Ich sprach zu ihm: Mein Sohn, wer hat es dir erlaubt? Dieser erwiderte mir: Da ist eine Frau mit ihren sieben Kindern. Auf dieser Bank saß R. A͑qiba und lehrte zwei Dinge: Ein Proselyt darf die Frau seines Bruders mütterlicherseits heiraten. Ferner sagte er: Das Wort des Herrn erging an Jona zum zweiten Male also; zum zweiten Male sprach die Göttlichkeit mit ihm, ein drittes Mal sprach die Göttlichkeit mit ihm nicht mehr. Hier wird gelehrt, ein Proselyt dürfe die Frau seines Bruders mütterlicherseits heiraten; doch wohl, die sein Bruder als Proselyt heiratete!? –
7Nein, die er als Nichtjude heiratete. – Wozu braucht dies gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, beim Zustande als Nichtjude berücksichtige man den Zustand als Proselyt, so lehrt er uns. –
8War er denn glaubhaft, R. Abba sagte ja im Namen R. Honas im Namen Rabhs, daß, wenn ein Schriftgelehrter eine Halakha lehrt, und der Fall eintritt, man auf ihn, falls er sie vor Eintritt des Falles lehrte, höre, falls aber nicht, nicht höre!? – Wenn du willst, sage ich: er lehrte es vorher.
9Wenn du willst, sage ich: er berief sich ja auf die Fraumit ihren sieben Kindern. Wenn du aber willst, sage ich: anderes war es da, wo er noch etwas anderesberichtete.
10Der Meister sagte: Das Wort des Herrn erging an Jona zum zweiten Male also; zum zweiten Male sprach die Göttlichkeit mit ihm, ein drittes Mal sprach sie mit ihm nicht mehr. Es heißt ja aber: er stellte wieder her die Grenze Jisraéls, von der Gegend um Ḥamath bis an das Steppenmeer, nach dem Worte des Herrn, des Gottes Jisraéls, das er durch seinen Knecht, den Propheten Jona, den Sohn Amitajs, gesprochen hatte!?
11Rabina erwiderte: Er meint, über die Angelegenheit von Ninve. R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies ist wie folgt zu verstehen: nach dem Worte des Herrn &c. das er durch seinen Knecht, den Propheten &c. gesprochen hatte; wie es sich für Ninve Vom Schlechten zum Guten verwandelte, so verwandelte es sich für Jisraél in den Tagen Jerobea͑ms, des Sohnes Joaš, vom Schlechten zum Guten.
12Komm und höre: Bei einem Proselyten, dessen Geburt in Heiligkeit und dessen Schwangerschaft nicht in Heiligkeit erfolgt ist, gibt es eine Blutsverwandtschaft mütterlicherseits und. nicht väterlicherseits. Und zwar: heiratete er seine Schwester mütterlicherseits, so entferne er sie, väterlicherseits, so behalte er sie; wenn die Schwester des Vaters mütterlicherseits, so entferne er sie,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.