Joma — Blatt 10a

1obgleich Gott Jephet Schönheit verschaffte, dennoch weilt die Göttlichkeit nur in den Zelten Šems.

2Woher, daß die Perser von Jephet abstammen? — Es heißt: die Söhne Jephets waren Gomer, Magog, Madaj, Javan, Tubal, Mešekh und Tiras. Gomer ist Carmania; Magog ist Kitaj; Madaj, wie dies der Namebesagt; Javanist Mazedonien; Tubal ist Bithynien; Mešekh ist Mysien. Über Tiras streiten R. Simaj und die Rabbanan, wie manche sagen, R. Šimo͑n und die Rabbanan; nach der einen Ansicht ist es die Türkei und nach der anderen Ansicht ist es Persien. R. Joseph erklärte, Tiras sei Persien.

3Sabhta, Ra͑ma und Sabhtekha. R. Joseph erklärte: Das innere Skythien und das vordere Skythien. Zwischen dem einen und dem anderen sind es hundert Parasangen, und ihr Umfang beträgt tausend Parasangen.

4Seine Herrschaft erstreckte sich anfangs auf Babel, Erekh, Akad und Kalna, Babel, wie dies der Name besagt; Erekh ist Arecca, Akad ist Baškar, Kalna ist Nepher Nymphe.

5Von diesem Lande zog er aus nach Ašur; R. Joseph erklärte, Ašur sei Seleukia. Er baute Ninve, Reḥobot-i͑r und Kalaḥ. Ninve, wie dies der Name besagt; Reḥoboth-i͑r ist der Euphrat bei Mesan; Kalaḥ ist der Euphrath bei Borsippa. Und Resen zwischen Ninve und Kalaḥ, das ist die große Stadt. Resen ist Ktesyphon. Das ist die große Stadt; man würde nicht gewußt haben, ob Ninve oder Resen die große Stadt sei, wenn es aber heißt: Ninve aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen lang, so sage man, Ninve sei die große Stadt.

6Dort befanden sich Aḥiman, Šešaj und Talmaj, die Sprößlinge des A͑naq. Es wird gelehrt: Aḥiman, der vorzüglichste unter den Brüdern; Šešaj, der die Erde zur Ruine machte; Talmaj, der die Erde wie Beetemachte. (Eine andere Erklärung:) Aḥiman erbaute A͑nath, Šešaj erbaute Aluš und Talmaj erbaute Talbuš. Die Sprößlinge des A͑naq, sie ragten in ihrer Höhe zur Sonne.

7R. Jehošua͑ b. Levi sagte im Namen Rabbis: Dereinst wird Rom in die Hände Persiens fallen, denn es beißt: darum höret den Beschluß des Herrn, den er über Edom gefaßt hat, seine Gedanken, die er über die Bewohner Teman’s hegt: ob sie fortschleppen werden die geringsten der Schafe, ob sich nicht entsetzen wird über sie ihre Wohnung.

8Rabba b. U͑la wandte ein: Wieso ist es erwiesen, daß unter ‘geringste der Schafe’ Persien zu verstehen sei? — Es heißt: der Widder, den du sahst, der mit den Hörnern, bedeutet die Könige von Medien und Persien. — Vielleicht Griechenland, denn es heißt: und der zottige Ziegenbock bedeutet den König von Griechenland!? —

9Als R. Ḥabiba b. Surmaqi kam, fragte es ihn ein Jünger, und er erwiderte: Der keinen Schriftvers erklären kann, richtet Einwände (gegen Rabbi)! Unter ‘geringste der Schafe’ ist der jüngste unter den Brüdern zu verstehen, und R. Joseph lehrte, Tiras sei Persien.

10Rabba b.Bar Ḥana sagte im Namen Joḥanans im Namen des Jehuda b.R. Elea͑j: Dereinst wird Rom in die Hände Persiens fallen; dies ist durch [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: den ersten Tempel haben die Sprößlinge Šems erbaut und die Kasdim zerstört, und die Kasdim fielen in die Hände der Perser, um wieviel mehr werden, wo den zweiten Tempel die Perser erbaut und die Römer zerstört haben, die Römer in die Hände der Perser fallen.

11Rabh sagte: Dereinst wird Persien in die Hände Roms fallen. Da sprachen R. Kahana und R. Asi zu ihm: Die Erbauer [des Tempels] in die Hände der Zerstörer!? Dieser erwiderte: Allerdings; es ist ein Beschluß des Königs. Manche sagen, er habe ihnen erwidert: Auch diese zerstören die Bethäuser.

12Ebenso wird auch gelehrt: Dereinst wird Persien in die Hände Roms fallen; erstens, weil sie die Bethäuser zerstören, und zweitens ist es ein Beschluß des Königs, daß die Erbauer [des Tempels] in die Hände der Zerstörer fallen sollen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Der Sohn Davids wird nicht eher kommen, als bis die ruchlose Regierung neun Monate lang sich über die ganze Welt ausdehnen wird, denn es heißt: er wird sie eine Zeit lassen, wie die Gebärende gebiert, und seine übrigen Brüder werden zu den Kindern Jisraél zurückkehren.

13Die Rabbanan lehrten: Alle Hallen, die im Tempel waren, hatten keine Mezuza, ausgenommen die Beamtenhalle, weil sie einen Wohnraum für den Hochpriester hatte.

14R. Jehuda sprach: Im Tempel waren ja viele Hallen, die Wohnräume hatten, dennoch hatten sie keine Mezuza!? Vielmehr war dies bei der Beamtenhalle eine besondere Bestimmung. —

15Was ist der Grund R. Jehudas? Raba erwiderte: R. Jehuda ist der Ansicht, ein Haus, das nicht für den Sommer und für die Regenzeit bestimmt ist, heiße nicht Haus. Abajje wandte gegen ihn ein: Es heißt ja: ich will das Winterhaus samt dem Sommerhause zerschlagen!? Dieser erwiderte: Solche heißen Winterhaus oder Sommerhaus, nicht aber schlechthin Haus.

16Abajje wandte gegen ihn ein: Die Festhütte am Hüttenfeste macht nach R. Jehuda zehntpflichtig und nach den Weisen nicht. Hierzu wird gelehrt, eine solche sei nach R. Jehuda zum E͑rub und zur Mezuza pflichtig und mache pflichtig zum Zehnten.

17Wolltest Du sagen, nur rabbanitisch, so kann dies allerdings bezüglich des E͑rubs und der Mezuza rabbanitisch sein, wieso aber kann es bezüglich des Zehnten rabbanitisch sein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.