Joma — Blatt 37a

1Woher, daß [das Sündenbekenntnis] mit ‘Ach’ [beginne]? – Hierbei wird [der Ausdruck] Sühne gebraucht und dort, beim Ḥoreb, wird [der Ausdruck] Sühne ebenfalls gebraucht, wie es dort mit ‘Ach’ [begann], ebenso muß es auch hierbei mit ‘Ach’ [beginnen]. – Woher, daß dabei der Gottesname genannt werde? – Hierbei wird [der Ausdruck] Sühne gebraucht und beim genickbrochenen Kalbe wird [der Ausdruck] Sühne gebraucht, wie dort mit dem Gottesnamen, ebenso hierbei mit dem Gottesnamen.

2Abajje sprach: Allerdings ist vom genickbrochenen Kalbe nicht auf das [Ereignis am Berge] Ḥoreb zu folgern, da es bereits geschehen ist, aber vom [Ereignis am Berge] Ḥoreb sollte doch auf das genickbrochene Kalb gefolgert werden!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so haben wir ja gelernt: Die Priester sprachen: Vergib deinem Volke Jisraél. Sie sagten aber nicht ‘ach’!? – Das ist ein Einwand.

3SIE STIMMTEN NACH IHM EIN. Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Wenn ich den Namen des Herrn rufe, so gebet Ehre unserem Gotte. Moše sprach nämlich zu Jisraél: Wenn ich den Namen des Heiligen, gepriesen sei er, erwähne, so gebet ihr seinem Namen Ehre. Ḥananja, der Bruderssohn R. Jehošua͑s, sagte: Das Gedächtnis des Gerechten bleibt zum Segen; der Prophet sprach nämlich zu Jisraél: Wenn ich den Namen des Weltgerechten erwähne, so gebet ihr ihm Segen.

4SODANN GING ER NACH DER OSTSEITE DES VORHOFES, NÖRDLICH VOM ALTARE, DER PRIESTERPRÄSES ZU SEINER RECHTEN UND DER OBMANN DER FAMILIENWACHE ZU SEINER LINKEN. DA BEFANDEN SICH DIE BEIDEN ZIEGENBÖCKE, AUCH WAR DA EINE URNE MIT ZWEI LOSTÄFELCHEN AUS BUCHSBAUMHOLZ. JEHOŠUA B.GAMLA MACHTE SIE AUS GOLD, UND MAN GEDACHTE SEINER ZUM LOBE.

5BEN QAṬIN BRACHTE ZWÖLF HÄHNE AN DAS WASCHBECKEN AN, DAS NUR ZWEI HATTE; ER MACHTE AUCH EINE VORRICHTUNG AN DAS WASCHBECKEN, DASS SEIN WASSER NICHT DURCH DAS ÜBERNACHTEN UNTAUGLICH WERDE. DER

6KÖNIG MONOBAZ MACHTE DIE GRIFFE ALLER GERÄTE DES VERSÖHNUNGSTAGES AUS GOLD. SEINE MUTTER HELENE MACHTE EINE GOLDENE LAMPE AN DIE TÜR DES TEMPELS; AUCH MACHTE SIE EINE GOLDENE TAFEL, AUF DER DER ABSCHNITT VOR DER EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN GESCHRIEBEN WAR. MIT DEN TÜREN DES NIKANOR GESCHAHEN WUNDER, UND MAN GEDACHTE SEINER ZUM LOBE.

7GEMARA. Wenn es ‘nördlich vom Altar’ heißt, so ist ja zu entnehmen, daß der Altar nicht in der Nordseite gestanden hat, also nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob, denn es wird gelehrt: Nördlich vor dem Herrn, die ganze Nordseite muß frei sein – so R. Elie͑zer b.Ja͑qob.

8Der Anfang [dieser Lehre] ist ja aber nach R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n!? – Das Ganze ist nach R. Elie͑zer b.Ja͑qob, nur lese man dort: ungefähr zwischen der Vorhalle und dem Altar.

9DER PRIESTERPRÄSES AN SEINER RECHTEN UND DER OBMANN DER FAMILIENWACHE AN SEINER LINKEN. R. Jehuda sagte: Wer zur Rechten seines Lehrers geht, ist ungesittet. – Es wird gelehrt: Der Priesterpräses zu seiner Rechten und der Obmann der Familienwache zu seiner Linken!?

10Ferner wird gelehrt: Wenn drei auf dem Wege gehen, so gehe der Lehrer in der Mitte, der größere zu seiner Rechten und der kleinere zu seiner Linken. So finden wir es auch bei den Dienstengeln, die zu Abraham kamen: Mikhaél in der Mitte, Gabriél zu seiner Rechten und Raphaél zu seiner Linken!?

11R. Šemuél b.Papa erklärte vor R. Ada: Nur so, daß der Lehrer durch ihn verstellt wird. – Es wird ja aber gelehrt, wer parallel mit seinem Lehrer geht, sei ungesittet, und wer hinter seinem Lehrer, sei großtuerisch!? – Ein wenig seitwärts.

12EINE URNE MIT ZWEI LOSTÄFELGHEN. Die Rabbanan lehrten: Ahron soll über die beiden Böcke Lose werfen; Lose, woraus sie auch sind.

13Man könnte glauben, zwei über den einen und zwei über den anderen, so heißt es: ein Los für den Herrn und ein Los für A͑zazel; nur ein Los für Gott und nur ein Los für A͑zazel. Man könnte glauben, er werfe [das Los] für Gott und [das Los] für A͑zazel über den einen und [das Los] für Gott und [das Los] für A͑zazel über den anderen, so heißt es: ein Los. Weshalb heißt es demnach: Lose? Sie müssen beide egal sein; man darf nicht eines aus Gold und das andere aus Silber oder eines groß und das andere klein machen. –

14«Lose, woraus sie auch sind». Selbstverständlich!? – Dies ist wegen der folgenden Lehre nötig: Wir finden, daß das Stirnblatt, auf dem der Gottesname geschrieben war, aus Gold war, somit könnte man glauben, daß auch diese [aus Gold] sein müssen, so heißt es zweimal Los, einschließend; es schließt Olivenholz ein, es schließt Nußbaumholz ein und es schließt Buchsbaumholz ein.

15BEN QAṬIN BRACHTE ZWÖLF HÄHNE AN DAS WASCHBECKEN &C. Es wird gelehrt: Damit zwölf seiner Priesterbrüder, die sich mit dem beständigen Opfer befassen, gleichzeitig Hände und Füße waschen können. Es wird gelehrt: Morgens, als [das Waschbecken] voll war, wusch er Hände und Füße aus dem oberen [Hahn], abends, als [das Wasser] niedrig stand, wusch er Hände und Füße aus dem unteren.

16ER MACHTE AUCH EINE VORRICHTUNG AN DAS WASCHBECKEN &C. Was war das für eine Vorrichtung? Abajje erwiderte: Ein Rad, wodurch man es senken konnte.

17DER KÖNIG MONOBAZ MACHTE DIE GRIFFE ALLER GERÄTE &C. Sollte er doch [die Geräte] selbst aus Gold gemacht haben!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.