Joma — Blatt 22b
1oder außer der Elle des Fundamentes, und der Elle des Simses? – Dies bleibt unentschieden.
2WAREN ZWEI GLEICH [WEIT], SO SPRACH DER BEAMTE ZU IHNEN: DIE FINGER HOCH &C. Es wird gelehrt: Streckt eure Finger zum Zählen vor. – Sollte er sie selber zählen!? Dies ist eine Stütze für R. Jiçḥaq, denn R. Jiçḥaq sagte, man dürfe Jisraél nicht zählen, auch nicht zu gottgefälligem Zwecke, denn es heißt: er zählte sie durch Scherben [Bezeq].
3R. Aši wandte ein: Woher, daß Bezeq Scherbenstreuen heiße, vielleicht ist es Ortsname, wie es heißt: da stießen sie auf Adoni-Bezeq [in Bezeq]!? – Vielmehr hieraus: da bot Šaúl das Volk auf, und er zählte sie durch Schafe.
4R. Elea͑zar sagte: Wer Jisraél zählt, übertritt ein Verbot, denn es heißt: es soll die Zahl Jisraéls dem Sande des Meeres gleich werden, es soll nicht gemessen und nicht gezählt werden. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte, er übertrete zwei Verbote, denn es heißt: es soll nicht gemessen und nicht gezählt werden.
5R. Šemuél b.Naḥmani sagte: R. Jonathan wies auf einen Widerspruch hin; es heißt: es soll die Zahl Jisraéls dem Sande des Meeres gleichen, und es heißt: es soll nicht gemessen und nicht gezählt werden!?
6Das ist kein Widerspruch; dies, wenn Jisraél den Willen Gottes tut, und jenes, wenn es nicht den Willen Gottes tut, Rabbi erklärte im Namen des Abba Jose b. Dostaj: Das ist kein Widerspruch; dies durch Menschen und jenes durch den Himmel.
7R. Nehilaj b. Idi sagte im Namen Šemuéls: Sobald jemand zum Verwalter über die Gemeinde gesetzt wird, wird er reich; anfangs, heißt es, zählte er sie durch Scherben, später aber durch Lämmer. – Vielleicht waren es ihre!? – Demnach wäre dies ja keine Großtat.
8Er stritt am Tale, R. Mani erklärte, wegen der Angelegenheit dea Tales. Als nämlich der Heilige, gepriesen sei er, zu Šaúl sprach: Geh und schlage A͑meleq, erwiderte er: Wenn die Tora wegen einer Seele gesagt hat, daß man ein das Genick zu brechendes Kalb bringe, um wieviel mehr wegen all dieser Seelen!
9Und was hat, wenn ein Mensch gesündigt, das Vieh verschuldet!? Und was haben, wenn die Großen gesündigt, die Kleinen verschuldet!? Darauf ertönte eine Hallstimme und sprach: Sei nicht allzu gerecht. Als aber Šaúl zu Doég sprach: Tritt da hin und stoße die Priester nieder, ertönte eine Hallstimme und sprach: Frevle nicht allzu sehr.
10R. Hona sagte: Wie wenig fühlt und merkt ein Mensch, wenn der Herr ihm hilft. Šaúl [fehlte] einmal, und es wurde ihm angerechnet, David [fehlte] zweimal, und es wurde ihm nicht angerechnet. – Wieso Šaúl einmal? – Beim Ereignis mit Agag. – Es gibt ja noch das Ereignis mit der Priesterstadt Nob!? – [Nur] beim Ereignisse mit Agag heißt es: es reut mich, daß ich Šau͑l zum Könige gemacht habe. –
11Wieso David zweimal? – [Beim Ereignis mit] Urija und bei der Anstiftung. –
12Es gibt ja noch das Ereignis mit der Bath Šeba͑!? – Wegen dieser wurde er auch bestraft, wie es heißt: und das Lamm soll er vierfach bezahlen: das Kind, Amnon, Tamar und Abšalom. –
13Auch wegen jenes Ereignisses wurde er ja bestraft, wie es heißt: da verhängte der Herr eine Pest über das Volk vom Morgen bis zur bestimmten Zeit!? – Da wurde er selbst nicht bestraft. –
14Auch hierbei wurde ja nicht er selber bestraft!? – Freilich wurde er selbst bestraft, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Sechs Monate war David aussätzig; das Synedrium zog sich von ihm zurück und die Göttlichkeit wich von ihm, denn es heißt: zu mir mögen zurückkehren, die dich fürchten, die deine Zeugnisse kennen; ferner heißt es: gib mir die Freude deiner Hilfe zurück. –
15Rabh sagte ja aber, David habe auch Verleumdung angehört!? – Nach Šemuél, welcher sagt, David habe keine Verleumdung angehört.
16Und nach Rabh, welcher sagt, David habe Verleumdung angehört, wurde er auch bestraft, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als David zu Mephibošeth sprach: Ich habe bestimmt, daß du und Çiba das Feld teilen sollen, ertönte eine Hallstimme und sprach: Reḥabea͑m und Jerobea͑m sollen das Königreich teilen.
17Ein Jahr war Šaúl alt, als er König wurde. R. Hona erklärte: Wie ein ein Jahr altes Kind, das den Geschmack der Sünde noch nicht gekostet hat.
18R. Naḥman b. Jiçḥaq wandte ein: Vielleicht wie ein ein Jahr altes Kind, das mit Dreck und Kot beschmutzt ist!? Als man darauf R. Naḥman beängstigende Vorstellungen im Traume sehen ließ, sprach er: Ich unterwerfe mich euch, Gebeine Šaúls, des Sohnes Qiš. Nachdem man ihn aber abermals beängstigende Vorstellungen im Traume sehen ließ, sprach er: Ich unterwerfe mich euch, Gebeine Šaúls, des Sohnes Qiš, des Königs von Jisraél.
19R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Das Šaúlsche Königshaus hatte deshalb keine lange Dauer, weil es ganz ohne Makel war. R. Joḥanan sagte nämlich im Namen des R. Šimo͑n b.Jehoçadaq: Man setze zum Verwalter über die Gemeinde nur den ein, dem hinten ein Korb mit Kriechtieren nachhängt, damit man, wenn er übermütig wird, sagen könne: Tritt zurück.
20R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Šaúl wurde deshalb bestraft, weil er auf die ihm gebührende Ehrung verzichtet hatte, denn es heißt: einige nichtswürdige Leute aber sagten: Was kann uns der helfen? und verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk; er aber war wie ein Schweigender, und darauf folgt: da zog Naḥaš der A͑mmoniter heran und belagerte Jabeš in Gilea͑d &c.
21Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R.Šimo͑n b.Jehoçadaq: Ein Schriftgelehrter,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.